Jan Wünsch, geborener Meyer, ist seit knapp zehn Jahren in Leipzig als Streichinstrumentenbauer tätig und fertigt mittlerweile vor allem Bratschen.
Zum Berufsbild des Geigenbauers fällt den meisten spontan der berühmte Antonio Stradivari ein. Aber nicht jeder Streicher kann mit einem Instrument im Wert von mehreren Millionen Euro auftreten – hier kommen Geigenbauer wie Jan Wünsch ins Spiel. Der Aachener machte seine Gesellenausbildung an der Geigenbauschule in Klingenthal und legte dann noch den Bachelor of Arts im Streichinstrumentenbau nach.
VOM GEIGER ZUM GEIGENBAUER
Seit seinem fünften Lebensjahr ist Jan Wünsch selbst leidenschaftlicher Geiger. „Den Anstoß gab ein Hör- spiel namens ‚Kleiner Dodo‘, in dem ein Affe Geige spielte. Das wollte ich auch“, berichtet Wünsch. Bis heute blieb er der Geige treu – und baute in den Jahren seiner Berufstätigkeit bereits etwa 70 Instrumente.
EDLES HOLZ FÜR GUTEN KLANG
Etwa eineinhalb Monate dauert der Bau einer Bratsche aus Ahorn, Fich- te und Ebenholz. Bei der Verarbei- tung wird nicht nur auf die Klangleitfähigkeit des Materials geachtet, sondern auch auf die Holzmaserung, damit das Instrument später auf dem „Rücken“ ein schönes Muster hat. Die einzelnen Teile werden mit Haut- oder Knochenleim verklebt und mit selbst gekochtem Öl-Lack veredelt. „Jeder Instrumentenbauer hat seine eigene Rezeptur“, erklärt Jan Wünsch. Zum Abschluss werden die Instrumente „geschminkt“, das heißt, mit einer Art Patina versehen, damit sie nicht zu neu und ungebraucht aussehen. Bei aller Optik ist dennoch der Klang das Wichtigste. Obertonreich soll er sein und tragen muss er, damit man das Instrument im Orchester gut hört. Dazu hat, wie Wünsch erzählt, jeder Musiker eigene Präferenzen, wie das Instrument zu klingen hat – eher brillant oder lieber etwas „dunkler“. „Das Wichtigste in meinem Beruf ist der persönliche Kontakt zu den Musikern“, sagt Wünsch. „Ich ‚beobachte‘ meine Instrumente auch nach dem Verkauf weiter, ein bisschen wie bei Kindern, die in die Welt hinausziehen. Besonders freut mich, dass im letzten Jahr einige meiner Kunden Festanstellungen in Orchestern oder sogar Solisten-Stellen bekommen haben.“


