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  • Stadtleben
NACHHALTIGER STRUKTURWANDEL

Mit Bürger­ beteiligung bessere Ideen und Lösungen finden

Das Kooperationsvorhaben „Neue Energielandschaft Grüne Pleiße“ bezieht neben lokalen und regionalen Akteuren explizit die Bürgerinnen und Bürger der Region ein – ein beispielhaftes Projekt für nachhaltigen Strukturwandel.

viele Menschen sitzen sin an einem großen Tisch und diskutieren, am Tischende ist einer Leinwand
Unter dem Motto „Kultur in die Landschaft“ trafen sich circa 30 Interessierte beim Kultur-Stammtisch im Gut Kahnsdorf © Neue Energielandschaft Grüne Pleiße

Wie wird sich der Leipziger Süden um Böhlen, Neukieritzsch und Rötha in den kommenden Jahren entwickeln? Die Menschenin der Region wünschen sich, knapp heruntergebrochen, dass ihre Heimat erlebbar, erfahrbar und nutzbar wird. Dies ergaben neben einer Bürgerbeteiligungsveranstaltung Mitte des vergangenen Jahres und einer Online-Umfrage auch mehrere Workshops in den letzten Wochen. Organisiert wurden diese Veranstaltungen von den Projektmitarbeitern des Kooperationsvorhabens„Neue Energielandschaft Grüne Pleiße", oft kurz „Grüne Pleiße" genannt.Ein Zusammenschluss der drei Kommunen Böhlen, Neukieritzsch und Rötha, der 2021 beim sächsischen Mitmachfonds simul+225.000 Euro gewann. 

Eine attraktive Braunkohlefolgelandschaft soll entstehen

Das Geld soll für die Entwicklung eines Masterplans mit vier Pilotprojekten für eine lebenswerte, nachhaltige Zukunft entlang der Pleiße genutzt werden. Man suche „einen Kompromiss in der Fläche, im Raum aus Investitionsanforderungen der regenerativen Energien, der Naturlandschaft und der Lebensqualität der Menschen“, so Projektleiter Uwe Ferber von der Stadt- Land GmbH. Durch die ersten Veranstaltungen kristallisierten sich drei Themenschwerpunkte heraus: Energie, Gewässer und Gestaltung der Kulturlandschaft. Zu jedem Thema gab es inzwischen Workshops mit Interes- sierten aus der Bürgerschaft, Initiativen, Vereinen, Vertretern der kommunalen Politik und Wirtschaft. Als erster Wunsch stellte sich dabei heraus, dass sich die Region vom Braunkohlestandort nicht nur zu einem Standort vielfältiger erneuerbarer Energieerzeugung wandeln soll. „Natur, Landwirtschaft, Pleiße und die neuen Seen müssen miteinander in Einklang gebracht werden. Bereits vorhandene Industriestandorte bieten sich für erneuerbare Energien prioritär an", führt Uwe Ferber aus. Auch solle die Ener-gieproduktion durch Solarzellen mit landwirtschaftlicher Produktion verbunden werden. Dies könne beispielsweise mit Agri-Photovoltaikanlagen geschehen, unter denen Traktoren, Mähdrescher und Co. hindurchfahren können. So bleiben Felder landwirtschaftlich nutzbar, während sie gleichzeitig zur Erzeugung von Solarenergie genutzt werden können, erklärt Ferber. Zudem seien die Bürger daran interessiert, sich selbst an der Entwicklung der Energieproduktion und als Energieerzeuger zu beteiligen. Dies könne über eine Bürger-Energie-Genossenschaft erfolgen, in der die Bürger die Initiative zur eigenen Finanzierung von Solaranlagen übernehmen.

Einladende Wege, baden in der Pleiße und Kultur für alle

Beim Thema Gewässer geht es vor allem darum, die Pleiße, in weiten Teilen eher ein Kanal als ein Fluss, zu renaturieren, sodass sich wieder eine ursprünglichere Tier- und Pflanzenwelt rund um die Pleiße ansiedeln kann. Auch Badestellen seien denkbar und gewünscht, zudem attraktive Radwege zwischen den Ortschaften und auch von Leipzig gen Sü-den. Im Gespräch sei die Projektgruppe unter anderem mit der Firma Move On Energy GmbH, die auf 500 Hektar den Energiepark Witznitz baut: Wander-, Rad- und Reitwege durch den Solarpark sind durch den Investor zu-gesagt. Für kurze Wege, die auch touristisch attraktiv sind, und die Möglichkeit bieten, Natur und Industriekultur gleichermaßen zu erfahren, im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. „Die Erlebbarkeit der Landschaft muss entlang der Pleiße Priorität haben", bringt Uwe Ferber es auf den Punkt. Inzwischen gibt es auch einen Kultur-Stammtisch, an dem unter anderem Röthaer Stadtvereine und das Kahnsdorfer Schloss, aber auch verschiedene weitere Kulturinitiativen teilnehmen und in den Austausch gehen. So soll eine Kulturroute ausgearbeitet werden mit einer gestalteten Stadt-Land-Tour entlang des Einzugsgebiets der „Grünen Pleiße". Ebenso sei ein Kultursommer 2024 angedacht.

Strukturelles Dach für engagierte Menschen und ihre Ideen

Das Interesse am Vorhaben „Grüne Pleiße“ und den daraus entstehenden Projekten sei sehr groß, ebenso die Bereitschaft zur Kooperation. Uwe Ferber nutzt gern das Bild eines Ameisenhaufens, wenn er über die Vielzahl der Akteure im Leipziger Südraum spricht. Es gebe zahlreiche Zusammenschlüsse von Menschen, die sich für ihre Heimat engagieren. Oft wissen diese aber gar nichts von den anderen Initiativen. Auch hier setzt die „Grüne Pleiße" an. Man wolle die Menschenzusammenbringen, Gemeinsamkeiten aufzeigen und Synergien schaffen und als „strukturelles Dach" fungieren, unter dem man gemeinsam Aktivitäten und Projekte organisieren kann. Neben kleinen, bereits begonnenen Pilotprojekten im Schlosspark Rötha, im Park des Kulturhauses Böhlen und im Kulturpark Deutzen bahnen sich bereits weitere Projekte wie eine Kooperation des Leipzig pflanzt e.V. mit einer Lobstädter Schule an. Im Sommer werden im Masterplanentwurf weitere Vorschläge folgen und den Gemeindeparlamenten vorgestellt.

Förderungen und private Investoren

Finanziert werden sollen die Projekte einerseits durch weitere Fördermöglichkeiten, aber vor allem sollen sie sich selbst tragen können. Auch private Investoren würden hierfür gesucht. Im Leipziger Südraum sind die Menschen dem Strukturwandel gegenüber positiv eingestellt. Sie ergreifen sicht- und spürbar die Initiative und wollen ihre Heimat aktiv mitgestalten – etwas, das für sie durch den Braunkohletagebau viele Jahrzehnte so nicht möglich war. 

Mehr Informationen: www.facebook.com/ gruenepleisse

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