//
//
  • Ausflüge in Leipzig
  • Leute
Leipzigs grüne Schätze

Wild, leise, laut – Kräuter hautnah mit Daniela Kahrens

© Edie Hannemann

Mit allen Sinnen unterwegs

Wildkräuter wachsen in Leipzig nahezu überall – im Park, am Wegesrand oder zwischen Häusern. Auf ihren Kräuterwanderungen zeigt Daniela Kahrens, welche Pflanzen es besonders zu entdecken lohnt.

Ihr Projekt Lautes Kraut versteht Natur als Erfahrungsraum, der mit allen Sinnen erforscht werden kann. „Pflanzen machen nicht nur durch Duft, Aussehen oder Erinnerungen auf sich aufmerksam“, erklärt Kahrens. „Manchmal sind sie sogar hörbar – etwa wenn Stängel beim Brechen charakteristisch knacken.“ So entstand schließlich auch der Name ihres Projekts.

Die gebürtige Niedersächsin lebt seit 2012 in Leipzig. Über ihre Arbeit als Logopädin kam sie zur Ausbildung als Kräutererlebnispädagogin. Seit 2022 bietet sie mit Lautes Kraut Wanderungen und Workshops an, bei denen heimische Wildpflanzen in Küche, Hausapotheke und Naturkosmetik im Mittelpunkt stehen.

 

 

Unterwegs im Volkspark

Viele Touren führen durch den Volkspark Kleinzschocher, insbesondere zur Jahresbaumwiese, einem wenig gemähten Bereich mit großer Pflanzenvielfalt. Dort lernen Teilnehmende bekannte und weniger bekannte Wildpflanzen neu kennen: etwa Spitzwegerich als traditionelles „Erste-Hilfe-Kraut“ bei Blasen, Giersch als vielseitige Küchenpflanze oder Brennnesseln als mineralstoffreiche Alternative zu Spinat. Schritt für Schritt lernen die Gruppen, Pflanzen sicher zu bestimmen und achtsam zu sammeln.

Im Landschaftsschutzgebiet gelten dabei einfache Regeln: Gesammelt wird nur, was eindeutig bestimmt werden kann - ausschließlich in Handmenge und niemals mehr als ein Drittel einer Pflanze. Naturschutzgebiete, Bahngleise, Straßenränder oder stark frequentierte Hundestrecken bleiben tabu.

Vom Sammeln zur Anwendung

Mit routinierten Schritten führt Daniela Kahrens die Gruppe durch unterschiedliche Lebensräume. Gerade zur Bärlauchzeit sei besondere Aufmerksamkeit gefragt, denn giftige Doppelgänger wie das Maiglöckchen können leicht verwechselt werden. Neugierige Teilnehmende erkunden, fühlen und probieren vorsichtig die vorgestellten essbaren Pflanzen und füllen ihre Körbe und Beutel.

Auf der Jahresbaumwiese werden Verwendungsmöglichkeiten direkt praktisch erfahrbar. Ein gemeinsamer Snack zeigt, wie Wildkräuter in den Alltag integriert werden können: ein Cashew-Aufstrich mit zuvor bestimmtem Giersch und Bärlauch. Viele Pflanzen lassen sich unkompliziert nutzen - als Tee, in Salaten oder frittiert als Chips. Auch Samen und Wurzeln finden Verwendung.

Der Ansatz folgt einem alten Grundgedanken der Medizin, der Hippokrates zugeschrieben wird: „Eure Nahrungsmittel sollen eure Heilmittel sein.“

Nach den Wanderungen werden die Pflanzen teilweise im Studio Bruu in der Oeserstraße weiterverarbeitet – etwa zu Aufstrichen, Naturkosmetik oder Räucherwerk. Verkauft werden die Produkte nicht; im Mittelpunkt steht die Weitergabe von Wissen, damit Teilnehmende Anwendungen selbstständig umsetzen können.

Ich möchte dem Begriff ‚Unkraut‘ seinen schlechten Ruf nehmen."

Pflanzen neu wahrnehmen

Kahrens legt den Fokus bewusst auf häufige Arten statt auf seltene Exoten. Viele der Pflanzen, die sie zeigt, wachsen unscheinbar direkt vor der Haustür und werden im Alltag oft übersehen - obwohl sie seit Jahrhunderten genutzt werden. Welche davon essbar, heilkräftig oder überraschend vielseitig sind, entdecken die Teilnehmenden Schritt für Schritt während der Führung.

Je nach Jahreszeit gehören dazu auch besondere Fundstücke wie die Kornelkirsche, deren Früchte von Kahrens selbst gelegentlich als „Leipziger Olive“ verarbeitet werden. Welche Pflanzen gerade im Mittelpunkt stehen, bleibt dabei bewusst Teil der gemeinsamen Entdeckungsreise.

Ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit fasst Kahrens so zusammen: „Ich möchte dem Begriff ‚Unkraut‘ seinen schlechten Ruf nehmen und wünsche mir, dass Pflanzen wieder als selbstverständlicher Teil unseres Alltags wahrgenommen werden.“

Wissen für viele Generationen

Die Kräuterwanderungen sprechen ein vielfältiges Publikum an – von Kita- und Schulgruppen bis zu Erwachsenen und älteren Teilnehmenden. Die Führungen finden ganzjährig statt und folgen dem Rhythmus der Jahreszeiten: vom ersten Frühlingsgrün über Samen und Früchte im Herbst bis zu winterlichen Anwendungen aus getrockneten Kräutern.

So verändert sich nicht nur die Pflanzenwelt, sondern auch der Blick auf die eigene Umgebung. Denn oft wachsen die überraschendsten Pflanzen an Orten, an denen man sonst achtlos vorbeigeht. Wer tiefer einsteigen möchte, findet laut Kahrens in Leipziger Bibliotheken oder sogar Verschenkekisten häufig spannende Bestimmungsbücher. Digitale Anwendungen wie die App „Wild Forager“ können zusätzlich dabei helfen, Pflanzen zu bestimmen und geeignete Sammelorte zu entdecken.

So wird aus einem Spaziergang schnell eine kleine Entdeckungsreise durch die eigene Umgebung.

Kräuterführungen von Lautes Kraut

Daniela Kahrens

Weitere Informationen und Buchungsmöglichkeiten:

https://www.lautes-kraut.de

« zurück
zur aktuellen Ausgabe