Pflanzen neu wahrnehmen
Kahrens legt den Fokus bewusst auf häufige Arten statt auf seltene Exoten. Viele der Pflanzen, die sie zeigt, wachsen unscheinbar direkt vor der Haustür und werden im Alltag oft übersehen - obwohl sie seit Jahrhunderten genutzt werden. Welche davon essbar, heilkräftig oder überraschend vielseitig sind, entdecken die Teilnehmenden Schritt für Schritt während der Führung.
Je nach Jahreszeit gehören dazu auch besondere Fundstücke wie die Kornelkirsche, deren Früchte von Kahrens selbst gelegentlich als „Leipziger Olive“ verarbeitet werden. Welche Pflanzen gerade im Mittelpunkt stehen, bleibt dabei bewusst Teil der gemeinsamen Entdeckungsreise.
Ein zentrales Anliegen ihrer Arbeit fasst Kahrens so zusammen: „Ich möchte dem Begriff ‚Unkraut‘ seinen schlechten Ruf nehmen und wünsche mir, dass Pflanzen wieder als selbstverständlicher Teil unseres Alltags wahrgenommen werden.“
Wissen für viele Generationen
Die Kräuterwanderungen sprechen ein vielfältiges Publikum an – von Kita- und Schulgruppen bis zu Erwachsenen und älteren Teilnehmenden. Die Führungen finden ganzjährig statt und folgen dem Rhythmus der Jahreszeiten: vom ersten Frühlingsgrün über Samen und Früchte im Herbst bis zu winterlichen Anwendungen aus getrockneten Kräutern.
So verändert sich nicht nur die Pflanzenwelt, sondern auch der Blick auf die eigene Umgebung. Denn oft wachsen die überraschendsten Pflanzen an Orten, an denen man sonst achtlos vorbeigeht. Wer tiefer einsteigen möchte, findet laut Kahrens in Leipziger Bibliotheken oder sogar Verschenkekisten häufig spannende Bestimmungsbücher. Digitale Anwendungen wie die App „Wild Forager“ können zusätzlich dabei helfen, Pflanzen zu bestimmen und geeignete Sammelorte zu entdecken.
So wird aus einem Spaziergang schnell eine kleine Entdeckungsreise durch die eigene Umgebung.