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Gespräch mit Frau Dr. Beate Ginzel (Referatsleiterin Referat Digitale Stadt)

Lösungen für sichere digitale Identitäten

Dr. Beate Ginzel
Frau Dr. Beate Ginzel selber © privat

Die Digitalisierung in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf. Besonders durch Corona wurden jedoch die Schwachstellen dieser Großbaustelle ersichtlich. Deshalb fragte Ahoi-Redakteur Volly Tanner bei Frau Dr. Ginzel nach, die das Referat Digitale Stadt leitet – was denn in diesem Referat überhaupt so gemacht wird. Und Frau Dr. Ginzel antwortete:

Ahoi: Guten Tag, Frau Dr. Beate Ginzel. Sie sind die Referatsleiterin im Referat Digitale Stadt. Was es alles gibt in Leipzig. Was machen Sie denn da eigentlich?

 

Vielen Dank für die Einladung zum Interview!

Das Referat Digitale Stadt gibt es seit April 2019 und unsere Aufgabe als Team der Stadt Leipzig ist es, den digitalen Wandel aktiv zu gestalten, in dem wir digitale Projekte im Stadtraum entwickeln und ermöglichen. Digitalisierung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und kann nur gemeinsam gestaltet und umgesetzt werden. Unsere Aktivitäten reichen von der strategischen und konzeptionellen Verankerung von Digitalisierungsaufgaben der Stadt Leipzig bis hin zur Initiierung, Koordinierung und Umsetzung von Projekten der digitalen Stadt.

In unseren Konzepten und Projekten befassen wir uns zum einen mit Systemen, um Daten künftig besser zu nutzen, zu teilen, zu visualisieren und öffentlich zur Verfügung zu stellen und zum anderen auch mit digitalen Netzen wie beispielsweise WLAN, Sensorik und 5G. Inhaltlich geht es dabei um die optimale und effiziente Nutzung digitaler Lösungen im Bereich Energienetze, Verkehr und Klimamonitoring. Dabei arbeiten wir immer in Kooperationsprojekten mit verschiedenen Partnern wie beispielsweise der Verwaltung in den Bereichen Klimaschutz, Wirtschaftsförderung, Stadtentwicklung oder Verkehr, mit kommunalen Unternehmen, der Wirtschaft, der Stadtgesellschaft und der Wissenschaft.

Zusammen mit diesen Partnern konzipiert das Referat eigene Förderanträge für nationale und europäische Fördergelder und setzt diese fach- und sektorübergreifenden Projekte um. Wir sind Ansprechpartner für die Stadtgesellschaft, die Wissenschaft und Unternehmen als auch Kontaktstelle für Ideen und Projekte.

 

Ahoi: Die Digitalisierung ist - auch durch Corona - ein großes Thema. Wo ruckelt es denn noch in Leipzig in der Verwaltung? Ich hörte, dass das Thema Homeworking eine der Wackelkandidaten ist.

 

Das Thema Homeoffice ist seit Ausbruch der Pandemie für viele Unternehmen und die öffentliche Verwaltung ein großes Thema: so auch für die Stadtverwaltung Leipzig. Als Stadtverwaltung müssen dabei zwei zentrale Ansprüche abgewogen werden: einerseits erwarten die Leipzigerinnen und Leipziger, dass der Dienstbetrieb aufrechterhalten wird, gleichzeitig sind die Anforderungen des Pandemieschutzes zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt 2020 bereits frühzeitig begonnen, Homeoffice zu ermöglichen sowie die technischen Möglichkeiten auszubauen.

Nicht alle Aufgaben bei der Stadtverwaltung können aus dem Homeoffice erledigt werden. Aber im März 2021 waren 2.700 Mitarbeiter technisch so ausgestattet, dass sie im Homeoffice arbeiten können. Das sind drei Viertel aller Kolleginnen und Kollegen, deren Tätigkeit Homeoffice-fähig ist.

 

Ahoi: Und was können Sie im Referat da machen?

 

Für die zügige Ausstattung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sich vor allem die Kolleginnen und Kollegen im Hauptamt zusammen mit dem städtischen Dienstleister der Lecos GmbH eingesetzt. Das Team des Referates Digitale Stadt arbeitete seit dem Sommer 2020 in zwei Teams im Wechsel im Büro und seit Oktober 2020 sind alle vollständig im Homeoffice.

 

Ahoi: Auf der Stadtseite im Netz las ich, dass Sie mit Ihrem Team Leitlinien entwickeln und Schnittstellen definieren. Was heißt das denn in "allgemeinverständlich"?

 

Ja, Projekte entwickeln und umsetzen ist wichtig und eine spannende Aufgabe. Aber die Stadt Leipzig hat inzwischen mit den verschiedenen Pilotprojekten und Konzepten einen Entwicklungsstand erreicht, auf dessen Basis wir eine strategische Grundlage für die gesamte Stadtverwaltung und die kommunalen Eigenbetriebe benötigen. Diese Grundlage wird derzeit als Digitalstrategie der Stadt Leipzig in einem internen Prozess erarbeitet.

Mit Erarbeitung der Digitalstrategie Leipzig formulieren wir mittelfristig, also für die kommenden 5 bis 10 Jahre, die strategische Grundlage, um gemeinsam die städtischen Gestaltungsmöglichkeiten der digitalen Transformation bestmöglich zu nutzen sowie digitale Technologien und soziale Innovationen im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung einzusetzen. Dabei bauen wir auf unseren gemeinsamen Erfahrungsschatz aus digitalen Projekten, existierenden Strukturen, Formaten und Kooperationen in der kommunalen Familie, mit derStadtgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft auf.

Leitprinzipien sind dabei ein wichtiger Baustein der Digitalstrategie. Sie sind ethische, technische und nicht-technische Grundsätze und Anforderungen, an denen sich die Stadt Leipzig in der Ausgestaltung der digitalen Transformation orientiert.

 

Ahoi: Und da steht auch etwas von Förderanträge für nationale und internationale Fördergelder? Für wen? Von wem konkret? Und wie geht das?

 

Die Digitalisierung der Gesellschaft und der Wirtschaft und die damit einhergehende sichere Datenerhebung und -nutzung steht bei der Europäischen Kommission und dem Bund ganz oben auf der Agenda. Derzeit gibt es eine Vielzahl an Förderprogrammen und das Referat Digitale Stadt wird stellvertretend für die Stadt Leipzig als Partner für eine Vielzahl von Projekten angefragt. Beispielsweise bewerben wir uns derzeit im Verbund für das GAIA-X-Programm vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und wollen mit einem Projekt sichere und vernetzte Dateninfrastrukturen für Smart Cities schaffen. Anfang Mai haben wir den Zuschlag für das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie geförderte Projekt ID-Ideal erhalten. Mit dem Projekt sollen Lösungen für sichere digitale Identitäten erarbeitet werden, die mit den europäischen Regelungen und den Ansprüchen an den Datenschutz konform sind. Dafür erhalten wir über einen Zeitraum von drei Jahren rund 1 Mio. Euro.

 

Ahoi: Sie sind auch Ansprechpersonen & Partner für die "Stadtgesellschaft", bündeln Ideen und Konzepte. Was bedeutet das eigentlich? Wer kann sich konkret mit was an Sie wenden?

 

Grundsätzlich kann sich jede Leipzigerin und jeder Leipziger sowie Unternehmen oder Vereine an uns wenden, die Fragen oder Ideen rund um die Digitalisierung haben. So geschehen im Januar 2020 als sich die dezentrale e.V. mit einer Kooperationsanfrage an uns wandte, gebrauchte, aber funktionsfähige technische Geräte aufzubereiten und Schülerinnen und Schülern ökonomisch benachteiligter Familien kostenfrei und dauerhaft zur Verfügung zu stellen. Neben der sozialen Komponente deckt das Projekt Hardware for Future auch eine ökologische und ökonomische durch die Wiederverwertung von vorhandener Technik und der Schonung von Ressourcen ab. Einen ordentlichen Schub bekam Hardware for Future nur wenig später durch die Corona-Pandemie, da zum einen seit März 2020 alle Kinder durch mehr oder minder durchgängige Schulschließungen von zu Hause aus beschult werden mussten und zum anderen bis dato keine entsprechende Individualförderungen in Form von zur Verfügung stellen von technischem Equipment über den Digitalpakt des Bundes vorgesehen sind. Im Zeitraum Juni 2020 bis Mitte Februar 2021 wurden etwa 840 Geräte gespendet, die Warteliste der Interessenten ist jedoch viel länger und beläuft sich auf rund 1.800 Personen. Der Bedarf ist also anhaltend hoch, so dass die Stadt zusammen mit den Partnern das Projekt verstetigen möchte. Zu diesem Zweck soll in Kürze eine Absichtserklärung die weitere Zusammenarbeit von allen Partnern fixieren. Wer sich tiefer mit dem Thema Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft beschäftigen möchte, der kann am 18. Juni ohne Anmeldung an der kostenfreien Online-Veranstaltung des Referates HOTSPOTS:: Der Stadtentwicklung teilnehmen.

 

Ahoi: Danke, liebe Frau Dr. Ginzel. Für Ihre Antworten und Ihre Zeit.

Referat Digitale Stadt 

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