• Stadtgeschichte
Architektonische Meisterwerke

Leipzigs schönste Treppenhäuser

Orientalischer Saunabereich im Stadtbad Leipzig
Orientalischer Saunabereich im Stadtbad Leipzig © Werner Schwehm

Was wir an Leipzig lieben? Dass es auch abseits von Szenevierteln und Sehenswürdigkeiten immer wieder neue Seiten zu entdecken gibt. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass sich ausgerechnet in Treppenhäusern altes Gründerzeitflair oder barocke Opulenz finden lassen? Unsere Liste verrät, wo sich ein Extra-Blick ins Treppenhaus besonders lohnt:

1. Bibliotheca Albertina

Die Bezeichnung als schönstes Treppenhaus verdient ohne Frage die imposante Treppe in der Albertina. Lichtdurchflutet und aus feinstem Marmor gebaut, führt die zweiarmige, dreiläufige Treppe zu der umlaufenden Galerie, die mit Rundbogenarkaden und toskanischen Säulen aus schwarzem Mamor in Szene gesetzt wird. Doch aufgepasst: Denn bei der Bibliotheca Albertina handelt es sich um eine umfassende Rekonstruktion. Kurz vor Ende des 2. Weltkrieges wurde die Bibliothek am 6. April 1945 schwer zerstört. Erst im Jahr 1992 begann der 10-jährige Wiederaufbau. Heute ist die Bibliotheca Albertina eines der Schmuckstücke Leipzigs.

Bibliotheca Albertina
Beethovenstraße 6

2. Deutsche Nationalbibliothek

Sie ist so etwas wie das literarische Gedächtnis der Nation: Die Deutsche Nationalbibliothek. 1912 in Leipzig gegründet, bildet sie seit der Wiedervereinigung gemeinsam mit dem Standort in Frankfurt das Archiv für deutsches Schrifttum. Mit einem Bestand von rund 40 Millionen Medien allein in Leipzig ist sie übrigens die größte Bibliothek Deutschlands. Doch wer am Leipziger Standort nun eine prächtige Treppe wie in der Albertina vermutet, irrt: Stattdessen versprüht die Haupttreppe im Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek eher sachliches Flair. Und doch entwickelt die Treppe dank des durchsichtigen Geländers und der breiten Fensterfront ihren ganz eigenen luftig-leichten Charme.

Deutsche Nationalbibliothek
Deutscher Platz 1

3. Volkshochschule Löhrstraße

Ein kleiner Geheimtipp ist indes das repräsentative Treppenhaus in der Volkshochschule im Leipziger Zentrum. Hier gestaltete der Leipziger Architekt Otto Brückwald 1988/89 das Gebäude ganz im Stil des palladianischen Klassizismus, was sich auch im historischen Haupttreppenhaus zeigt: Hier sorgen Rundbögen, Säulen aus Mamor und eine schier endlose Anzahl an Treppenstufen für einen beeindruckenden Anblick.

Volkshochschule Löhrstraße
Löhrstraße 3

4. Grassimuseum

Eine gute Anlaufstelle für Freunde von besonders gestalteten Treppenhäuser ist ganz klar das Grassimuseum. Verbreitet beispielsweise die Haupttreppe im Museum für Angewandte Kunst mit der Rekonstruktion der Treppenhaus-Fenster von Josef Albers nüchterne Bauhaus-Eleganz, windet sich im Turm-Treppenhaus eine schwindelerregende Wendeltreppe in die Höhe.

Grassimuseum
Johannisplatz 5-11

5. Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“

Der Hauptstandort der ältesten Musikhochschule Deutschlands steht - wie sollte es anders sein - im Musikerviertel in Leipzig. 1843 als Konservatorium von dem Musiker und Namensgeber Felix Mendelssohn Bartholdy gegründet, wurde das Hochschulgebäude am 5. Dezember 1887 als zweites Domizil (nachdem die Räumlichkeiten im Hinterhof des Gewandhauses für die wachsende Anzahl der Studenten zu klein wurde) in der Grassistraße 8 eingeweiht. Dabei kann sich die HMT mit bekannten Lehrenden und Alumni wie Mendelssohn, Robert Schumann, Edvard Grieg oder Max Reger schmücken. Der Glanz der zurückliegenden Epochen ist in der Hochschule noch allgegenwärtig: Davon zeugt auch das imposante Treppenhaus, das ganz im Stil des Historismus einen opulenten Mix aus Jugendstil und Romantik vereint.

Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“
Grassistraße 8

6. Neues Rathaus

Sicherlich eines der meist fotografiertesten Gebäude in Leipzig ist das Neue Rathaus, das seit 1905 das alte Rathaus am Markt abgelöst hat. Dabei erinnert das schlossartige Gebäude bewusst an die ehemalige Pleißenburg, die hier einst stand. Stilistisch finden sich in dem Gebäude Komponenten aus dem Historismus, des Barocks, der Renaissance und des Jugendstils wieder. Ein Highlight ist dabei ganz klar das repräsentative Haupttreppenhaus, das seine Vorbilder im Barock hat. Aus Granit und farbigem Marmor erschaffen, verbindet die dreiläufige Haupttreppe die Untere mit der Oberen Wandelhalle im Hauptgeschoss. Richtet man seinen Blick nach oben, zeigt sich an der Stuckdecke ein künstlerisches Sonnenmotiv im Jugendstil.

Neues Rathaus
Martin-Luther-Ring 4

7. Oper Leipzig

Auch wenn Opern Geschmacksache sind - an dem Treppenhaus der Leipziger Oper gibt es nichts zu meckern. Ende der 50er als erster Theaterneubau der DDR erbaut, ist die Leipziger Oper eine spannende Mischung aus klassizistischem Erbe und moderner Architektur. Dabei sind die Treppengeländer ein ganz besonderer Blickfang: Roter Samt-Teppich, filigrane Geländer und Handläufe im typischen Stil der 50er Jahre und mit Blattgold ausgeschlagene Wände sorgen dafür, dass man sich für einen Moment wie in eine andere (extrem stilvolle) Zeit zurück versetzt fühlt.

Oper Leipzig
Augustusplatz 12

8. Stadtbad Leipzig

Wer es schafft, einen der raren Fototermine für das historische Stadtbad Leipzig zu ergattern, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus: Denn das Jugendstilgebäude hat wenig mit dem Bild klassischer Schwimmbäder gemein. Statt weißer Fliesen und funktionalen Umkleidekabine, erwarten die Besucher hier imposante Säulen und Bögen, dekorative Wandmosaiken, Brunnen und ornamentale Fliesen, die für „Tausend und eine Nacht-Flair“ sorgen. Das gilt auch für die verschiedenen Treppen, die ebenfalls ganz im maurischen Stil gehalten sind.

Stadtbad Leipzig
Eutritzscher Straße 21

« zurück
zur aktuellen Ausgabe