Neben Modemetropolen wie Mailand, Paris, London und Berlin spielt Leipzig auf dem internationalen Parkett gar keine Rolle. Trotzdem tut sich auch bei uns einiges. Würden Sie Leipzig als Modestadt bezeichnen?
Ulrike Biller: Für mein Empfinden ist Leipzig nicht ganz vorne als Modestadt dabei. Leipzig ist eher bekannt für bildende Kunst, nicht für seine Mode. Aber wir haben hier schon auf jeden Fall viele Labels und Designer, die auch über die Grenzen Leipzigs hinaus bekannt sind, zum Beispiel Silke Wagler. Das alleine macht Leipzig aber nicht zur Modestadt.
Kann man trotzdem so etwas wie einen „Leipziger Stil“ erkennen?
Biller: Vor allem im Bereich der nach- haltigen Mode wird sich in Leipzig viel mit genderneutraler Mode auseinan- dergesetzt. Wir haben zum Beispiel die Anne Ihm von IHM sustainable fashion oder auch Sandra Jahn von Rosentreter Modedesign, die thematisch total un- terschiedlich arbeiten, aber beide eben nicht explizit Männer- oder Frauenklei- dung machen. Das ist meinem Gefühl zufolge ein Thema in Leipzig.
Obwohl Leipzig, wie Sie sagen, keine klassische Modestadt ist, hat sich vor einigen Jahren das Fair Fashion Lab als Ort gegründet, der all die Kreativen in Leipzig verbinden soll, die im weitesten Sinne etwas mit Mode zu tun haben. Also Modeschöpfer genauso wie Händler. Wie kam es zur Gründung des Labs?
Biller: Der Urschleim der ganzen Bewegungen rund um faire Mode ist das Rana-Plaza-Unglück, wonach sich als weltweite Kampagne die Fashion Revoution gründete. In Leipzig haben sich dann auch Gruppen zu diesem Thema gebildet und rund um den Gedenktag für Rana Plaza im April fanden immer wieder Veranstaltungen, Modeschauen und Co. statt. Das hat sich dann schrittweise aufgebaut. 2018 kam ich in diese lose Formation und wurde gebeten, das Netzwerk zu stärken. Gleichzeitig gab es vom Rat für Nachhaltige Entwicklung Fördergelder, die auf Bundesebene aus- geschüttet wurden, und um die haben wir uns mit dem Konzept Fair Fashion Lab beworben und sie letztlich auch bekommen. Das war eigentlich der Startschuss. Vom ursprünglichen Initiatoren- team ist zwar kaum jemand mehr da, aber wir haben diesen Kanal und das ist gut.
Welche Rolle spielt das Fair Fashion Lab in der Leipziger Modeszene?
Biller: Wir sind eine nicht-kommer- zielle Projektinitiative, die dieses Thema in Leipzig verankern will. Das Lab lebt natürlich inhaltlich von den Menschen, die da mitmachen. Das Lab hat inzwischen wirklich eine Art Struktur geschaffen, auf die man zurückgreifen kann, auch abseits des Rana-Plaza- Gedenktages. Im Moment arbeiten wir zum Beispiel am Slow-Fashion-Herbst. Ich persönlich mache im Moment unheimlich gerne unsere Slow-Fashion- Stadttouren.


