• Kunst
Galerie She BAM!

Kleiner Raum – große Kunst

Die kleinste Galerie am Spinnereigelände ist Lætitia Gorsys „She BAM!“. Der Name ist Programm: Sie zeigt internationale Kunst ausschließlich von Frauen. Derzeit ist eine Ausstellung der 85-jährigen Wilma Schnell zu sehen.

Eine Frau neben einem Schild
Die Französin Lætitia Gorsy vor ihrer Galerie „She BAM!“ © Eva Grumeth

Lætitia Gorsy ist Galeristin mit Anspruch und Verstand. Seit zwei Jahren betreibt die gebürtige Französin den Artspace „She BAM!“ – und das mit Herzblut: „Ich könnte keine Galerie ohne Engagement machen“, erzählt sie. „Nur Bilder aufhängen interessiert mich nicht. Das reicht nicht mehr. Du musst weiterdenken.“ Dass sie dabei nicht nur Zeit, sondern auch Geld für die Künstlerinnen und deren Projekte einbringt, ist für sie glasklar: „Das Geld muss immer arbeiten. Ich will immer in ein neues Projekt investieren.“ Und das sieht man den Ausstellungen auch an.

Nur Bilder aufhängen interessiert mich nicht.

Frauen nach vorne

Aber wie kam sie dazu, 2018 eine feministische Galerie für Künstlerinnen zu eröffnen? Gorsy erklärt: „Das war ein Teil meines Abschlussprojekts von ,Kulturen des Kuratorischen‘ (ein weiterbildendes Studienangebot an der HGB, Anm. d. Red.). Zu der Zeit arbeitete ich schon in einer Galerie auf der Spinnerei und merkte: Es gibt eine
Ungleichheit im Kunstmarkt. Männer haben viel mehr Möglichkeiten. Das möchte ich ausgleichen.“ Vor allem im französischen Kunstbusiness hätte sie ein Macho-Gehabe erlebt, was sie frustrierend und ungerecht empfand. „Meine Rolle ist im Moment nicht, männliche Karrieren zu unterstützen“, sagt sie und stellt im selben Atemzug klar: „Ich stelle aber auch nicht alle Frauen aus.“

Wunderkammer

Ihr gutes Gespür für Kunst beweist sie regelmäßig. Dabei wird der kleine Raum vollflächig genutzt, wie z. B. von Winnie Seifert oder den Guerrilla Girls.

Mit der aktuellen Ausstellung ist Lætitia Gorsy ein besonderer Coup gelungen: Sie zeigt erstmals Bilder der 85-jährigen Wilma Schnell – Mutter des bekannten, in Leipzig lebenden Künstlers David Schnell. 1935 geboren, studierte sie Malerei und Grafik in Düsseldorf sowie Textilgestaltung in Berlin. Ab 1965 arbeitete sie als Kunstlehrerin, ihre künstlerische Praxis gab sie aber nie auf. Von ihren vielen Reisen inspiriert (Gorsy nennt sie eine „wandelnde Bibliothek“), beschäftigt sie sich bis heute in ihrem Kölner Atelier und Garten mit figürlicher Malerei, Natur- und Landschaftsstudien.

Eine klassische Hängung ist dabei nicht zu erwarten. Lætitia Gorsy verspricht eine Wunderkammer – in „She BAM!“-Style.

Wilma Schnell „Plein Air“
bis 24.10., Galerie „She BAM!“, Spinnereistraße 7 / Halle 3C

www.shebam.art

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