Man braucht ein wenig Fantasie. Vielleicht entlehnt aus Filmen wie „Fluch der Karibik“: Meer, Schiff, Pirat und Schatz. Und schon sieht man, was passiert, wenn das Ministerium für Abenteuer zur „Floßbau-Challenge“ einlädt.
- Leipzig engagiert sich
Kinder glücklich machen


Schatzsuche am Kulkwitzer See
Das Ministerium für Abenteuer ist keine politische Institution, obgleich das freilich keine so schlechte Idee wäre. Es ist Idee und Wirkungsstätte der Campus für Bildung und Sport gGmbH, einem Leipziger Unternehmen, das den gemeinnützigen Zweck verfolgt, „Kinder glücklich zu machen“, wie Fred Jahnke das zentrale Ziel beschreibt.
Fred Jahnke, 31, ist einer von zwei Projektleitern im Ministerium. Er plant Events wie die Floßbau-Challenge, die in etwa so vonstattengeht: Die Abenteuer-Behörde lädt Kinder im Schulalter an einen See ein, zum Beispiel an den Kulkwitzer See im Leipziger Osten. „Dort kommen die Kinder zusammen“, berichtet Fred Jahnke. „Es gibt eine Aufwärmrunde, dann beginnt die Story“, und zwar eine mit Piraten, einem Schatz, einem gesunkenen Schiff und Treibgut, „aus dem sich die Kinder Flöße bauen müssen“.

Persönlichkeit und Team
Entlang der Geschichte nehmen sich die Kinder Materialien von einem Haufen, es steht ihnen eine Art Werft samt Schiffbauer zur Verfügung, ein Basar zum Handeln und Tauschen. Ist das Floß gezimmert, geht’s aufs Wasser, wo Teile von Schatzkarten und ein alter Pirat irgendwann zu einem Schatz führen.
Es sind solche Events, die Fred Jahnke, seine Mitstreiterin Jule Kuhlmeier, drei weitere Mitarbeiter aus dem Kernteam und circa 60 Helfer aus dem Studenten- und Pädagogikbereich den Schulen anbieten, um Kinder bei gruppen- und persönlichkeitsbildenden Erlebnissen zu begleiten.
Die Wirkungen, die zum Beispiel Eintagesherausforderungen wie das Floßbauen erzeugen, sind vielfältig. Im Kern geht es darum, soziale Fähigkeiten zu entwickeln oder sie zu stärken: Gemeinschaft, Zusammenhalt, Respekt, Achtung. „Unsere Programme“, sagt Jule Kuhlmeier, „sind teamstärkend und teamfördernd“.
Unsere Programme sind teamstärkend und teamfördernd.
Umgang mit Alltagssprache
Die beiden Ministeriumsvertreter sehen die großen Alltagsthemen der Kinder von heute bei der Digitalisierung, beim Bewegungsmangel und im Umgang miteinander. „Die Pandemie-Jahre“, so Fred Jahnke, „haben diese Themen verschärft.“
Dort setzen die Abenteuer-Macher an, unter anderem mit Events wie dem Floßbau oder der Ausrichtung des in Sachsen vorgeschriebenen Schulsporttages. Nicht allein klassisch mit Werfen, Laufen Springen im Wettstreit und möglicher Niederlage. Sondern mit Slacklines oder Elementen aus dem Parkour-Sport.
Im Repertoire sind ebenfalls Workshops zum Umgang mit Alltagssprache, in der eine Menge Schimpfwörter heimisch geworden sind. Oder für einen eher nutzenorientierten Umgang mit Smartphone und Tablet. Zudem richten Fred Jahnke, Jule Kuhlmeier und ihre Mitstreiter Klassenfahrten aus.
In diesem Jahr kommen nun erstmals auch Sommer-Camps dazu. Glückliche Kinder sind eben das, worum es geht beim Ministerium, das keine Politik macht, sondern Abenteuer organisiert. Wie das, mit dem Floß einen Schatz zu bergen.

Bewegung steht im Vordergrund.
Herr Jahnke, die zweieinhalb Pandemie-Jahre haben vor allem die Kinder schwer getroffen. Welche herausfordernden Themen nehmen Sie wahr?
Jahnke: Es ist viel hängengeblieben. Während der Pandemie brachen die sozialen Kontakte weg, es fehlte plötzlich das direkte Miteinander, alles fand nur digital statt.
Was hatte das zur Folge?
Jahnke: Bewegungsmangel zum einen. Am meisten aber hat in meinen Augen der Umgang miteinander gelitten: das selbst verständliche Danke oder Bitte zum Beispiel. Auch die Alltagssprache ist teils rauer und aggressiver geworden.
Wie können Sie mit Ihren Events gegensteuern?
Jahnke: Bei uns steht die Bewegung im Vordergrund. Dann kommen die teambildenden Events und wir lernen auch, wie man in Teams achtsam und respektvoll miteinander umgeht.
Welche Erfahrungen machen Sie mit den Kindern?
Jahnke: Sie sind extrem offen, lassen sich begeistern, schlüpfen in andere, kraftvollere Rollen. Und sie sind wirklich glücklich. Das ist die stärkste Wahrnehmung.
Ministerium für Abenteuer
Am Sportforum 3
www.ministerium-fuer-abenteuer.de

