Vier Jahrzehnte Rainbirds – eine Band, deren melancholische Energie seit 1986 Generationen prägt. Zum Jubiläum 2026 findet die Ur-Besetzung noch einmal zusammen und kündigt eine Tour an. Am 12. Mai kommt die Band ins Haus Auensee nach Leipzig. Doch schon am 15.12. spielen die Rainbirds in einer erweiterten Originalbesetzung auf dem Lieblingsplattefestival im Düsseldorfer zakk das komplette 2. Album „Call Me Easy, Say I‘m Strong, Love Me My Way, It Ain‘t Wrong“. In den Zugaben wird auch „Blueprint“ nicht fehlen. Im Gespräch mit unserer Redaktion blickt die 62-jährige Sängerin auf ihre lange Bandgeschichte zurück.
Ahoi: Katharina, nach 36 Jahren stehen die Rainbirds in der Ur-Besetzung wieder auf der Bühne. Wie fühlt sich das an?
Katharina Franck: Da ist ein Staunen, definitiv. Aber es hat sich ganz allmählich in diese Richtung entwickelt und das Interesse seitens der Branche scheint groß. Wir waren schon damals eine erstaunlich gute Live-Band. Beckmann ist im Frühling zu unserem ehemaligen Tourmanager gefahren, der noch Tonbänder aus den späten Achtzigern hatte. Die mussten vor dem Digitalisieren erst „gebacken“ werden, damit sie wieder getrennt und digitalisiert werden konnten. Eine Aufnahme von „Sea Of Time“ vom Bonn-Konzert 1989 haben wir kürzlich veröffentlicht. Es hat mich doch ganz schön geflasht, gerade die Aufnahmen dieser Tour zu hören. Wir knüpfen in der Ur-Besetzung ja praktisch an diese Tour an.
Ahoi: Und wie ist es mit der Dankbarkeit?
Franck: So aus der Kalten? Nein, vielleicht fehlt mir da die Demut. Natürlich gibt es einiges wofür ich dankbar bin. Zum Beispiel meinen Eltern, dass sie mit meiner Schwester und mir nach Portugal und Brasilien ausgewandert sind, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin. Aber der Branche bin ich nicht im Besonderen dankbar, mal ganz abgesehen davon, dass wir alle wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass uns nach 40 Jahren immer noch Leute hören wollen.
Erfahrungen, die ich früher gemacht habe, würden mir heute nicht mehr passieren. Dass junge Menschen heute immer noch Ähnliches erleben, macht mich wütend. Ich hoffe, ich kann dazu beitragen – persönlich, oder auch über mein Engagement in der GEMA, zum Beispiel, dass sich die Branche bessert.
Ahoi: Hätten Sie vor zwei Jahren gedacht, dass ihr für „Blueprint“ Gold bekommt?
Franck: Nein, nicht wirklich. Die Single hat sich über die Jahrzehnte mehr als 250.000 Mal verkauft, aber diese Art der Anerkennung kam erst jetzt, nachdem sich die Katalogabteilung der Universal neu aufgestellt hat. Und ich mehr oder weniger zeitgleich begonnen habe, mich stärker mit meinem sogenanten Back-Catalogue zu beschäftigen.
Ich wollte wissen, warum das dritte Rainbirds - Album „Two Faces“ nicht digital verfügbar war. Ein Musikredakteur aus Bremen schrieb mir, er wolle zum 30-jährigen Jubiläum von "In A Different Light", dem vierten Album, ein Feature dazu machen. Und ich dachte mir, ja, das kann man doch mal feiern, diese vielen tollen Platten. Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich überhaupt Kontakt zu Universal bekam. Und plötzlich reden wir über eine Box und eine Tour zu 40 Jahren Rainbirds.
Ahoi: Und hätten Sie es vor drei Jahren für möglich gehalten, dass ein Comeback mit Rodrigo, Beckmann und Wolfgang wirklich stattfindet?
Franck: Nein. Ich hätte es damals wohl auch noch abgelehnt. Das ist ja keine schlichte Geschichte (mit Augenzwinkern). Und letztendlich mache ich seit über 40 Jahren nichts anderes. Nur der Support und das Interesse aus der Branche ist über die Jahre immer weniger geworden. Heute geht es mir vor allem um unser Publikum, die sich das alle sehr wünschen.


