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Gespräch mit der Pop-Newcomerin Sonya Sytnyk

Keine Angst vor Einsamkeit

Sonya Sytnyk sucht den eigenen Unterschlupf © Sytnyk privat

Der Pop-Zirkus bringt, neben all der maschinell erzeugten Beliebigkeit, immer wieder echte Perlen zustande. Gerade die perfekt ausgebildete und an der Leipziger Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy geformte Stimme von Sonya Sytnyk hat das Zeug, richtig durchzustarten. Wir mögen Sonya und begleiten sie deshalb von Herzen gern.

Ahoi-Redakteur Volly Tanner fragte etwas an der jungen Künstlerin herum.

Ahoi: Guten Tag, Sonya Sytnyk. Gerade bekam ich Deinen Debüt-Song „Be Your Shelter“ in meine Aufmerksamkeitsumgebung gespült. Ich durfte Dich ja schon als Jazzerin und HMT-Studierende zu interviewen, jetzt aber endlich als Solokünstlerin. Der Song ist sehr ergreifend. Für die Menschen, die ihn noch nicht kennen: Um was geht es in diesem Song?

Sonya Sytnyk: Vielen Dank für die Einladung! „Be Your Shelter“ erzählt vom Verstecken innerer Ängste und von der Notwendigkeit, einen Rückzugsort in sich selbst zu finden. Ich kenne den Kampf gegen unkontrollierte, schlimme Gedanken, die Dich wie aus dem nichts überkommen und die Lebensqualität beeinträchtigen können. Plötzlich sind sie da: „Werde ich von meinem Beruf als Musikerin leben können? Was ist, wenn ich in der Einsamkeit sterbe? Und was, wenn ich niemanden lieben würde und niemand mich lieben würde?“.

Von außen sieht alles immer perfekt aus. Und trotzdem kreisen solche Gedanken immer und immer wieder. „Be Your Shelter“ bedeutet für mich die innere Ruhe und den eigenen Save Space zu finden, gleichzeitig stark und schwach zu sein und vor allem keine Angst vor der Einsamkeit zu haben. Denn es gibt immer eine Person bei mir – und das bin ich selbst.

Ahoi: Mit wem hast du bei der Produktion zusammengearbeitet?

Sonya Sytnyk: Der Song entstand ungefähr vor zwei Jahren während meines Austauschjahres in der Schweiz zusammen mit zwei Musikproduzenten: Said Boulahcen aus Zürich und Diego Wichert aus Berlin.

Ahoi: Und wie gestaltete sich die Zusammenarbeit?

Sonya Sytnyk: Am Anfang stand die musikalische Idee von Said, dazu habe ich die Melodie und den Text entwickelt. Das Lied lag über ein Jahr lang in der Schublade. Als ich zurück nach Deutschland kam, habe ich die Komposition Diego gezeigt, der noch seine musikalischen Impulse gegeben hat und so haben wir den Track im März 2024 in Berlin aufgenommen.

Ahoi: Ein Song ist noch kein Album. Wie geht es jetzt aber weiter mit der Solokünstlerin Sonya Sytnyk?

Sonya Sytnyk: Ich komponiere gerade viel, suche nach neuen Klängen und Ideen, kooperiere mit unterschiedlichsten Musikproduzenten, sammle das neue musikalische Material und finde den Weg zu mir selbst als Künstlerin. Und glaube mir: Ich bin selber gespannt, was kommt, aber kann sicher versprechen, Sonya Sytnyk wird euch positiv überraschen!

Ahoi: Wird es Liveshows geben?

Sonya Sytnyk: Die nächste Liveshow wird 05.11.2024 im Horns Erben stattfinden. Es gibt die sogenannte „Songwerkstatt“, einen Kurs, der bei unserem Schauspieldozenten an der HMT Leipzig Frank Leo Schröder entwickelt wurde, wo die Studierenden aus unterschiedlichen Fachrichtungen eigene Kompositionen schreiben, die Gelegenheit haben, ein Feedback zu bekommen und letztendlich die Werke beim Konzert zu präsentieren. Dieses Jahr gibt es die Kooperation zwischen der Hochschule und Horns Erben: am ersten Dienstag des Monates machen wir einen 45-minutigen Jam Session Opener und danach gibt es die freie Bühne für alle, die eigene Kompositionen zeigen wollen. Es ist sogar möglich, den neuen Song gleich mit der Band auszuprobieren und es ist immer so spannend, die Entwicklung in „live-time“ zu beobachten und zuzuschauen und zuzuhören, wie der Song sich ändert. Natürlich entstehen bei solchen improvisatorischen Auftritten auch witzige Situationen, die lange in Erinnerung bleiben …

Ahoi: Du bist eine vielgefragte Jazz-Sängerin. Wie geht es hier weiter? Oder konzentrierst Du Dich jetzt noch auf Deine Solokarriere?

Sonya Sytnyk: Jazz ist eine große Inspiration für mich und vor allem eine gute Basis fürs Komponieren und Ideen finden. Außerdem ist der Jazzbereich auch ein guter Ort, wo man richtig coole Musiker:innen finden kann. Generell ich liebe die Atmosphäre in den Jazzclubs so sehr, denn die ist immer offen und familiär. Gerade konzentriere ich mich auf meine Solokarriere und eigene Stücke, in denen man sicherlich auch Jazzeinflüsse hören wird, bin aber auch als Jazzsängerin für andere Projekte offen. Bald erscheinen auch ein paar Jazz-Neuigkeiten, bei denen ich mitwirken durfte, Stay tuned!

Ahoi: Du kommst aus der Ukraine, lebst mittlerweile in Leipzig. Wie hältst Du Kontakt in die alte Heimat? Oder ist Deine Familie auch hier?

Sonya Sytnyk: Mein Vater bleibt immer noch in der Ukraine. Ihn habe ich diesen Sommer besucht. Ich war zum ersten Mal seit drei Jahren in Kyjiw und fasziniert, wie die Stadt trotz des Krieges lebendig bleibt und wie viel Kraft der einzelne Ukrainer hat, in so einer Realität, das Leben weiter aufzubauen. Sogar mit Luftalarm in der Nacht. Das war ein sehr warmer und berührender Aufenthalt in der Heimat.

Ahoi: Wenn Du jetzt Solo durchstartest, gibt es da ein Management, mit dem Du zusammenarbeitest und wenn ja, mit wem? Falls Du alles alleine machst, wie schaffst Du das denn?

Sonya Sytnyk: Ich mache gerade alles allein und ja, das ist eine große Menge an Arbeit, die erstmal gar keinen Profit bringt, sondern nur Investition, und damit meine ich nicht nur die finanzielle Komponente. Ich glaube, die wichtigsten Sachen sind eine große Leidenschaft, die ich für die Musik empfinde, viel Selbstdisziplin, Netzwerke und zu versuchen, trotzdem bisschen Work-Life-Balance zu behalten, damit man nicht im Burnout landet. Ich würde mir gerne wünschen, in der Zukunft einen Teil von dieser Arbeit dem Management delegieren zu können, aber ich bin fest überzeugt, dass die moderne Künstlerin heutzutage über elementare Kenntnisse verfügen muss, wie das Marketing, PR, Social Media, Booking usw. funktionieren, damit sie später auch effizienter die Zusammenarbeit mit dem Management führen kann. Außerdem: Videos für Instagram zu drehen, Konzepte zu entwickeln, ständig mit den Leuten zu kontaktieren, genauso wie Musik zu schreiben, ist ja auch eine kreative Arbeit und Kunst auf bestimmter Art und Weise.

Ahoi: Deine Stimme ist faszinierend sanft, erinnert stark an Hanna Reid. Wie trainierst Du Die Stimme? Ich kenne Sänger, die ihre Stimme wie ein Instrument einsetzen und – gerade im Metal – auch wie ein Instrument üben. Wie machst du Das? Wie formst Du Deinen Klang?

Sonya Sytnyk: Oh, Vielen Dank! Hanna Reid und ihre Band „London Grammar“ sind tatsächlich meine Vorbilder und eine große Inspiration für meine neue Single. Stimmbildung ist ein vielseitiger Bereich, um alles zu erzählen, bräuchte man sicherlich noch ein Interview (schmunzelt). Im Umfeld der HMT sind ja echte Koryphäen eingesiedelt, wie zum Beispiel meine Gesangsdozentinnen Prof. Evelyn Fischer und Pascal von Wroblewsky. Zusammen haben wir eine passende Methodik für meine Stimme entwickelt. Was noch wichtig zu erwähnen ist: Versuche, genug Schlaf zu bekommen, gesunde Ernährung zu behalten und natürlich auf die körperliche und mentale Gesundheit zu achten, da die auch zu meinem Körper und zu meinem Instrument gehören.

Ahoi: Und wo kann man den Song jetzt hören?

Sonya Sytnyk: „Be Your Shelter“ ist auf allen Streaming-Platforms verfügbar. Liked, streamed, saved, speichert zu den Playlists, das ist mega wichtig für den Spotify-Algorithmus, kommentiert, gebt Feedback, folgt auf Social-Media-Kanälen! Ich würde mich unheimlich freuen!

Ahoi: Danke, liebe Sonya, dass Du Dir Zeit für uns genommen hast.

Sonya Sytnyk: Vielen Dank für dieses Gespräch, lieber Volly!

Sonya Sytnyk im Netz:

Instagram | Hier den Song streamen

 

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