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Johannes Oerding live in der Quarterback Immobilien Arena Leipzig

Aufbruch und Rückzug: Johannes Oerdings Album "Hotel"

© Yvonne Goldschmidt

Der Name Johannes Oerding ist im deutschsprachigen Pop etabliert. Titel wie „An guten Tagen“, „Kreise“ und „Alles okay“ sind einem breiten Publikum bekannt.  Ende März 2026 erschien mit „Hotel“ sein achtes Studioalbum. Es entstand nach einer einjährigen Pause, in der Oerding reiste und Abstand zur Musik suchte. Die neuen Songs greifen persönliche Einschnitte auf, darunter den Tod seines Vaters und die Trennung von Ina Müller.

Auf seiner Arena-Tour 2026 kommt der Künstler am 01.05.26  in die Quarterback Immobilien Arena nach Leipzig. Wir haben vorab mit ihm gesprochen.

 

Johannes, wir freuen uns, dass du am 1. Mai in Leipzig auftrittst! Was verbindest du mit Leipzig?

J.O.: Ich habe dort viele Konzerte gespielt, von Clubs bis zu großen Hallen. Besonders erinnere ich mich an Abende in der Südvorstadt. Dort waren wir oft nach den Konzerten feiern, die Atmosphäre hat mir sehr gefallen. Im Zoo war ich auch schon.

 

Auf der Tour präsentierst du dein neues Album „Hotel“. Was ist dein Wunsch für dieses Album, das ja deutlich persönlicher und reduzierter ist als seine Vorgänger?

J.O.: Ich hoffe natürlich, dass es wieder möglichst viele Menschen erreicht. Wichtiger ist mir aber, dass die Freiheit spürbar ist. Ich habe ohne Vorgaben gearbeitet und die Songs einfach auf der Gitarre entwickelt. Viele Texte sind sehr persönlich. Das ging nur, weil ich vorher eine längere Pause gemacht habe.

 

In deinem Song „Sonntag“ singst du ja zum Beispiel auch über den Wunsch nach mehr Entschleunigung oder nach einem Tag, wo „das Internet down ist“. Wie kriegst du diese Entschleunigung selbst im Alltag hin?

J.O.: Das ist nicht einfach. Wir sind stark von unseren Geräten abhängig. Ich versuche, bewusst Pausen einzubauen und das Handy auch mal liegen zu lassen. Beim Sport nutze ich es nie. Abends versuche ich inzwischen wieder, ohne Podcasts einzuschlafen.

 

Hast du auf der Tour irgendwelche Rituale? Viele Künstler machen ja bestimmte Dinge vor ihren Konzerten.

J.O.: Ja. Seit zwanzig Jahren trinken wir mit der Band vor jedem Konzert einen kleinen Ramazzotti.  Diese Tradition hat sich bis heute gehalten, wo ich mir manchmal denke: Hätten wir uns damals nicht was Besseres überlegen können?

 

Wenn Nina Chuba mich fragen würde, ob ich mit ihr einen Song machen würde, hätte ich wahrscheinlich auch Zeit.

Gibt es Songs, die du heute nicht mehr gern spielst?


J.O.: Auf jeden Fall (lacht). Manche Themen habe ich später besser formuliert. Andere Songs habe ich einfach zu oft gespielt. Und einige passen nicht mehr zu meiner Haltung.


Magst du ein Beispiel nennen?

J.O.: Der Song „Attrappe“, ich weiß nicht, was ich mir dabei gedacht habe. Da hatte ich so eine punkige Phase und wollte irgendwas Lautes machen. Da habe ich auf die Schnelle irgendeinen Text dazu geschrieben, der wirklich nicht gut ist, Goethe würde sich, glaube ich, im Grab umdrehen.


Du bist ja 2024 viel gereist, unter anderem durch Mexiko, Australien und Neuseeland. Wie war die Auszeit ohne Musik?


J.O.: Ich wollte bewusst Abstand halten und habe keine Gitarre mitgenommen. Nach einiger Zeit kam das Bedürfnis nach dem Songschreiben zurück. Da wurde mir klar, wie wichtig Musik für mich ist. Sie gehört zu meinem Leben und ich brauche sie, um mich auszudrücken. Daher habe ich mir dann nach zwei Monaten eine Reisegitarre geholt. 

 

Zusätzlich zum Album hast du ebenfalls in limitierter Form eine Art Reisetagebuch mit exklusiven Fotos rausgebracht. Nimmst du von deinen Reisen bestimmte Andenken mit?

J.O.: Ich lasse mir jedes Mal, wenn ich in Südafrika bin, ein neues Tattoo bei dem selben Tätowierer stechen. Ansonsten bleiben manchmal Hotel- oder Apartmentschlüssel aus Versehen bei mir. Ein sehr hübscher mit einem Holzanhänger stammt zum Beispiel von einer kleinen Pension auf einer Insel bei Neuseeland und erinnert mich immer an den Ort, an dem der Song „Hamburger Regen“ entstand.

 

Hast du noch weitere Reiseziele für die nahe Zukunft?

J.O.: Reisen ist für mich wieder wichtiger geworden. Es hilft mir beim Schreiben neuer Songs. Ich möchte Orte intensiver erleben, zum Beispiel Mexiko. Dort war ich nur zehn Tage. Auch Afrika interessiert mich weiter, bisher kenne ich vor allem den Süden des Kontinents.

 

Wie geht es musikalisch weiter?

J.O.: Der akustische Sound passt gerade gut zu mir, da die Lieder so ihre Seele behalten und man sie auf der Gitarre in der Produktion nicht groß verschlimmbessern kann. Ich fühle mich da gerade sehr wohl in Richtung Country und Americana. Außerdem plane ich besondere Live-Projekte, etwa das Big Band-Konzert im Hamburger Stadion am 12. September. Vielleicht bringen wir davon auch eine Platte raus.

 

Auf deinem Album „Hotel“ arbeitest du mit Künstlern wie Sarah Connor, Peter Maffay und Michael Patrick Kelly. Mit wem würdest du künftig gern zusammenarbeiten - national oder international?


J.O.: Mit Pink. Ich liebe ihre Stimme und die ganze Person als Statement. Auch ein gemeinsamer Song mit Bruce Springsteen wäre spannend. Aber wenn Nina Chuba mich fragen würde, ob ich mit ihr einen Song machen würde, hätte ich wahrscheinlich auch Zeit.

 

Worauf freust du dich dieses Jahr?

J.O.: Auf die Tour. Neue Songs live zu spielen und sie den Leuten zu zeigen, ist für mich das Allerschönste an diesem Job. Es ist wie ein Neuanfang und ich schätze diese Gemeinschaft mit der Band und das Unterwegssein, aber auch die Community mit den Fans und zu sehen, was die Songs in ihnen auslösen. Besonders freue ich mich auf das Stadionkonzert in Hamburg mit 45.000 Leuten, das ist noch mal ein Kindheitstraum, der da in Erfüllung geht.

 

Also bist du auch immer dankbar für Feedback von deinen Fans?

J.O.: Ja - wenn es gut ist.  Deswegen bin ich Musiker geworden und nicht Fußballspieler (lacht). Nein, Spaß beiseite. Feedback ist mir wichtig, vor allem wenn meine Songs Menschen erreichen, sie berühren oder helfen. Dann bekommt meine Arbeit Bedeutung. Nach 20 Jahren sehe ich, dass meine Songs Teil von Lebensmomenten sind, das ist etwas ganz Besonderes.

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