Am 8. August, nur ein paar Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen, findet eine faszinierende, verbindende und für Musikgourmets hochinteressante Veranstaltung in der naTo auf der Karl Liebknecht Straße im Leipziger Süden statt. Unter dem Titel „JazzRUCK! – Konzert für Demokratie" begeben sich am 8. August renommierte Koryphäen des weltweiten Jazz, die ihre derzeitigen Anker in unserer Stadt geworfen haben, auf die Bühne.
Als LeipJAZZig-Allstars haben sich beispielsweise Stephan König, Mark Weschenfelder, Andris Meinig, Fabian Niermann, Thomas Stahr und Daniel Klein zusammengefunden. Neben schon allein diesem Ausnahme-Ensemble tritt auch noch die Jazzformation The Profs auf, bestehend aus Professoren der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Der Ideengeber des Abend, Professor Werner Neumann, erzählt die Hintergründe so: „Als (Instrumental-) Musiker ist es immer ein bisschen schwierig, irgendwie (und vor allem politisch) Stellung zu beziehen. Wir nutzen ja keine Texte, sondern eben nur Musik, und die ist emotional, komplex, fröhlich, traurig, hinreißend, abstoßend und vielleicht auch mal alles zusammen, aber eben selten bis gar nicht politisch. Es sei denn, man findet einen tollen Titel. Das sind dann aber nur ein paar Worte, also was anderes als ein ganzer Songtext."
Nicht gegen sondern für etwas aussprechen
Aus dieser Analyse der Schwierigkeiten, sich textfrei einzumischen folgert Neumann: „Aber die aktuelle politische Lage ist ja zur Zeit etwas schwierig, um es mal vorsichtig zu beschreiben. Vielleicht ging es in Frankreich gerade mal noch gut, aber die Umfragewerte in den drei Bundesländern, die eine Wahl vor sich haben, sehen nicht so schön aus. Die Gesellschaft ist gespalten, Gewalt in jeder Form, von Worten in den sozialen Medien bis hin zum Mord (Kassel ...) ist allgegenwärtig. Wir dachten, wir müssen ein Zeichen setzen, ein Statement abgeben. Wir wollen auch nicht gegen etwas oder jemand sein sondern uns für etwas aussprechen. Wir wollen ein Konzert für unsere Demokratie, für Solidarität, für ein Miteinander in Frieden und Respekt spielen. Wir wollen all denen, die unsicher sind oder sogar Angst haben, zeigen, dass wir für oben Genanntes stehen."
Da "The Profs" ja aus dem Weltadel des Jazz bestehen – schließlich sind hier neben Werner Neumann auch Michael Wollny, Eric Schäfer, Pepe Berns, Ralf Schrabbe und Johannes Enders mit im Boot – ist das Song-Portfolio dann doch eher kurzfristig verplant. „Was wir genau dort dann spielen werden, wissen wir noch nicht. Das entscheiden wir relativ spontan. The Profs sind keine Working Band, wir treffen uns aber mindestens einmal im Jahr, um ein Konzert zu spielen (im Kulturhof Gohlis). Ansonsten arbeiten wir gemeinsam an unserer schönen HMT Leipzig, unterrichten junge Menschen und versuchen, diese auf das schöne, spannende aber auch sehr anstrengende Leben als Musikerin oder Musiker vorzubereiten." sagt Werner Neumann.
Braucht die Welt mehr Jazz?
Natürlich ist Neumann nicht nur ein von den Besten seiner Zunft wie Pat Metheny ausgebildeter Musiker, sondern logischerweise hier in Leipzig auch Mitglied im LeipJAZZig e. V. - und macht sich so seine Gedanken über die Welt und die Musik. Auf die Frage, ob unser Planet mehr Jazz braucht, da Jazz sich undogmatisch erwächst, sagt er: „Braucht die Welt mehr Jazz? Auf jeden Fall! (schmunzelt) Sagen wir so: Es gibt ja schon ganz viel davon, das wissen nur zu wenig Leute. Anders gesagt, es gibt schon so viel tolle Musik, vor allem improvisierte, lebendige, spannende Musik, es müsste jetzt nur noch mehr Publikum geben. Aber ich will und kann mich besonders in Leipzig nicht beklagen. Hier ist eine tolle Szene und mit der HMT sorgen wir ja auch immer für großartigen Nachwuchs."
Die Stimme denen geben, denen man vertraut
Am 8. August jedenfalls kann man erleben, was es heißt, wenn intelligente Menschen Musik machen, um, ohne andere Menschen auszuschließen, für eine Sache zu trommeln, an die sie glauben. Und natürlich ist es gut, zur Wahl zu gehen und denen, denen man vertraut, seine Stimme zu geben. Die Eintrittsgelder kommen dem soziokulturellen Zentrum Treibhaus e. V. in Döbeln zugute.


