Als die Sex Pistols über den Planeten kamen, sorgten sie für Irritationen, ebenso The Residents, Frank Zappa, selbst Leonard Cohen, Bach oder Rachmaninow. Diese Irritationen sorgten dafür, dass ihre Musik im universellen Gedächtnis haften blieb, dass die Herzen der Menschen sich ihr öffneten.
Die junge, faszinierende Künstlerin piya geht ebenso diesen Weg der Irritation. Sie schafft Texte und Musik, die uns von der Zerbrechlichkeit der Welt erzählen und uns alle umarmen können. Am 3. März 2026 ist sie in Leipzig. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit ihr:
Ahoi: Guten Tag Piya. Am 3. März 2026 kommst Du ins Leipziger Noch Besser Leben. Das wird bestimmt berührend. Ich kenne ja schon einige Deiner Lieder und was so im Netz über Dich steht. Als Selbstbezichtigung auf Deiner Homepage schreibst Du, dass Du digitale Chansons kreierst. Was sind denn digitale Chansons?
Piya: Meine Lieder sind nicht zeitlos, sondern durch ihre Produktion, ihre Themen und ihren Stil von der heutigen Zeit sehr geprägt.
Früher hatte ich den Drang, zeitlose Musik zu machen, heute bediene ich mich sehr gern an modernen Arrangements, Wörtern und Sounds. Ich finde meine Generation (GenZ) sehr spannend und ich liebe es, ein Teil davon zu sein.
Ahoi: Piya steht im Thailändischen für Mädchen. Damit ist auch Dein Künstlerinnenname wie Deine Musik eher filigran. Seit wann firmierst Du denn unter Piya? Wie begann es mit Dir und der Musik?
Piya: Schon mit vierzehn/fünfzehn habe ich unter dem Namen „piya" auf YouTube meine eigenen Lieder hochgeladen. Damals war es eine sehr spontane Idee, doch mir gefällt der Name bis heute gut. Ich wünschte, es gäbe eine spannende Geschichte, eine geheime Herleitung oder so, aber tatsächlich war es einfach ein spontaner Einfall (schmunzelt).
Ahoi: Solch sanfte zerbrechliche Musik, die Du machst, fällt zwischen all dem Krach und Slogangeschmetter Menschen wie mir auf und berührt. Du bist da wie ein Atemholen in Musik. Fast schon Frischluft. Wie sind denn die Reaktionen der Leute so?
Piya: Das freut mich sehr zu hören. Dankeschön. Ich liebe es, Menschen zu überraschen, zu irritieren und natürlich zu berühren. Im Gegensatz zu anderen Bands mag ich es auch sehr, vor sitzendem Publikum zu spielen. Wenn alles ganz ruhig im Saal ist und Leute gefesselt sind, da sie vielleicht nicht den nächsten Ton vorhersehen können - das ist ein prima Gefühl.
Trotzdem sind natürlich nicht alle Menschen von meiner Musik angetan und ich erlebe zum Beispiel auf Social-Media auch viel Hass, da meine Musik eben nicht sehr vorhersehbar und manchmal etwas irritierend sein kann.
Es gibt wenige, die keine Meinung zu meiner Musik haben. Entweder bekomme ich großen Zuspruch oder Hate. Das mag ich, denn Irritation regt zum Nachdenken an und das ist wichtiger denn je.
Ahoi: Wenn Du ins NBL kommst, kommst Du da allein oder bringst Du eine Band mit? Wer wäre denn da dabei, falls Begleitung mitkommt?
Piya: Ich komme mit kleiner Band. Andrea, Tim und Finn sind alle drei sehr gute Freund*innen von mir. Wir kennen uns alle schon lang, deshalb stelle ich sie gern statt Bandmitglieder*innen als Spielkamerad*innen vor.
Finn produziert auch die meisten meiner Songs und ist auch viel im Kreativ-Prozess mit eingebunden.
Ahoi: Im Netz gibt es die ZUCKERSESSION von Dir zu finden. Wie kam es dazu? Und wer hat alles mitgewirkt?
Piya: Die Zuckersession war eine Zusammenarbeit mit einem jungen Filmteam aus Mainz. Wir sind alle junge Menschen und wollten zusammen ein Projekt auf die Beine stellen. Zusammen mit dem Regisseur und Kameramann Micha Reinke und der Produzentin Alisa Tessitore habe ich ein Konzept ausarbeitet.
Mir war es wichtig, die Musik live einzufangen und kein „normales" Musikvideo zu drehen. Deshalb entschieden wir uns für eine inszenierte Livesession und durften diese im Staatstheater Wiesbaden drehen. Da das Video recht experimentell geplant war, habe ich mich auch für eine eher ungewöhnliche Band entschieden. Zusammen mit meinen Freundinnen musizierten wir mit Klavier, dreistimmigen Gesang und E Drums.
Ahoi: Deine zweite EP ist draußen. Wo kann man Dein Material denn erstellen?
Piya: Genau, im Februar kommt nun endlich meine EP „Tiger" raus. Leider wird es zu dieser EP noch keine Platte geben, sie kann nur gestreamt werden. Dazu wird es zwei wunderbare Musikvideos auf YouTube zu schauen geben. Auch diese Videos sind in Zusammenarbeit mit einem jungen Film-Team entstanden.
Ahoi: Dann wünschen wir Dir weiterhin ein sensibles Händchen beim Musikmachen und texten und viel Erfolg dabei, unsere erkalteten Herzen zu erwärmen. Danke für Deine Musik.
Piya: Danke Volly.


