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Chemie-Leipzig Neuzugang Stanley Ratifo im Interview

"In erster Linie bin ich Fußballer."

Schon in den ersten Spielen im Chemie-Trikot hat Stanley Ratifo seine Stärken unter Beweis gestellt © Christian Donner

Mit seiner Mischung aus Deutsch-Rap und R&B erreicht Stanley Ratifo auf YouTube teilweise fünfstellige Klickzahlen. Seit dem Sommer stürmt der 29-Jährige für die BSG Chemie Leipzig. Im Interview erzählt der gebürtige Hallenser von seiner Musikerkarriere, seinem Lieblingstattoo und warum er nach einem Länderspiel mit Mosambik mal ein Kind segnen musste.

Fußballer oder Musiker - Was ist eigentlich Ihr Beruf? 

Ratifo: Ich bin Fußballer, der aus einer Musikerfamilie kommt. Mein Vater war Reggae-Musiker. Musik ist auf jeden Fall eine große Leidenschaft für mich, ich habe einen Plattenvertrag und verkaufe Merchandise, aber in erster Linie bin ich Fußballer.

Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Musik und Fußball?

Ratifo: Schwere Frage (lacht). Man muss im Spiel auch kreativ sein. Genau wie man in der Musik kreativ sein muss.

Arbeiten Sie derzeit an neuen Songs?

Ratifo: Ich habe vor meinem Wechsel viele Projekte fertig gemacht. Aber jetzt will ich mich erstmal auf meine Ankuft bei Chemie und die neuen Saison konzentrieren.

Was war ausschlaggebend für den Wechsel nach Leipzig?

Ratifo: Eine große Rolle hat mein Kumpel Lucas Surek (ehemaliger Chemie-Spieler – d. Red.) gespielt. Er wusste, dass ich zurück in die Heimat wollte und hat mir aufgezeigt, dass Chemie ein toller Club ist – mit großer Tradition, familiärer Atmosphäre und geilen Fans.

Was erwarten Sie von den Fans im Alfred-Kunze-Sportpark?

Ratifo: Bei meinem ersten Testspiel gegen Union Berlin hat es geregnet. Das war den Fans scheißegal, sie haben uns trotz weiter nach vorne gepeitscht. Das wars schon sehr sehr krass. Und wir haben das Spiel 0:4 verloren.

Worauf ist die Vorfreude größer – auf das Derby gegen Lok oder das Duell gegen Ihren Heimatverein Hallerscher FC?

Ratifo: Auf jeden Fall gegen den HFC. Es gibt noch Spieler, die ich aus der U23 oder sogar vom Bolzplatz kenne. Der eine oder andere weiß schon, was auf ihn zukommt (lacht.).

Ein Ratifo-Tor?

Ratifo: Das Ziel ist es, beide Vereine zu schlagen. Ein Tor ist für mich wäre ein Bonus, der Jackpot.

Wie würden Sie in drei Adjektiven Ihre Stärken als Fußballer beschreiben?

Ratifo: Drei Adjektive? Boah! Ich kann es so sagen: Ich komme krass über Geschwindigkeit, bin kreativ und auch mal für etwas Verrücktes zu haben. Vielleicht mal ein Fallrückzieher oder eine Direktabnahme. Ich versuche auf jeden Fall, sehr viel Spaß mit auf den Platz zu bringen und dass der eine oder andere Zuschauer sagt: Hammer! Cooler Typ!

Was sind Ihre Ziele für die neue Saison mit Chemie?

Ratifo: Ich will alle Ziele umsetzen, die das Trainerteam der Mannschaft vorgibt. Irgendwelche persönlichen Ziele, das ist für mich der Bonus. Die behalte ich für mich.

Sie haben viele Tattoos: Was ist ihr Liebstes?

Ratifo: Auf dem Bauch habe ich groß die Postleitzahl 06128 stehen. Das steht für meine Herkuft in der Südstadt von Halle, eine Plattenbaugegend. Man vergisst nie, wo man herkommt. Das werde ich immer mit Stolz tragen.

Sie haben für Mosambik am Afrika Cup teilgenommen. Welcher Spieler hat Sie am meisten beeindruckt?

Ratifo: Mohamed Kudus von Ghana und West Ham United war sehr krass. Sadio Mané war auch geisteskrank und sein Teamkollege Kalidou Koulibaly, mein Gegenspieler im Spiel gegen Senegal. Ich wollte eine Brustannahme machen, springe hoch und unter meinem Arm kommt sein Bein vor und er kickt den Ball weg. Das war schon sehr sehr verrückt. Auch Mohamed Salah von Ägypten und Riyad Mahrez von Algerien waren absolut geisteskranke Spieler. Aber wir haben auch eigene krasse Spieler wie Geny Catamo, der mit Sporting Lissabon portugiesischer Meister geworden ist, oder Reinildo von Atlético Madrid.

Sie mussten nach einem Tor gegen den Erzrivalen Sambia mal ein Kind segnen als seien Sie ein Heiliger. Was war da los? 

Ratifo: Wir hatten seit mehr als 40 Jahren nicht gegen Sambia gewonnen. Ich habe in meinem ersten Länderspiel 2017 in der 91. Minute das Siegtor geschossen. Als wir am Flughaften ankamen, waren da Tausende von Menschen. Die ersten wollten mir schon die Koffer wegreißen. Nach dem Motto: Du trägst deine Koffer nicht, wir machen das für dich. Dann haben mich die Leute hochgeworfen. Ich dachte schon: Boah, was ist denn hier los! Schließlich kam eine Frau, die wollte, dass ich ihr Baby auf den Arm nehme und es auf die Stirn küsse. Also hab ich es auf die Stirn geküsst. Die Begeisterung dort ist komplett anders.

Was ist das für ein Gefühl vor 50.000 Leuten zu spielen?

Ratifo: Dein Mitspieler ruft dir was zu und du verstehst ihn einfach nicht, du rennst zur Mittellinie und das ganze Stadion vibriert. Du hörst nur Vuvuzelas und Getrommel. Das ist verrückt, aber sehr sehr nice.

Sie sind 29. Was wollen Sie als Fußballer noch erreichen?

Ratifo: Ich würde mit Mosambique gern die WM 2028 spielen. Wir stehen gerade in der Qualifikation ganz gut da. Das wäre nach dem Africa Cup im Januar mein großer Traum. Dafür wäre ich sehr sehr dankbar.

Infos über Stanley Ratifo als Musiker gibt es hier

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