• Kunst
Galerie Eigen + Art

„Ich bin der Verwalter eines Vierecks“

Der Leipziger Neo Rauch ist einer der wichtigsten und international bekanntesten Maler Deutschlands. Derzeit sind neue Arbeiten in der Galerie EIGEN + ART zu sehen.

© Eva Grumeth

Das Malen wird eher schwerer als leichter mit dem Alter“, sagt Neo Rauch und spielt damit auf seinen sechzigsten Geburtstag an. Faktisch nachvollziehen kann man das nicht, zeigt er doch in der aktuellen Ausstellung bei EIGEN + ART am Spinnereigelände ganze sechzehn groß- und kleinformatige neue Arbeiten – von Altersschwäche also nichts zu bemerken. Neo Rauch ist unweigerlich mit Leipzig verbunden: Hier ist er geboren, hier studierte er Malerei und lehrte später auch selbst, von hier aus startete seine internationale Karriere. Er liebt sein Spinnerei-Atelier und das zurückgezogene Arbeiten.

Fantastische Szenerien

„Handlauf “ heißt die Austellung, benannt nach einem der Bilder. Allesamt Öl auf Leinwand, bis zu zweieinhalb mal drei Meter groß, imposant mit starken Farben – Lila, Rot, Petrol, Gelb, dann wieder ein kräftiges Magenta und Hellblau, mit dunklen, geheimnisvollen Ecken, die nie fehlen dürfen. Mit dem Gefühl, Zeuge eines historischen Geschehens zu sein, wirft man Blicke in surrealistische, detailreiche Szenen mit figurativen Darstellungen oftmals wesensgleicher Frauen und Männer in Gewändern einer lang vergangenen Zeit. Gepaart mit Tieren, Kreiseln, Vasen, Häusern oder Schrift – und immer wieder mit Referenzen ans Heute. Unweigerlich möchte man sich in Deutungen verlieren, in gesellschaftlichen und politischen Interpretationen. 

Es geht immer ums Nach-innen- Schauen. Neo Rauch

Im Dienst der Personals

Doch seine Kunst ist nicht politisch, wie Neo Rauch sagt. Das „Hineinlesen“ spiele sich nur im Kopf des Betrachters ab. „Das sind alles Spiegelbilder meiner inneren Zustände. Die filtere ich in meinen Bildern“, so Rauch. Über sich selbst meint er nüchtern: „Ich bin der Verwalter einer Fläche, eines Vierecks.“ Diese Rolle nimmt er auch gegenüber den Figuren ein, die für ihn zu arbeiten scheinen: „Das Personal verfolgt mich bis in die Nacht hinein. Die Figuren nehmen Zeitgenossenschaft an und verfolgen mich auch in den Traum.“ Dabei ein Gleichgewicht zu finden, ist ihm wich- tig: „Balance ist für mich das Gegenteil von Haltung – das wäre politisch.“ Doch fragt er sich: „Wie lange werde ich noch imstande sein, das Dompteurhafte beizubehalten?“ 

Neo Rauch „Handlauf“

bis 12.12., Galerie EIGEN + ART Leipzig, Spinnerei- straße 7, Di – Sa 11 – 18 Uhr,

www.eigen-art.com

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