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HOPFENANBAU IN MONSTAB IM ALTENBURGER LAND

Herrn Bertholds Gespür für Hopfen

Hopfen ist im Anbau sehr sensibel. Dementsprechend braucht ein Hopfenbauer ein besonderes Händchen für seine Pflanzen. So wie Christian Berthold aus dem thüringischen Monstab.

zusehen:Christian Berthold in seinem Hopfengarten
„Ich will fühlen, wie sich die da fühlen“: Christian Berthold in seinem Hopfengarten © Sylvio Hofmann

Wenn es im Sommer regnet, dann muss Christian Berthold zu jeder Tages- und Nachtzeit vor die Tür. „Wenn ich im Sommer abends um elf auf dem Sofa sitze und es draußen anfängt zu regnen, dann stelle ich mich vors Haus in den Regen“, berichtet der Hopfenbauer. „Ich will wissen, wie es sich anfühlt: Ist es ein warmer oder kalter Regen? Ich will fühlen, wie sich die da fühlen“, erklärt er und deutet auf seine sieben Meter hohen Hopfenranken. „Ob das noch angenehm oder schon ungesund für die Pflanzen ist. Dann brauche ich keine Angst zu haben, weil ich besser einschätzen kann, ob die Pflanzen krank werden könnten oder nicht.“

Berthold ist einer von nur etwa 30 regionalen Hopfenbauern in Mitteldeutschland. Zu dem Familienbetrieb gehören auch seine Frau Peggy, Tochter Mari – Hopfenkönigin des Anbaugebiets Elbe-Saale 2021 – und sein Vater Emil. Sein Anbaugebiet hat eine Gesamtfläche von insgesamt 160 Hektar und liegt rund um das 400-Einwohner-Dorf Monstab im Dreiländereck Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt ein paar Kilometer westlich von der Skat- und Bierstadt Altenburg. Die Altenburger Brauerei, die ihre Biere zu 50 Prozent mit Bertholds  Hopfen braut, ist sein Hauptabnehmer. Das passt ganz hervorragend zusammen, denn beide Unternehmen stecken viel Leidenschaft in ihre Produkte und legen Wert auf einen lokalen Wirtschaftskreislauf. Schon zu DDR-Zeiten wurde hier Hopfen angebaut. Die Familie Berthold übernahm den LPG-Betrieb 1992, übernahm alte Sorten und etablierte neue. In der großen Halle, vor der die Schwalben fliegen, werden die Hopfendolden mit einer 70 Meter langen, teils im Eigenbau hergestellten Maschine von der Pflanze getrennt, bei etwa 60 Grad getrocknet und lagerfähig gemacht. Der Hopfen verströmt seinen intensiven, würzigfruchtig bitteren Geruch. Im Herbst, wenn Erntezeit ist, ist Hochsaison für die Bertholds, ihre zwei Festangestellten und die zehn rumänischen Saisonarbei- ter, die dann engagiert werden. Arbeits- kräfte aus Deutschland, die sich saisonal für die Ernte einen Monat frei nehmen und etwas vom Handwerk verstehen, findet Berthold nicht.

Auf das Lupulin kommt es an

Der 49-Jährige zerreibt die getrocknete Hopfendolde zwischen den Fingern und bringt das gelbe Lupulin zum Vorschein, um das es eigentlich geht. Die Drüsen der Hopfenpflanze, unzählige kleine, gelbe Kügelchen, geben dem Bier seinen typischen Geschmack, haben eine ätherische Wirkung, machen es haltbar und sorgen für Schaum. Der Lupulingehalt der Dolden entscheidet, wie viel Hopfen beim Brauen benötigt wird.

Dem gebürtigen Bayern Berthold ist es wichtig, möglichst ökologisch und nachhaltig anzubauen. Bei einem Gang durch den sogenannten Hopfengarten erklärt er, wie wichtig etwa begrünte Böden sind. Berthold sät im Frühjahr eine spezielle Mischung aus, um seine Ackerflächen zu schonen, damit diese nicht weggespült werden. „Der Boden muss wie ein Schwamm sein, damit er das Wasser aufnehmen kann“, betont er. Herbizide benutzt er nicht, Unkraut entfernt er mechanisch, wenn die Zeit dafür gekommen ist, und er arbeitet bewusst mit dem Ökosystem seiner Böden. Schädlingsbekämpfungsmittel setzt er so sparsam wie möglich ein. „Ich laufe hier den ganzen Sommer lang täglich mit der Lupe rum“, erklärt der Agraringenieur. „Wenn man sich so ein Blatt anschaut, sieht man einen richtigen Mikrokosmos an Insekten. Man sieht Nützlinge und Schädlinge. Ich schaue, wer die Ober- hand hat und wann ich eingreifen muss.“ Der Hopfenanbau, sagt der Mann mit dem besonderen Gespür für seine Pflanzen, „bedeutet mir alles. Es spielt für mich gar nicht die Hauptrolle, ob da am Ende Geld übrig bleibt. Wichtig ist nur, dass es reicht, damit wir hier weitermachen können.“ Immerhin: Die deutsche Hopfenverwertungsgenossenschaft zahlt ihm für nachhaltigen Anbau mittlerweile einen Cent pro Kilogramm Hopfen mehr.

Mehr Infos: www.elbe-saale-hopfen.de

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