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Herzretter Leipzig

Helfen ist kinderleicht

Der Verein Herzretter Leipzig zeigt Kindern und Jugendlichen, wie man im Notfall Leben rettet – mit einfachen Mitteln und großem Effekt. Die kostenlosen Trainings an Schulen und Kitas vermitteln Mut, Handlungssicherheit und das Wissen, was im Ernstfall zählt.

Herzretter-Trainer Sven Tausend (l.) zeigt Grundschulkindern Erste Hilfe an der Astrid Lindgren Schule
Herzretter-Trainer Sven Tausend (l.) zeigt Grundschulkindern Erste Hilfe an der Astrid Lindgren Schule © Viktoria Schlögel

Ein Notfall – und niemand weiß, was zu tun ist? Das möchte der Verein Herzretter Leipzig e. V. ändern. Seit 2019 bringt er Reanimationstrainings an Leipziger Schulen und Kitas – kostenlos, altersgerecht und mit großer Wirkung.

Schon über 6.000 Kinder und Jugendliche wurden dort zu kleinen Lebensrettern ausgebildet. Gezeigt werden vier einfache Maßnahmen: Prüfen, Rufen, Drücken, Schocken. Diese ersten Minuten nach einem Herzstillstand entscheiden über Leben und Tod. „Kinder sind neugierig, hilfsbereit – und sie verlieren schnell die Angst vor dem Thema“, so Robert Naumann.

Herzretter-Trainings setzen genau dort an: Sie vermitteln Handlungssicherheit und Mut, statt Überforderung und Ohnmacht. Die Idee dahinter ist einfach – und gesellschaftlich relevant. In Deutschland beginnt nur bei etwa jeder zweiten betroffenen Person eine Reanimation durch Laien. In Ländern wie Dänemark, wo Erste Hilfe ab der Schule unterrichtet wird, liegt die Quote bei über 80 Prozent. Dort zeigt sich: Frühe Aufklärung wirkt – und rettet Leben.

Schauspiel statt Schulbank

Besonders ist auch das Konzept der Trainings: Sie werden nicht von medizinischem Personal, sondern von speziell geschulten Schauspielern durchgeführt. Sie holen die Kinder dort ab, wo sie stehen – mit Einfühlungsvermögen, Geschichten und einer großen Portion Begeisterung.

Die Methodik wurde in Hamburg entwickelt, wo der Verein seinen Ursprung hat. Herzretter-Schulungen kombinieren kindgerechte Didaktik mit klaren Botschaften: Du darfst helfen. Du kannst helfen. Dafür braucht es keine medizinischen Vorkenntnisse – sondern nur den Willen, nicht wegzuschauen. Das Konzept wurde mehrfach ausgezeichnet und ist inzwischen auch in der Erwachsenenbildung aktiv: Trainings in Unternehmen finanzieren parallel Schulangebote – ein solidarisches Modell.

In Leipzig wächst die Initiative stetig – getragen von einem kleinen, engagierten Team. Jede Klasse wird altersgerecht angesprochen, die Reaktionen der Kinder sind oft bewegend. „Viele erzählen, dass sie schon einen Notfall in der Familie erlebt haben“, berichtet Karolin Berg. „Die Themen sind ihnen nicht fremd – sie wollen vorbereitet sein.

Früh übt sich, wer helfen will

In Deutschland erleiden jedes Jahr rund 120.000 Menschen außerhalb eines Krankenhauses einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Nur bei jeder zweiten betroffenen Person beginnt ein Ersthelfer oder eine Ersthelferin mit der Reanimation. Studien zeigen: Würden mehr Menschen sofort helfen, könnten jährlich bis zu 10.000 Leben zusätzlich gerettet werden.

„Die meisten Erwachsenen kommen mit Erster Hilfe nur einmal in Berührung – beim Führerschein“, sagt Naumann. „Wer fühlt sich dann Jahre später noch sicher?“ Herzretter Leipzig setzt auf eine andere Antwort: Frühes Lernen – mit nachhaltiger Wirkung. Finanziert werden die Trainings durch Spenden – damit das Angebot für Kitas und Schulen weiterhin kostenfrei bleiben kann.

Wir nehmen Kinder und ihre Fragen ernst.

Interview mit Karolin Berg und Robert Naumann von Herzretter Leipzig

Was war der Auslöser dafür, Reanimationstrainings mit Kindern durchzuführen?

Karolin: Der Ansatz unserer Herzretter-Trainings lautet: Helfen ist kinderleicht – man muss nur wissen wie. Kinder sind neugierig, hilfsbereit und verlieren schnell die Angst vor dem Thema. Wer früh Zivilcourage lernt, traut sich auch als Erwachsener zu helfen. Die meisten Erwachsenen fühlen sich in Notfällen unsicher – oft, weil der letzte Erste-Hilfe-Kurs Jahre zurückliegt.

Wie gelingt es euch, ein sensibles Thema wie Lebensrettung kindgerecht zu vermitteln?

Robert: Wir nehmen Kinder und ihre Fragen ernst. Herzretter-Trainings zeigen ihnen, dass sie helfen können – ohne Druck, aber mit Wirkung. Geschichten und reale Fälle wie Alexander, der nach dem Training seine Mutter rettete, machen Mut und vermitteln Handlungssicherheit.

Was braucht es, damit Reanimation künftig selbstverständlich zum Schulalltag gehört – und wie kann Leipzig dabei Vorreiter sein?

Karolin: In Hamburg gibt es bereits enge Kooperationen zwischen Schulen, Behörden und der Stadt. Einige Schulen sind dort bereits als Herzretter-Schulen ausgezeichnet. Auch Leipzig könnte mit einem verlässlichen Konzept, langfristiger Unterstützung und verbindlichen Strukturen Vorreiter werden – damit künftig immer ein Herzretter in der Nähe ist.

Mehr Informationen unter
www.herzretterleipzig.de

Spendenmöglichkeit direkt über das Online-Formular unter
www.herzretter.de/spenden-leipzig oder per Überweisung an IBAN: DE02 8605 5592 1090 3024 83

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