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  • Leipzig engagiert sich
Projekt „Radeln ohne Alter“

„Helden im Sattel“

Die Stiftung „Bürger für Leipzig“ organisiert kostenfreie Rikscha- Fahrten für Menschen, die nicht mehr selbst aufs Rad steigen können.

Team der Stiftung Bürger für Leipzig
Das Team der Stiftung Bürger für Leipzig bietet die Rikscha- Fahrten seit zwei Jahren an © Stiftung Bürger für Leipzig

Mit dem Fahrrad durchs Grüne radeln – für ältere Menschen oder solche mit Beeinträchtigungen ist das oft nicht möglich. Das Projekt „Radeln ohne Alter“ des Vereins „Bürger für Leipzig“ schafft hier Abhilfe.

Seit zwei Jahren chauffieren Ehrenamtler Senioren oder Menschen mit Behinderung in einer von fünf Rikschas durch die Stadt. Gekauft wird das Gefährt durch einen Träger, etwa einen Verein, der für die Rikschas mit E-Antrieb auch eine Garage mit Stromanschluss bereitstellen soll.

Die Stiftung kümmert sich um das Anwerben und die Ausbildung der Piloten. 35 Ehrenamtliche sind derzeit in Leipzig unterwegs. Sie müssen vorab lernen, wie man die Gefährte sicher über Kreuzungen und an Pollern vorbei steuert. „Das ist im Grunde wie ein Lastenrad, nur dass man vorne keine Pakete, sondern zwei lebende Menschen transportiert“, erklärt Angelika Kell, Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Bürger für Leipzig“. Sie betont: „Wir suchen immer Personen, die tagsüber freie Valenzen haben.“

Die Fahrten sollen nicht nur am Wochenende stattfinden. Im Einsatz sind leidenschaftliche Radler, die auch gern mal 30 oder 40 Kilometer am Stück fahren. Kell nennt sie deshalb auch „Helden im Sattel mit strammen Waden“.

Lebensqualität wird gesteigert

Für die Passagiere sind die Fahrten kostenlos. Viele Seniorenheime, Tagespflege- und Behinderteneinrichtungen nutzen das Angebot. Bei Demenzpatienten fährt häufig ein Betreuer oder ein Angehöriger mit. Auch wer durch eine Beeinträchtigung nicht mehr Rad fahren kann - etwa durch einen Schlaganfall, Lähmung oder Blindheit – kommt so in den Genuss frischer Luft.

„Es gibt aber auch Angehörige, die mit ihrem Opa zum Geburtstag einen Ausflug machen wollen und dann die Rikscha buchen“, so Angelika Kell. Sie weiß: „Wenn Senioren nicht mehr gut zu Fuß sind oder keine Angehörigen haben, ist die Reichweite ihrer Spaziergänge sehr limitiert.“

Mit der Rikscha erreichen sie auch Ziele wie den Kulkwitzer oder Cospudener See, rollen durch den Auwald, den Clara-Park, den Wildpark oder entlang des Luppe-Damms Richtung Schkeuditz. „Jeder hat das Recht auf Wind im Haar“, fasst Angelika Kell die Idee zusammen. Vielen Passagieren bedeuten diese Ausflüge enorm viel, schließlich steigern sie die Lebensqualität um ein Vielfaches.

Wir suchen immer Personen, die tagsüber freie Valenzen haben. Angelika Kell, Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Bürger für Leipzig“

Männertag mit der Rikscha

„Eine 80-jährige Frau ist neulich mit ihrer Tochter um den Cospudener See gefahren“, erzählt Angelika Kell. „Sie hat sich so gefreut, dass sie mit dem Rad mal wieder durch den Auwald rollte.“

Ein Pilot fährt seinen Freund, der bei einem Snowboardunfall so schwer verletzt wurde, dass er seitdem querschnittsgelähmt ist, regelmäßig in der Rikscha herum. „Ein echter Freundschaftsdienst“, findet Kell.

Zu Christi Himmelfahrt setzte ein Pflegeheim kürzlich alle Männer nacheinander in eine Rikscha, drückte ihnen ein Bier in die Hand – und chauffierte die Herren eine Runde durch den Mariannenpark. Ein Erlebnis, das ohne die Lastenräder nicht möglich gewesen wäre.

220 Fahrten gab es in der vergangenen Saison von Mai bis Oktober. Es wären noch mehr möglich. „Die Rikschas könnten eigentlich rund um die Uhr genutzt werden“, sagt Angelika Kell.

„Stolz, dass wir das geschafft haben!“

Angelika Kell ist die Vorsitzende der Stiftung „Bürger für Leipzig“. Sie spricht über die Rikscha-Radtour nach Kopenhagen.

Anfang Juni radelten Sie mit einem Team der Stiftung „Bürger für Leipzig“ zum internationalen Rikscha-Treffen nach Kopenhagen. Wie war die 655 Kilometer lange Fahrt?

Kell: Wir sind wahnsinnig stolz, dass wir das geschafft haben. Wir waren mit einer E-Rikscha und zwei Begleitfahrrädern ohne Elektroantrieb unterwegs. Wir sind alle keine geübten Radfahrer, haben es aber geschafft, am Tag 70 bis 100 Kilometer zurückzulegen. Zum Start hatten wir Pech mit dem Wetter, es hat in Strömen geregnet. Deshalb hat der Passagier auf der Rikscha sehr schnell gefroren, sodass wir alle zwei Stunden rotiert haben.

Wie war die Ankunft in Kopenhagen?

Kell: Die anderen 32 Teilnehmer aus Deutschland begrüßten unser Team mit einer La-Ola-Welle. Es war spannend, auch die anderen Teilnehmer des Rikscha-Treffens kennenzulernen. Insgesamt waren 20 Länder vertreten.

Kopenhagen gilt als Paradies für Fahrrad fahrer. Was hat Ihnen dort besonders gut gefallen?

Kell: Die Infrastruktur in der Stadt ist fantastisch. Es gibt überall breite Radwege sowie separate Fahrspuren für Fahrradfahrer. Auch die Autofahrer sind entspannter als hier und lassen den Radlern die Vorfahrt.

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