Andrej Krocker ist Koordinator der AG Radverkehrspolitik beim ADFC Leipzig e. V. Mit der Ahoi sprach er nach dem Tod einer jungen Frau über die teils schlechte Fahrradinfrastruktur in Leipzig, die größten Gefahrenstellen und die Forderungen des Radfahrer-Interessenverbands an die Stadt.
Eine 20-Jährige ist letzte Woche in der Südvorstadt bei einem Radunfall ums Leben gekommen. War die Verkehrsführung eine Ursache für das Unglück?
Krocker: Ich möchte nicht spekulieren, was dort genau passiert ist. Aber klar ist: Es gibt keine Radinfrastruktur an der Stelle, keinen getrennten Fahrradweg und die Schienen sind nah am Fahrbahnrand. Zudem befinden sich dort eine Schule, ein Kindergarten, eine Bäckerei mit parkenden Lieferwagen. Dort ist viel Unruhe. Und das alles ohne eine Radinfrastruktur macht Unfälle deutlich wahrscheinlicher.
Weniger getötete Radfahrer
Wie sicher ist Leipzig für Radfahrer?
Krocker: Leipzig ist schon eher eine fahrradfreundliche Stadt. Wir sind auf einem guten Weg. Die Radinfrastruktur wächst und die Zahl der getöteten Radfahrer nimmt im Vergleich zu vor zehn Jahren ab. Aber jeder Fall ist einer zu viel. Jeder schwere Unfall zeigt, dass Lücken in der Verkehrssicherheit bestehen.
Wo gibt es besonders gefährliche Stellen?
Krocker: Wo soll ich da anfangen? Auf der Riebeckbrücke in Reudnitz-Thonberg hat die Stadt zwei Radstreifen angelegt. Das ist absolut positiv. Aber wenn man weiter in Richtung Breite Straße fährt, wird es gefährlich. Der Radweg endet und geht erst wieder in der Dresdner Straße weiter. Warum macht man diesen kleinen Lückenschluss nicht? Gefährlich ist es auch im Bereich Humboldtstraße und Pfaffendorfer Straße. Wenn du hier im Berufsverkehr mit dem Fahrrad über die Pfaffendorfer fahren möchtest: keine Chance. Super gefährlich ist die Kreuzung Karl-Heine-Straße und Zschochersche Straße, weil Radfahrer dort auf die Schienen in einem sehr spitzen Winkel zufahren. Es gibt unzählige weitere Beispiele.
Was sind die Hauptforderungen des ADFC?
Krocker: Gefahrenstellen müssen entschärft werden. Und wir fordern, dass Lücken im Radnetz geschlossen werden. Wir haben keine sauberen Nord-Süd- und Ost-West-Verbindungen. Man hat zwar am Ring gute Fortschritte gemacht, Beispiel Hauptbahnhof. Aber der komplette Ring ist nicht sauber erschlossen. Bei der Hauptfeuerwache hast du auf einmal keinen breiten Radstreifen mehr. Warum? Das Ding gehört einmal um den Ring gelegt. Und Radinfrastruktur muss auch gepflegt werden. Wenn ein Lieferwagen auf dem Radstreifen steht und Fahrradfahrer ausweichen müssen, muss das Ordnungsamt handeln.
Das kann die Stadt für Radfahrer tun
Was ist möglich in Zeiten knapper Kassen?
Krocker: Schon neue oder bessere Markierungen könnten an vielen Stellen für mehr Sicherheit sorgen. Die sind kein großer Kostenfaktor. Auch Beschilderungen sind verhältnismäßig aufwandsarm umzusetzen.
Was können Radfahrer selbst tun, um sich sicherer im Verkehr zu bewegen?
Sie sollen sich an die Regeln halten, aufmerksam fahren, einen Helm und keine Kopfhörer tragen. Beleuchtung sollte selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht. Sichtbarkeit ist ebenfalls wichtig. Da können wir uns als Radfahrer an die eigene Nase greifen. Aber man muss auch sagen: Es darf nicht so sein, dass ein Radfahrer perfekt fahren können muss, um sicher nach Hause zu kommen. Schon die Infrastruktur muss Sicherheit geben.


