Musik kann berühren, kann erkaltete Herzen entfrosten, kann den ganzen Körper zum schwingen bringen und den Geist befreien. SALUT SALON reisen durch die Länder, mit einem Zwischenstop in Leipzig, und bringen Lebensfreude und Tiefsinn in die Welt. Ahoi-Redakteur Volly Tanner durfte mit der ersten Geige, Gründerin und Multi-Engagierten Angelika Bachmann rerden. Die Chance nahm er wahr und hakte nach:
Ahoi: Guten Tag Angelika Bachmann. Am 7. März 2026 gastieren SALUT SALON mit dem neuen Programm „Heimat“ im Gewandhaus zu Leipzig. Sie spielen dort die erste Geige, auch sprichwörtlich, schließlich waren Sie auch Gründerin des Ensembles. Sie selbst sind Hamburgerin, wenn ich richtig informiert bin. Von der ebenfalls in Hamburg lebenden wundervollen Anna Depenbusch gibt es einen äußerst berührenden Song, der auch „Heimat“ heißt. Hat beides – das Programm von SALUT SALON und das Stück von Anna Depenbusch irgendetwas miteinander zu tun?
Angelika Bachmann: Ich mag Anna sehr, ihre feinsinnige Tiefgründigkeit. Und ihr Song und unser Programm haben ganz sicher vieles gemeinsam: Beide beschreiben dieses sehr besondere, universelle und zugleich total individuelle Gefühl von Heimat. Wir haben im Quartett Wurzeln in über zehn Ländern und Sprachen, stammen aus völlig verschiedenen Hintergründen und touren damit regelmäßig gemeinsam rund um die Welt durch für uns neue Kulturen. Für uns gibt es kaum ein größeres Thema als Heimat. Wir haben uns immer wieder gefragt: Was ist das eigentlich, Heimat? Ist das ein Ort, sind das Traditionen, ist das vielleicht eine Melodie? Wir haben gemerkt, dass wir alle ganz eigene Geschichten haben, und trotzdem sind wir alle irgendwie vereint in dem Bedürfnis nach diesem Gefühl von Heimat.
Ahoi: SALUT SALON werden in Leipzig zu viert sein. Zwei Geigen, ein Cello, ein Klavier. Können Sie den Unwissenden Ihr Ensemble bitte ein bisschen vorstellen?
Ankelika Bachmann: Es gibt bei uns auf der Bühne keine Grenzen, keine Genres, nur Musik. Es knallt und schneit auf der Bühne, wir spielen Vivaldi mit Instrumenten-Kungfu oder so schnell, bis der Bogen brennt. Es gibt aber auch sehr zarte und poetische Momente, zum Beispiel, wenn wir zu fünft mit unserer Handpuppe Oskar auf einem Cello spielen oder auf der singenden Säge. Und natürlich gibt es kein Salut Salon-Konzert ohne Tango Nuevo von Astor Piazzolla.
Wir sind ein Quartett aus zehn Frauen (lacht). Als die erste von uns schwanger war, haben wir uns überlegt, wie wir das zusammen wuppen können. Seitdem machen wir Timesharing: Zehn Frauen teilen sich vier Instrumente. Es spielen immer die, die gerade nicht im Kreißsaal liegen, KiTa-Eingewöhnung haben oder zwischendurch auch mal den Mann zu Hause ein bisschen entlasten möchten. Wir nennen das „Rock’n’Roll in Teilzeit“.
Ahoi: Und was ist Heimat eigentlich für Sie ganz persönlich, Frau Bachmann. Wenn ich mir Ihre Vita so anschaue … wird mir ganz schwindelig von all den Weltumdrehungen.
Angelika Bachmann: Wenn ich von einer Tournee zurück nach Norddeutschland komme, das Wasser sehe, die Weite, Wind und Wolken, das löst schon heimatliche Gefühle aus. Aber vor allem sind Heimat für mich die Menschen, die mir nah sind, der Umgang miteinander, die „Sanftheit", die wir auch im Programm besingen. Wie wir gemeinsam proben, spielen, nach den Konzerten zusammen sind - wenn wir auf Tour sind, habe ich immer ganz viel Heimat um mich herum.
Ahoi: Sie sind Ehren-Alster-Schleusenwärterin. Was ist das denn für eine Auszeichnung?
Angelika Bachmann: Mit dieser Auszeichnung werden Menschen ausgezeichnet, die als Botschafter*innen Hamburgs wahrgenommen werden, in der Vergangenheit waren das zum Beispiel Uwe Seeler oder Siegfried Lenz. Mir gefällt dieses Bild, symbolisch die Schleusen der Heimatstadt in die Welt zu öffnen, darin erkenne ich mich und auch Salut Salon wieder. Als Luisa Neubauer kürzlich ebenfalls zur Ehren-Schleusenwärterin ernannt wurde, haben wir für sie ein kleines Konzert gespielt. Sie hatte sich das gewünscht - das war ein sehr schöner Moment.
Ahoi: Ihr persönliches Portfolio ist äußerst vielfältig, ich nenne da mal nur The Young ClassX, den Verein SalutDeluxe mit Samy Deluxe oder Ihre Tätigkeit als Botschafterin der Kindernothilfe. Ist SALUT SALON trotzdem der Mittelpunkt Ihres Schaffens? Wie koordinieren Sie die diversen Aktivitäten? Irgendwo braucht es ja auch noch ein Privatleben, denke ich mal.
Angelika Bachmann: Ich trenne nicht zwischen Arbeit und Privatleben, das habe ich noch nie. Ich mache einfach, was mir Freude bereitet und sinnvoll erscheint, und bin jeden Morgen aufs Neue sehr dankbar dafür, dass ich den ganzen Tag das tun darf, was viele erst nach Feierabend machen können. Ich merke in unseren Kinderprojekten immer wieder, was für eine unglaubliche Kraft von Musik ausgeht. Sie ist für die Kids eine innere Kathedrale, die sie ein Leben lang in sich tragen und die ihnen keiner mehr nehmen kann. Deshalb versuchen wir so vielen Kindern, wie wir können, einen Weg zur Musik zu ermöglichen. Auf der ganzen Welt, aber auch zu Hause.
Ahoi: Das Programm Heimat ist der Abschluss einer Trilogie, erlas ich mir im Beipackzettel Ihrer Medienagentur. Trilogie bedeutet jedoch, dass da noch zwei andere wichtige Themen musikalisch bearbeitet wurden, wenn ich nicht falsch liege. Welche waren das denn?
Angelika Bachmann: In unseren vorangegangenen Programmen haben wir uns mit Liebe und Träumen beschäftigt. Wie bei „Heimat“ sind auch diese beiden Themen so groß, so vielschichtig, dass alle Schönheit und aller Schmerz des Lebens in ihnen Platz haben. Sie sind so universell, dass sie jeden betreffen. Und zugleich so individuell, dass niemand allgemeingültig sagen könnte, was genau sie eigentlich bedeuten. Sie haben Komponisten zu allen Zeiten beschäftigt. Für mich ist es ein großes Geschenk, dass ich diese Emotionen über die Musik ausdrücken kann, viel besser, als ich das mit Worten je könnte. Sobald ich die Geige in die Hand nehme und spiele, ergibt sich eine Verbindung zwischen mir und dem Publikum, egal ob in Leipzig, in Paris oder in China.
Ahoi: Das Programm lebt auch von den Moderationen. Nun liegt Leipzigs Gewandhaus in Deutschland, dem Land Ihrer eigenen Sprache – oder wie Humboldt sagte: „Die wahre Heimat ist eigentlich die Sprache.“ Nun sind Sie aber weltweit unterwegs. Wie ist das in China beispielsweise? Moderieren Sie da in Deutsch oder Englisch oder Chinesisch? Und in Australien, Frankreich, Rumänien?
Angelika Bachmann: Wir moderieren immer in der jeweiligen Landessprache. Wir finden es schön, wenn das Publikum uns versteht. In Paris oder New York geht das noch ganz gut, in China oder Korea ist es eine echte Herausforderung. Wir lernen das einfach monatelang auswendig. Und wenn wir dann nach dem Konzert an unserem Stand auf Chinesisch angesprochen werden, fliegen wir immer auf - wir können kein Wort mehr als die zwei Stunden Konzert.
Ahoi: Schlussendlich bitte ich Sie um einen kleinen Ausblick ins Weitere. Was folgt nach der Heimat? Der Transhumanismus? Gibt es schon Ideen zum verraten?
Angelika Bachmann: Transhumanismus klingt spannend (lacht). Wir probieren nach jedem Konzert neue Ideen aus, bei uns hat die Dernière noch nie so geklungen wie die Premiere – das macht für mich Salut Salon so lebendig.
Ahoi: Danke, liebe Angelika Bachmann, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben und Dank für die Musik.


