Kaum eine musikalische Laufbahn ist so vielseitig und wandelbar wie die von Michael Beckmann. Als Bassist der ersten Stunde prägte er den Sound der Rainbirds entscheidend mit – auf den beiden ersten Alben der Band, darunter dem Hit „Blueprint“, setzte er früh klangliche Akzente, die bis heute nachhallen. Später zog es ihn zu anderen Projekten: mit Depp Jones, der Band um den Ärzte-Schlagzeuger Bela B., und bei Fehlfarben zeigte er erneut seine stilistische Bandbreite. Doch Beckmann ist nicht nur Bühnenmusiker – er ist auch ein gefragter Komponist für Film und Fernsehen. Spätestens mit der Musik zum Kinohit „Fack ju Göhte“ hat er sich als Soundtrack-Komponist einen festen Platz im deutschen Filmbusiness erspielt.
2026 feiern die Rainbirds ihr 40-jähriges Bandjubiläum und kommen auch nach Leipzig – ein guter Anlass, um mit Beckmann zu sprechen.
Beckmann, wie hat Deine musikalische Reise begonnen?
Beckmann: Ich bin mit viel Musik aufgewachsen. Mein Vater spielte als Alleinunterhalter im “Tiger Duo” Orgel, Gitarre, Akkordeon und komponierte Karnevalsschlager. Mein Onkel Willy war Organist und Leiter des Kirchenchors von St. Antonius in Heggen im Sauerland. Mit 16 habe ich angefangen, in lokalen Bands Bass zu spielen. Richtig los ging meine musikalische Reise aber in den 80ern, als ich zum Studium nach Berlin gezogen bin. 1985 wurde ich Mitglied der Funpunkband “Die Suurbiers” und bildete für ein Jahr zusammen mit Schlagzeuger Wolfgang “Wölli” Rohde die Rhythmusgruppe, ehe er zu den Toten Hosen wechselte. 1986 wurde ich dann Gründungsmitglied der Rainbirds.
Kannst Du Dich an den Moment erinnern, als Dir klar wurde: “Ich will Musiker werden”?
Beckmann: Das war sehr früh. Direkt nach dem Abitur reiste ich drei Monate mit einem Interrail-Ticket durch Europa und sah am 21. Oktober 1981 “The Clash” im Londoner Lyceum. Die waren so cool, so musikalisch und hatten eine so unfassbare Energie, dass ich dachte: Das will ich auch.
Wie siehst Du heute die Musikbranche mit all den Streams im Gegensatz zu früher, wo Plattenverkäufe noch etwas wert waren?
Beckmann: Die Branche hat sich radikal verändert. Früher waren Plattenverkäufe das Maß aller Dinge, eine Veröffentlichung hatte eine lange Halbwertszeit. Heute dominiert Streaming, das schafft mehr Reichweite, ist aber flüchtig. Aber letztendlich verdienen noch immer die am meisten, die am beliebtesten bei den Hörern sind.
Du warst 1986 Gründungsmitglied der Rainbirds und hast auf den ersten beiden Alben mitgewirkt. Wie war die Zusammenarbeit mit Katharina Franck damals?
Beckmann: Die Zusammenarbeit war intensiv, kreativ und erfolgreich. Katharina hatte und hat eine starke künstlerische Vision, und wir haben gemeinsam eine besondere Atmosphäre geschaffen, die sich in den ersten beiden Alben deutlich widerspiegelt. Wir waren sehr unterschiedliche Typen, aber genau das hat die Magie erzeugt. Es ging uns um Ausdruck, Energie und Gefühle.
„Blueprint“ war ein riesiger Hit – was hat sich durch diesen plötzlichen Erfolg für Dich verändert?
Beckmann: Alles. Wir standen plötzlich im Scheinwerferlicht, was neue Möglichkeiten, aber auch Erwartungen mit sich brachte. „Blueprint“ war unser Türöffner, plötzlich wollten alle Medien und Veranstalter mit uns arbeiten. Ich habe trotzdem versucht, die Bodenhaftung zu behalten. Es war eine aufregende Zeit, aber auch eine, die uns sehr gefordert hat.
Wie blickst Du heute, 40 Jahre später, auf diese Zeit zurück?
Beckmann: Ich blicke mit Dankbarkeit, Freude und auch Demut zurück. 1986 war ich noch ein armer Student, der in der Nachtschicht in einer Pizzafabrik Gabelstapler gefahren ist, 1988 spielte ich mit den Rainbirds als Co-Headliner vor Fleetwood Mac bei Rock am Ring. Ich habe natürlich auch viele Fehler in dieser Zeit gemacht. Aber wie es so schön heißt: aus Fehlern lernt man am meisten.
Zum Jubiläum wurde „Blueprint“ neu auf Vinyl aufgelegt – was bedeutet Dir dieses Reissue persönlich?
Beckmann: Das bedeutet mir viel. Heute feiern wir Rainbirds unseren Evergreen „Blueprint“ und bald wollen wir das auch gemeinsam mit allen tun, die unsere Musik und diesen Song lieben. Ein anderer Aspekt ist: Ich bin ein großer Vinylfan mit allem, was dazugehört: Cover, Artwork, Haptik und natürlich der besondere Sound. Mit dem Blueprint Re-Release schließt sich für mich ein Kreis. Die ganze Musik, die ich als Teenager gekauft habe, war auf Vinyl-Schallplatten, es gab ja weder CDs, noch mp3’s oder Streaming in den 70ern. Meine allerersten 7”-Singles waren “The Air That I Breathe” von den Hollies, “Can the Can” von Suzi Quatro und “Cum On Feel the Noize” von Slade.


