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  • Stadtleben
UNVERPACKT-LÄDEN

Die Pandemie hat Spuren hinterlassen

2016 eröffnete mit „Einfach Unverpackt“ in der Kochstraße der erste Unverpackt-Laden in Leipzig. Drei weitere folgten. Seit der Corona-Pandemie leiden die Läden – und kämpfen zum Teil gegen die Schließung.

Portrait von Pierre Mischke und Christin Neubert. in den Händen halten sie Produkte aus ihrem Laden
Auch Pierre Mischke und Christin Neubert kämpfen mit ihrem Unverpackt-Laden weiter gegen die Auswirkungen der Corona-Pandemie © Philip Knoll

Nachdem 2014 die ersten Unver- packt-Läden in Deutschland öff- neten, folgte eine Eröffnungswelle, die fast alle großen und mittelgroßen Städte der Republik erreichte – auch Leipzig. Nach „Einfach Unverpackt“ im Jahr 2016 ploppten insgesamt drei weitere Läden auf: „Locker & Lose“ im Osten, „Lieber lose“ im Westen und die zweite Filiale des „Einfach Unverpackt“- Teams, ebenfalls im Westen. Vor der Pandemie lief es ziemlich gut, aber durch Corona wurde dieser Trend gebremst, wie Vroni Drefke von „Locker & Lose“ bestätigt: „Auch wir merken seit Herbst 2021 einen Umsatzrückgang.“ 

Situation belastet die Mitarbeitenden

Noch dramatischer sieht es beim „Einfach Unverpackt“-Team um Pierre Mischke und Christin Neubert aus. Mit beiden Läden kämpfen sie schon seit Beginn der Pandemie um ihre Existenz und hatten stets auf Besserung gehofft. Anfang 2022 starteten sie deshalb eine Offensive, wiesen über Social Media und in den Geschäften auf ihre prekäre Lage hin. „Seit unserem Aufruf sind wieder ein paar mehr Kunden regelmäßiger bei uns einkaufen, was uns sehr freut! Dann waren jedoch acht Wochen Sommerferien und das Sommerloch hatte uns wieder voll erwischt“, erklärt Christin Neubert.

Durch eine Spendenkampagne, die von Neuberts Schwester initiiert wurde, kamen insgesamt 4.800 Euro an Unterstützung zusammen. Das reichte aber nicht aus, um die Läden zu retten. Mit- arbeiter, die in der Zwischenzeit gekündigt hatten, konnten sie deshalb nicht ersetzen – eine Situation, die das Team belastet. „Das nagt natürlich am Team- spirit und auch kräftemäßig wird es langsam grenzwertig, beide Läden mit einem geschrumpften Team und regulären Öffnungszeiten aufrechtzuerhalten“, so Neubert. Wenn dann noch Krankheitsfälle hinzukommen, geht das auf die Gesundheit der verbliebenen Mannschaft. Im Moment schließen in ganz Deutschland viele kleine Bio-Märkte und Unverpackt-Läden. Das ist eine Entwicklung, die Vroni Drefke von „Locker & Lose“ mit Besorgnis beobachtet: „Gerade wir kleinen Läden haben eine große Auswahl an lokal produzierten Lebensmitteln im Sortiment. Das spart nicht nur wichtige Ressourcen, sondern ist auch wichtiger Bestandteil, um die Wirtschaft in der Region zu stärken.

So kann man die Läden unterstützen

Das Sortiment der Läden reicht von Lebensmitteln zum Abfüllen über Konserven in Pfandgläsern und Süßigkeiten bis hin zu Trinkflaschen und Pflegeprodukten. Wer die Unverpackt-Läden erhalten möchte, kann zum Beispiel Gut- scheine für die Läden zu Geburtstagen verschenken oder auch kleinste Einkäufe dort erledigen. Für Christin Neubert und Pierre Mischke von „Einfach Unverpackt“ wird das allerdings zu spät kommen. Zumindest für ihren Laden in der Könneritzstraße. Am 31. Dezember des vergangenen Jahres mussten sie das Geschäft schließen und konzentrieren sich nun auf den Laden in der Kochstraße am Südplatz und auf ihren Unverpackt- Lieferdienst.

 

UNVERPACKT EINKAUFEN

In Leipzig gibt es insgesamt drei Möglichkeiten, unverpackt einzukaufen. Alle Läden sind inhabergeführt und werden mit viel Leidenschaft für Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung geführt. Ein Besuch lohnt auf alle Fälle.

Einen Traum erfüllt

LOCKER & LOSE

Eigentlich hatte Kristin Zettl vor, als Verkäuferin bei „Einfach Unverpackt“ einzusteigen. Ihr Freund erzählte ihr dann aber, dass ihre gemeinsame Bekannte Veronika Drefke mit der Idee liebäugele, einen eigenen Laden zu eröffnen. Kurz darauf treffen die beiden Frauen sich, schmieden Pläne und nur neun Monate später eröffnet im Juni 2019 der erste Unverpackt-Laden im Leipziger Osten. Mit der Selbstständigkeit haben sich Zettl und Drefke, die aus der Tourismus- beziehungsweise Onlinemarketing-Branche kommen, den Traum einer sinnvollen Tätigkeit erfüllt, wie sie selbst sagen. Neben der Müllvermeidung spielt für sie auch Upcycling eine wichtige Rolle. Josephinenstraße 12, 04317 Leipzig

Vegetarisches Vollsortiment

EINFACH UNVERPACKT

Bereits seit 2016 kann man in Leipzigs erstem Laden ohne Verpackungsmüll einkaufen. Damals gehörten Christin Neubert und Pierre Mischke mit „Einfach Unverpackt“ zu den ersten zehn Unverpackt-Läden Deutschlands. Heute gibt es weit mehr als 350 solcher Geschäfte. In ihrem Laden bieten sie ein vegetarisches Vollsortiment an – von Getreide über Nudeln bis hin zu Gewürzen, Käse und Süßigkeiten wird nichts ausgelassen. Darüber hinaus verkaufen sie auch Reinigungsmittel und Drogeriewaren. Insgesamt gibt es mehr als 800 Produkte, die man vor Ort ohne Müll einkaufen kann. Kochstraße 6, 04275 Leipzig

Im Team zum Ladenkonzept

LIEBER LOSE

Das Konzept „unverpackt einkaufen“ erweitern – das haben sich Franziska Frank und ihre vier Mitstreiterinnen und Mitstreiter vorgenommen. Während ihrer Schwangerschaft überkommt Frank der Wunsch, etwas anderes zu machen. Über viele verschiedene Umwege lernt sie binnen der nächsten Monate ihr Team kennen. Und jeder bringt etwas anderes mit, was das Konzept des Ladens erweitert. „Wir haben beispielsweise auch Kosmetik im Sortiment, es gibt ein Refill-System aus Rouge, Highlighter und so weiter. Da haben wir wirklich lange recherchiert. Außerdem gibt es auch Windelsysteme“, erzählt sie. Drogeriewaren und Lebensmittel machen jeweils die Hälfte des Sortiments aus. Weißenfelser Straße 22, 04229 Leipzig

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