Das Cannabisgesetz ist da. Seit dem 1. April darf jeder Erwachsene bis zu 25 Gramm Cannabis mitführen und zuhause maximal 50 Gramm aufbewahren. Außerdem dürfen drei Pflanzen in der eigenen Wohnung angebaut werden. Der kollektive Anbau und die Abgabe an die Mitglieder wird ab dem 1. Juli von Anbauvereinigungen, bekannt als Cannabis Clubs, organisiert.
Der Cannabis Social Club Leipzig ist einer von zahlreichen Vereinen, die sich derzeit in der Messestadt zusammenfinden. Marten Knopke, Mitglied des zukünftigen Vorstands, arbeitet an der Vereinsgründung: „Das ist aktuell ganz normales Vereinswesen.“ Eine Satzung steht bereits, die Suche nach Immobilie und Mitgliedern läuft.
Aktive Zusammenarbeit
Maximal 500 Mitglieder ab 18 Jahren darf ein Club haben. „Mitglieder sollen in der Anbauvereinigung aktiv mitwirken und möglichst einen gesamten Anbauzyklus beim gemeinschaftlichen Eigenanbau betreuen“, heißt es im Cannabisgesetz. Laut Marten Knopke könnten die Mitglieder beim Reinigen, Schneiden und Trimmen der Cannabisblüten sowie bei der Abgabe sowie bei der Aufklärung und Prävention helfen. So könnten sie alle Prozesse hautnah erleben.
Ein kleinteiliges Gesetz
Das CBD-Fachgeschäft Hanf im Glück konnte in Spanien bereits Erfahrung mit diesem Modell sammeln. „Nun helfen wir den Vereinen in Deutschland bei der Gründung. Sie können von unserem Netzwerk und unserem Wissen profitieren“, erklärt Marketing-Manager Eddy Haise. So auch bei der Erstellung eines Businessplans mitsamt Finanzierung. „Monatliche Beiträge sind nicht notwendig“, vielmehr würden diese zum erhöhten Konsum anregen. „Möglich ist eher ein symbolischer Beitrag und dazu die Zahlung nach abgenommener Menge Cannabis.“ Dafür müssen alle Kosten transparent gemacht werden, schließlich dürfen keine Gewinne auflaufen.
„50 Prozent werden scheitern“
Ist der Vereinsbetrieb erlaubt, gilt es weiterhin viel zu beachten: Berichts- und Dokumentationspflichten, Sicherheitsmaßnahmen und vieles mehr. „Der Wille der Clubs steht ganz oben, aber der Wissensstand ist an einem anderen Punkt“, sagt Eddy Haise. „Viele Dinge müssen sehr genau genommen werden.“ Er schätzt, dass bis zu 50 Prozent der Clubs das erste Jahr nicht überstehen werden. Sonja Beeker ist Pressesprecherin des Dachvereins Mariana Cannabis Social Club. Sie stimmt Eddy Haise zu: „Viele werden einen Verein gründen, aber unterschätzen, wie schwer es ist.“ Für sie liegt die Herausforderung allerdings im Anbau: „Die Leute kaufen teures Equipment, haben aber keine Erfahrung und können dann eventuell kein Produkt liefern.“
Noch ein weiter Weg
Das Cannabisgesetz ist der erste Schritt zur Legalisierung. Doch einiges ist immer noch ungeklärt. „Die Kommunen haben noch drei Monate Zeit, um die finalen Zuständigkeiten der Behörden zu klären“, weiß Eddy Haise. Bis zur Lizenzvergabe könnte es deshalb noch bis Ende Herbst oder länger dauern. Trotzdem steht er persönlich dem Gesetz wohlwollend gegenüber: „Vielleicht sind einige Punkte zu kleinteilig, aber gerade in einem neuen Setting macht es Sinn, einen engmaschigen Rahmen vorzugeben“. Sonja Beeker stimmt zu: „Ich bin positive. Ich finde es gut, dass es jetzt erst mal losgeht.“ Die Lösung für entstehende Probleme sehen beide in der Zusammenarbeit: Es brauche Verständnis für alle Parteien, schließlich sei das Gesetz eine große Veränderung. Sowohl Behörden als auch Clubgründer müssen sich eingestehen, „dass man das zusammenmachen und miteinander arbeiten muss“.
Hier darf in Leipzig gekifft werden
Die Teillegalisierung des Cannabis bedeutet nicht, dass überall gekifft werden darf. Erlaubt ist der Konsum von Cannabis unter anderem nur in einem Abstand von 100 Metern der Cannabis Social Clubs. Dieser Abstand gilt auch für Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, Kinderspielplätze sowie in öffentlich zugänglichen Sportstätten. Wo gekifft werden darf, findet man auf der sogenannten Bubatzkarte.



