Marianne Rosenberg feiert in diesem Jahr ein dreifaches Jubiläum: 70. Geburtstag, 55 Jahre auf der Bühne und 50 Jahre „Er gehört zu mir“. Nach der Veröffentlichung ihres Jubiläumsalbum „Bunter Planet", geht sie im November auf die dazugehörige Tour. Im Interview mit Ahoi Leipzig spricht sie offen über die Lektionen ihres Lebens, das Alter, Showbusiness und Männer.
Frau Rosenberg, Sie feiern 2025 ein dreifaches Jubiläum: 70. Geburtstag, 55 Jahre auf der Bühne und 50 Jahre „Er gehört zu mir“. Wie fühlt sich das an?
Marianne Rosenberg: Sehr schön – und ein bisschen gruselig. Meine Generation hat doch in den Achtzigern nur an eins geglaubt: „For ever young“. Aber auch ein bisschen stolz, dass es mir nach meiner ersten Karriere in den Siebzigern gelungen ist, als Frau, in einer immer noch von Männern dominierten Branche, selbstbestimmt zu arbeiten. Und dankbar, dass mir meine Fans auch bei meinen Ausflügen in andere Genres wie Jazz oder Elektro-Pop, gefolgt sind.
Was können Sie mit 70 besser als mit 20?
Marianne Rosenberg: Verstehen, wer ich bin, was ich kann und was ich will. Das hört sich vielleicht banal an, aber es war auch oft ein Kampf gegen die Vorurteile in der Gesellschaft und gegen die Machtverhältnisse in der Musikbranche. Und gerne würde ich noch sagen, dass ich jetzt viel ruhiger geworden bin, aber das wäre gelogen. Nicht gelogen ist, dass ich seit vielen Jahren nur noch die Musik mache, die ich machen möchte. Ich schreibe die meisten meiner Texte selber und komponiere auch sehr viele Songs. Das wäre damals in den Siebzigern unmöglich gewesen. Meine damaligen Produzenten und Plattenbosse hätten gesagt: „Die Kleene hat doch nen Vogel“.
Was gehört heutzutage zu Ihnen? Sicherlich viel mehr als nur ein Mann!
Marianne Rosenberg: Zuallererst die Musik. Sie ist mein Mittelpunkt, um den sich Vieles dreht. Kreativ Musik machen zu können, ist für mich immer wieder ein Geschenk. Und dann ein kleiner schwarzer French Bull, der sich in mein Herz geschlichen hat. Und Sie haben recht: „sicherlich viel mehr als nur ein Mann!“
Mit Bunter Planet – Die Jubiläums-Edition schlagen Sie eine Brücke zwischen früher und heute. Was war Ihr Anspruch an dieses Album und sich selbst?
Marianne Rosenberg: Bunter Planet ist musikalisch eine Fortführung von dem Nr. 1 - Album „Im Namen der Liebe“. Ich liebe diese wunderbaren Streicherpassagen gepaart mit Disco-Elementen. Bei den Sounds ist es mir aber immer wichtig, aktuell zu sein. Wenn ich ins Studio gehe, habe ich immer eine genaue Vorstellung, wie es klingen soll. Dabei habe ich mit Alex Wende einen wirklich tollen Produzenten, der genau versteht, was ich meine und das auch so umsetzen kann. Auch inhaltlich ist es eine Fortführung, denn es geht weiterhin um Menschlichkeit, Toleranz und Respekt – ganz gleich, woher die Menschen kommen, welche Hautfarbe oder welche sexuelle Orientierung sie haben und an welchen Gott sie glauben. Das spielt auf meinem bunten Planeten überhaupt keine Rolle.
Sie haben für das Album mit sehr unterschiedlichen Künstlern wie Conchita Wurst, Eko Fresh oder Sarah Engels gearbeitet. Wie kamen diese Konstellationen zustande?
Marianne Rosenberg: Ende letzten Jahres gab es die TV-Show Sing meinen Schlager, bei der andere Kollegen meine Songs von den Siebzigern bis heute auf ihre Weise interpretiert haben. Das hat mich so beeindruckt und gerührt, dass ich einen Teil davon auf meine Jubiläums-Edition holen wollte.
Sie gelten als Ikone der queeren Community. Was bedeutet Ihnen diese Position?
Marianne Rosenberg: Ich empfinde das als eine Auszeichnung, für die man sich nicht bewerben kann. Ich wurde es einfach, so wie Judy Garland, Cher, Madonna, Diana Ross, Lady Gaga, Grace Jones oder Gloria Gaynor.
Haben Sie eine besondere Verbindung oder Erinnerungen mit der Stadt Leipzig?
Marianne Rosenberg: Ich habe die „Leipziger Freiheit“, also den ebenso mutigen wie friedlichen Einsatz vieler Leipziger Bürger, ganz bewusst miterlebt, wenn auch noch von der anderen Seite der Mauer, die ja gerade durch diesen Einsatz heute Geschichte ist. Außerdem habe ich Leipzig nach der Wende immer als offene und lebendige Stadt erlebt, die für mich viele Parallelen zu meiner Heimatstadt Berlin hat.
Hat sich Ihr Verhältnis zur großen Bühne über die Jahrzehnte verändert?
Marianne Rosenberg: Eins hat sich nie verändert – mein Lampenfieber. Wenn einem die Menschen vor der Bühne nicht gleichgültig sind, dann will man immer sein Bestes geben. Es ist also der eigene Anspruch, vor dem ich, kurz vor dem Auftritt, am liebsten weglaufen würde. Aber einmal in die strahlenden Gesichter der Fans geblickt und spüren zu können, wie wir gemeinsam meine Songs erleben – und ich möchte nirgendwo anders sein, als genau da.
Was dürfen Ihre Fans von der „Bunter Planet“-Tour erwarten – eher eine nostalgische Reise oder eine moderne Rosenberg-Revue?
Marianne Rosenberg: Weder noch – und doch von beidem ein bisschen. Natürlich spiele ich mit meiner Band die großen Klassiker und die neuen Hits, das Ganze eingebunden in ein dramaturgisches und musikalisches Konzept. Dabei habe ich mir diesmal eine Tour durch die Clubs gewünscht. In den großen Hallen kann man zwar mehr Licht und Effekte auffahren, aber das sollte nicht im Mittelpunkt stehen, denn es geht mir darum, meine Musik mit meinen Fans zu teilen und ihnen dabei in die Augen schauen zu können. Dabei verstehe ich mich als Gastgeberin, die sich sehr auf ihre Gäste freut. Ich freue mich auf einen gemeinsamen, unvergesslichen Abend mit meinem Publikum.
Vielen Dank, Frau Rosenberg und alles Gute!


