Mit unserem Magazin für die Leipziger Fahrradkultur „WE RIDE LEIPZIG“ sammeln wir seit Sommer 2017 viele Geschichten vom Fahrradweg und sprechen über die Radmobilität sowie -kultur in unserer Stadt. Dabei hört der Radweg oft einfach im Nichts auf, wir umfahren Wurzeln, die sich ihren Weg durch den Asphalt bohren, wir werden auf einen eineinhalb Meter breiten Streifen gedrängt, dabei knapp überholt und sind Wind und Wetter schutzlos ausgesetzt. Doch trotz all dem sind wir meistens schneller am Ziel, sparen viel Zeit, indem wir die lästige Parkplatzsuche leicht umgehen, bleiben fit, halten unsere Nasen auf dem Weg durch die vielen Parkanlagen in die Sonne, sparen Geld und der wichtigste Aspekt in unserem Jahrhundert: Wir schonen mit jedem Kilometer unsere Umwelt, indem wir auf eine klimafreundliche Mobilität setzen.
Der Auftrag als Stadtgesellschaft an unsere Stadtverwaltung sowie unseren Oberbürgermeister Burkhard Jung ist seit vielen Jahren klar und deutlich: Die Leipziger wünschen sich verstärkt mehr Zugeständnisse für den Radverkehr und klimafreundliche Alternativen zum Auto. Denn sind wir mal ganz ehrlich: Ein eigener Pkw ist bequem, aber nicht unbedingt in der „Stadt der kurzen Wege“ notwendig. Noch dazu veröffentlichte der MDR erst im Januar dieses Jahres die Hitliste der deutschen Stau-Städte und Überraschung: Leipzig schafft es im bundesweiten Durchschnitt auf Platz 6. Statt im Stau zu stehen, fahren wir einfach daran vorbei. Natürlich sind an dieser Stelle diejenigen aus- geklammert, die aus vielen Gründen einfach nicht mit dem Fahrrad unterwegs sein können – auch das ist völlig in Ordnung.
Ob Leipzig im Jahr 2023 endlich den Titel als Fahrradstadt verliehen bekommt, daran beißen wir uns seit Jahren die Zähne aus. Ein grüner Radverkehrsstreifen ziert mittlerweile unseren Innenstadtring, Transportrad-Mietsysteme haben es in die Stadt geschafft und die Stadtverwaltung hat sich mit dem Aktionsprogramm Radverkehr und der Fortsetzung des Radverkehrsentwicklungs- plans dem Thema Fahrrad verschrieben. Ein notwendiger Schritt, denn der Radverkehrsanteil in Leipzig an der Verkehrsmittelnutzung, dem sogenannten Modal Split, steigt seit Jahren sichtbar an und liegt im Mittel bei etwa 19 Prozent. 1991 waren es nur 5,8 Prozent. Das vom Stadtrat beschlossene Nachhaltigkeitsszenario peilt ein weiteres Wachstum bis 2030 auf 23 Prozent Anteil am sogenannten Modal Split an, also der Aufteilung der unterschiedlichen Verkehrsmittel. Dieser Wert ist in den innenstädtischen Bereichen meist ohnehin schon erreicht.
Für die Wege in die Innenstadt, die dem ADAC ja so am Herzen liegen, nutzen die meisten Leipziger den Umweltverbund aus ÖPNV, Fuß und eben das Fahrrad. Das hat inzwischen einen Anteil von 24 Prozent erreicht. Der Weg zur Fahrradstadt ist jedoch lang und fordert massive Anderungen in Verkehrsrecht und Infrastruktur, sodass alle Menschen sicher, zügig und komfortabel mit dem Fahrrad fahren können. Der ADFC-Fahrradklima-Test 2020 ergab beispielsweise, dass in Leipzig das Stadtzentrum zwar gut mit dem Rad zu erreichen ist und dies auch von Alt und Jung angenommen wird, es jedoch innerhalb der Stadt ein überdurchschnittlich hohes Problem mit Fahrraddiebstahl gibt. Daher ist es dringend notwendig, Radfahrern sichere Abstellmöglichkeiten zu bieten und den Ausbau geschützter Anlagen wie Fahrradboxen, Sammelschließanlagen und Radstationen zu fördern.
Doch all diese Entwicklungen führten auch dazu, dass im Mai 2023 die Radverkehrselite zum Weltkongress der Velocity in Leipzig war. Der Wandel ist spürbar und Leipzig ist bereit für die Mobilitätswende. Aus diesem Grund ist die Stadt bereit, ihre Entwicklungen aus den vergangenen Jahren zu präsentieren und gute Lösungen vorzustellen.
Die Velo-city-Conference findet jährlich in ausgewählten Städten auf der ganzen Welt statt und gilt als international bedeutendste fahrradpolitische Konferenz, an der regelmäßig über 1.500 Menschen aus über 60 Nationen teilnehmen. Organisiert wird sie mittlerweile von dem vom ADFC mitgegründeten Europäischen Fahrrad-Verband „ecfeurovelo". Wir können es kaum erwarten, noch mehr Fahrradkultur und den internationalen Austausch zur Radverkehrsförderung zu erleben und zu zelebrieren. Leipzig ist auf dem Weg, sich für die Zukunft zu transformieren.



