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Bis 04. April 2027

Archiv eines Nazi-Opfers

Der jüdische Fotograf Abram Mittelmann porträtierte seine Leipziger Mitbürger – bis er 1938 fliehen musste. Heute ermöglicht seine Enkelin Nadia Vergne eine Ausstellung seines lange verschollenen Werks.

Abram Mittelmann und Alma Goliner in einem Selbstporträt der 1930er Jahre. Sie überlebten den Holocaust nicht
Abram Mittelmann und Alma Goliner in einem Selbstporträt der 1930er Jahre. Sie überlebten den Holocaust nicht © Stadtgeschichtliches Museum Leipzig/Abram Mittelmannm

An Wänden und auf Schautafeln sind Fotografien in Schwarzweiß zu sehen. Nadia Vergne steht dazwischen und sagt: „Diese Fotos haben mich zu meiner Familie zurückgeführt.“ Es sind Bilder, die ihren Vater Siegfried als Kind zeigen. Ihre Tante Nadia, deren Namen sie trägt. Und ihre Großeltern Abram Mittelmann und Alma Goliner. Ein jüdisches Paar, das bis 1938 ein angesehenes Fotogeschäft im Leipziger Peterssteinweg führte. Die Flucht vor Faschisten ins Exil rettete sie nicht.

Verschollenes Archiv taucht auf

Die Söhne des Paares überlebten und begannen in Frankreich ein neues Leben. Nadia Vergne wurde 1963 in der Nähe von Paris geboren. Ihr Vater, so erzählt sie, habe nie wieder ein Wort Deutsch gesprochen. „Lange glaubte ich, dass alles, was meiner Familie in Deutschland gehört hat, zerstört sei“, sagt Vergne. Doch 1988 wurde das Fotoarchiv Mittelmann mit mehr als 2.000 Glasnegativen auf dem Dachboden des Hauses im Peterssteinweg wiederentdeckt.

Zum Teil erzählen sie von der fotografischen Moderne. Sie zeigen, inspiriert von Bauhaus- und Werkbund-Ästhetik, künstlerische Experimentierfreude. Vor allem aber dokumentiert die Sammlung ein Stück Stadtgeschichte. Denn vor Abram Mittelmanns Kamera posierten Menschen der Stadtgesellschaft, viele Schauspieler und Sänger der Leipziger Bühne.

Diese Fotos haben mich zu meiner Familie zurückgeführt. Nadia Vergne, Enkelin des Fotografen Abram Mittelmann

Auch Nazis ließen sich fotografieren

Zu sehen sind viele jüdische Leipziger – aber auch rund 100 Personen mit sichtbar getragenem Parteiabzeichen der NSDAP. „Wussten diese Kunden, dass sie zu einem jüdischen Fotografen gingen? Das ist uns nicht bekannt“, sagt Johanna Sänger, Kuratorin der Ausstellung. Erst 2022, lange nach dem Fund, gingen die Glasplatten-Negative an Nadia Vergne zurück.

Zusammen mit dem Stadtgeschichtlichen Museum, dem Ariowitsch-Haus und dem Archiv Bürgerbewegung kümmert sie sich heute um die Aufarbeitung des Archivs. „Mir ist es wichtig, junge Leute für die Zeit zu sensibilisieren“, sagt Vergne. Rund 860 Menschen auf den Fotografien wurden inzwischen identifiziert.

„Momentaufnahmen. Das Fotoarchiv Mittelmann“
bis 4. April 2027
www.stadtgeschichtliches-museum-leipzig.de

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