• Kunst
Winfried Sziegoleit

Architektonische Spuren

Architekt Winfried Sziegoleit
© Winfried Sziegoleit (privat)

Trotz beeindruckender Konkurrenz: Das Gewandhaus und der Bowlingtreff am Wilhelm-Leuschner-Platz gehören ohne Zweifel zu den markanteren Beispielen unserer Stadtarchitektur. An der Planung beider Bauten war der Leipziger Architekt Winfried Sziegoleit maßgeblich beteiligt. Er studierte Ende der 1950er-Jahre in Dresden und gehörte damit zu jener Generation, die sich vom nationalen Mief des stalinistischen Baustils distanzierte. Man wandte sich nun wieder internationalen Entwicklungen zu. So ließ sich Sziegoleit für die Sitzreihen im großen Gewandhaussaal von der Berliner Philharmonie inspirieren. Dabei umschließen die Plätze das in der Mitte positionierte Orchester. Die Folge: beste Klangqualität für alle Konzertbesucher. Auch deswegen kann das 40 Jahre alte Gewandhaus nach wie vor mit den Ansprüchen an heutige Konzertsäle mithalten.
Der Bowlingtreff hatte dieses Glück nicht. Sziegoleit spricht in einem Interview 2008 über seine tiefe Enttäuschung angesichts des wenig liebevollen Umgangs mit der Anlage seit 1990. Dazu gehört seiner Ansicht nach auch die Missachtung des Talents ostdeutscher Architekten durch Investoren und Fachleute aus dem Westen. Die Wiederbelebung des Bowlingtreffs durch den geplanten Einzug des Naturkundemuseums (Ahoi berichtete) erlebt Winfried Sziegoleit nicht mehr. Er verstarb im Januar 2021 im Alter von 81 Jahren.

Einen Nachruf der Architektenkammer, dessen Gründungs- und Ehrenpräsident er war, gibt es auf www.aksachsen.org

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