„Ich will doch nur spielen“ - Diese Liedzeile ist berühmt. Vor 20 Jahren bedeutete sie gemeinsam mit ihrem ersten Album den Durchbruch für Annett Louisan. Nun blickt sie zurück und feiert das Jubiläum. Für die damals 27-Jährige war 2004 „ein richtiges Ruckjahr“ - Ihr Album „Bohemè“ kletterte schnell in die Charts, „Das Spiel“ lief wochenlang im Radio: „Ich war unbekannt und eine Woche später kannten mich Leute.“ Anfang des Jahres erinnert Annett Louisan mit einem Konzert in der Elbphilharmonie an ihr erstes Album: „Das war ein berührendes Gefühl, aber auch ein wenig melancholisch“. Gemeinsam mit „Fans der ersten Stunde“ hat sie das Jubiläum gefeiert – und die Resonanz war überwältigend: „Die Leute haben Bock, noch mal in diese Zeit zu reisen,“ sie verbinden mit dem Album „eine andere Zeit, Erinnerungen, einen Menschen…“ Und deswegen wird auf der Tour nicht nur gesungen, wie Louisan verrät: „Ich habe viele Geschichten von früher mitgebracht.“
Ein Album der Zeit
Die Sängerin blickt zurück: „Bohemè ist ein Album der Zeit“. Besonders das Lied „Das Spiel“ hat damals für Aufregung gesorgt. „Unverbindlicher Sex, von einer Frau frei geäußert – das war überraschend.“ Damals habe sie „viele böse Briefe“ erhalten. Heute sagt sie: „Ich habe das Album immer als sehr feministisch empfunden,“ denn: „So hat man Feminismus vor 20 Jahren verstanden, dass Frauen Männerrollen okkupieren.“ Heute interpretiert Annett Louisan ihre Lieder neu: „Ich bin heute ein anderer Mensch.“
Reise in die Vergangenheit
Damit alle hautnah dabei sein können, singt die gebürtige Sachsen-Anhalterin in kleineren Locations. In Leipzig fiel die Wahl bewusst auf das Gewandhaus: „Ich finde das Gewandhaus toll, ich habe schon super oft dort gespielt.“ Und dann verrät sie: „Ich könnte mir sogar vorstellen, auch mal eine Zeitlang in Leipzig zu leben.“ Denn die Wahlhamburgerin habe „immer latent ein bisschen Fernweh“. Aber egal wo: „Hauptsache die Menschen, die ich liebe, sind mit dabei.“
Doch zuvor geht es erst mal gemeinsam mit ihrer Band – bestehend aus Piano, Kontrabass und Gitarre – auf Tour. Dabei möchte Annett Louisan mit dem Publikum in den Dialog treten und hat sich dafür „ein paar schöne Sachen“ überlegt, schließlich sagt sie: „Es ist meine Aufgabe, die Leute irgendwo mit hinzunehmen.“ Im Fall von „Bohemè“: in die Vergangenheit.


