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Gespräch mit der Präsidentin der DFGL Marie-Pierre Liebenberg

Alles mit viel Liebe!

Die Präsidentin Marie-Pierre Liebenberg © T. Liebenberg

Das permanente Gegeneinander in der städtischen Enge aufzulösen, braucht Orte und Momente der Begegnung. Hier ist unter anderem die Deutsch-Französische Gesellschaft in Leipzig aktiv. Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit der Präsidentin Marie-Pierre Liebenberg:

Ahoi: Guten Tag, liebe Marie-Pierre Liebenberg. Du bist die Präsidentin der Deutsch-Französischen Gesellschaft in Leipzig (e. V.). Seit wann denn und wie kam es zu dieser Ehre? Präsident wollte ich ja auch schon immer einmal sein …

Marie-Pierre Liebenberg: Guten Tag, lieber Volly Tanner. Genau, ich wurde im März 2023 zur neuen Vorsitzenden des Vorstandes der Deutsch-Französischen Gesellschaft Leipzig, kurz DFGL, gewählt. Ich habe mich sehr gefreut! Wir sind drei Leute im Vorstand, dazu noch acht Leute im erweiterten Vorstand, jüngere und ältere Leute, Deutsche und Franzosen - also in dem Fall Französinnen - und alle sind passionierte Verfechterinnen und Verfechter der deutsch-französischen Freundschaft: Es macht richtig Spaß. Sabine, unsere stellvertretende Vorstandsvorsitzende, ist sogar seit der Gründung der DFGL im Jahr 1990 dabei. Unser jüngstes Vorstandsmitglied Curt ist erst letztes Jahr beigetreten.

Ahoi: Und was macht der Verein so? Welche Themenfelder bespielen die Mitglieder

Marie-Pierre Liebenberg: Unser Hauptthema ist: Begegnungen schaffen! So findet einmal im Monat unser Stammtisch im Café Grundmann statt, bei dem altansässige und neue Leipzigerinnen und Leipziger zusammenkommen. Da können die Deutschen ein wenig französische Luft einatmen, und Neuankömmlinge aus Frankreich oder frankophonen Ländern können schneller Anschluss finden.

Ein weiteres großes Thema von uns ist die Fête de la musique. Die DFGL gehörte von Anfang an zu dem Orga-Team der Fête in Leipzig, zusammen mit dem Institut français, dem WERK 2 und der Moritzbastei. Hier geht es auch um Begegnungen und wunderbare Kooperationen.

Ahoi: Besonders schön finde ich das Konzept „Boule & Brunch“. Das kommt meinem sportlichen Geist sehr entgegen. Kannst Du uns da mehr dazu erzählen? Boule hat ja auch etwas mit Lebensphilosophie zu tun …

Marie-Pierre Liebenberg: Du hast recht, Boule ist eine Sportart, die fast etwas Meditatives an sich hat. Beim Boulespiel muss man ruhig und konzentriert bleiben, trotzdem ist es ein sehr gesellschaftliches und kommunikatives Spiel. Bei uns kommt noch das Essen hinzu: Jeder bringt etwas Leckeres mit und alle genießen gemeinsam. Es finden auch regelmäßig Boule-Turniere mit anderen deutsch-französischen Gesellschaften aus der Region statt, zum Beispiel aus Halle oder Magdeburg. Das macht es noch einmal spannender.

Ahoi: Ähnlich angelegt ist „Gemeinsam kochen“. Gibt es da schon Termine? Was geschieht (natürlich wird gekocht). Und wo mit wem?

Marie-Pierre Liebenberg: Ja, wie gesagt: Es geht um Begegnung und gemeinsames Genießen. Für die Cuisine française treffen wir uns im Kochstudio Ganz & Gar, kochen in kleinen Gruppen, verkosten dabei leckere Weine. Die Rezepte werden von unserem Cuisine-Team zusammengestellt, ausprobiert und adaptiert, viele Zutaten werden direkt von Mitgliedern in Frankreich gekauft und mitgebracht. Alles mit viel Liebe!

Ahoi: Frankreich steht für Lebenslust und -genuss, nicht nur in der Liebe. Um diese genießen zu können, braucht es aber Menschen, die ebenfalls genießen können. Wie groß ist denn die Community in Leipzig und wo kommen die Menschen her? Und warum sind sie jetzt hier?

Marie-Pierre Liebenberg: Die Mehrzahl unserer Mitglieder sind Deutsche aus Ost und West, alle mit großer Affinität zu Frankreich. Viele sind begeisterte Leserinnen und Leser französischer Literatur und nehmen an den Literaturkreisen teil. Einige haben in Frankreich studiert bzw. gearbeitet und sprechen Französisch, andere sind der Sprache nicht mächtig, schätzen aber die Kultur, den Austausch und das Zusammensein. Viele sind Gourmets. Und wir Französinnen und Franzosen in der DFGL genießen es, auf Französisch plaudern zu können! Die französische Community in Leipzig wächst stetig, über die DFGL kann man sich kennenlernen.

Ahoi: Und was oder wer hat Dich eigentlich in unsere Stadt getrieben? Dein Vorname hat französische Wurzeln und Dein Nachname eher hiesige.

Marie-Pierre Liebenberg: Ich wurde in Toulouse im Südwesten Frankreichs geboren - unweit der Grenze zu Spanien - und wurde auf der weiterführenden Schule aufgrund guter Zensuren quasi wider Willen in die Deutschklasse eingeteilt. Und siehe da: Gleich bei der ersten Deutschunterrichtsstunde verliebte ich mich in die Sprache! An meine erste Reise nach Deutschland als Schülerin kann ich mich noch sehr gut erinnern - ein kleiner Kulturschock. Wobei der eigentliche Kulturschock erst in den 90ern kam, wenn ich richtig überlege, als mir kräftige Bratwurstesser am FKK-Strand des Naunhofer Sees begegneten… An der Universität in Toulouse habe ich Wirtschaftsdeutsch studiert. Einige Jahre später, als ich mich schon lange in (Groß)Paris eingelebt hatte, habe ich mich in einen Leipziger Journalisten verliebt. Der Klassiker.

Ahoi: Letztes Jahr wurde auch der Deutsch-Französische Wirtschaftsclub in Leipzig gegründet, mit Dr. Langenfeld als Präsidenten und Dr. Fabian Magerl als Vizepräsidenten. Gibt es schon Kontakte? Sind diese angedacht? Wie funktioniert das Zusammenspiel der unterschiedlichen Initiativen?

Marie-Pierre Liebenberg: Dr. Langenfeld ist schon seit 2012 Honorarkonsul von Frankreich in Sachsen und in deutsch-französischen Angelegenheiten schon immer sehr engagiert. Es ist großartig, dass es jetzt ein Deutsch-Französischer Wirtschaftsclub für Mitteldeutschland gibt. Auch wenn einige französische Firmen nach der Wende sich im Osten etablierten, die meisten Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Ländern spielten sich bisher noch im Westen ab. Das soll der neu gegründete Club jetzt ändern. Wir als DFGL sind aber mehr in kulturellen Angelegenheiten engagiert und arbeiten öfter mit dem Institut français zusammen. Ob im Vorstand oder nicht, wir engagieren uns alle ehrenamtlich neben Arbeit- und Familienverpflichtungen für die DFGL, unsere Ressourcen sind daher begrenzt. Trotzdem sind wir immer wieder für neue Projekte zu begeistern und unterstützen, wo wir können. 

Ahoi: Gibt es einen Stand bei der Fête de la Musique? Ich war da ja vor Jahren mal. Das war richtig schön.

Marie-Pierre Liebenberg: Dieses Jahr trifft Musik auf Fußball! Du weißt ja, die Fête de la musique ist immer am 21. Juni - Sommersonnenwende, das kann man sich gut merken. Es kommt uns sehr gelegen, dass ausgerechnet an diesem Tag im Rahmen der Europameisterschaft die Equipe de France gegen das Team der Niederlande in Leipzig spielen wird. Les Bleus vs. Oranje. Wir rechnen mit vielen Fans aus beiden Ländern, sie sollen neben dem Spiel auch die Atmosphäre in der Stadt und das Musikangebot genießen. Aus diesem Anlass werden wir die Bühne vom „Stadion der Träume“ im Gründergarten des Zoos bespielen. Diese Bühne wird, wie alle Konzerte im Rahmen der Fête, frei zugänglich sein. Es wird auch an vielen anderen Orten der Stadt schöne Konzerte geben. Wir als Orga-Team der Fête haben schon zahlreiche Anmeldungen von tollen Musikerinnen und Musikern und der Mitmachaufruf läuft noch bis Ende März. Auch Veranstaltungsorte können sich noch über die Webseite fetedelamusique-leipzig.de anmelden - egal ob Garten, Kneipe oder Bibliothek. Fußball und Musik, das wird bestimmt spannend!

Ahoi: Dann wünsche ich Deinen Vereinsfreundinnen und -freunden und Dir natürlich weiter viel Freude. Danke, dass Du Dir etwas Zeit genommen hast für uns.

Deutsch-Französische Gesellschaft:
https://dfgleipzig.de/

Fête de la Musique:
https://www.fetedelamusique-leipzig.de/

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