Lange Distanzen mit dem Auto fahren, das müssen wir alle je nach Lebensgestaltung mehr oder weniger regelmäßig. In solchen Fällen gibt es aber meistens nur ein Ziel: Das, was am Ende der Wegstrecke wartet – und möglichst rasch erreicht werden soll. Der Roadtrip ist in dieser Hinsicht völlig anders aufgebaut. Viel weniger reiner Transport von A nach B, deutlich mehr ein mitunter mehrtägiger automobiler Urlaub, bei dem der Weg mindestens so wichtig ist wie das Reiseziel. Damit steht bereits eines fest: Sehr vieles, was bei der normalen Langstreckenfahrt gilt, hat hier bestenfalls eine nachgeordnete Bedeutung. Umgekehrt kommt vieles hinzu, was die Fahrt an sich besser macht.
1. Ein Fahrzeug mit genügend Raumangebot wählen
Prinzipiell ist jedes verkehrssichere Auto theoretisch ein probater Untersatz für einen Roadtrip. Allerdings sollte eines nicht ignoriert werden: Es geht bei dieser Reiseform nicht darum, schnellstmöglich anzukommen. Wir sprechen von genussvollem Gleiten, minimalem Autobahn-Anteil, Sightseeing, Spaß – und das mitunter mehrere Tage lang zwischen frühmorgens und spätabends.
Angesichts dessen bekommen Bequemlichkeit und Platzangebot einen viel größeren Stellenwert, sonst wird der Roadtrip ganz schnell zur „Tor-tour“. Doch was bedeutet das?
- Es sollten ungeachtet der Besetzung genügend Sitzplätze freibleiben, damit sich jeder ausbreiten kann. Beispielsweise nur ein Mitfahrer mittig auf der Rückbank, damit die vorderen ihre Sitze passend zur Größe nach hinten schieben können.
- Der Wagen sollte speziell auf der Rückbank genug Kopffreiheit bieten, um dort aufrecht sitzen zu können – mit schiefem Rücken geht die Laune rasch in den Keller.
- Im Auto sollte es genügend Staumöglichkeiten und Ablagen geben, damit Snacks, das Handy und Konsorten nach Herzenslust gut erreichbar sind.
Sollte es in der Gruppe der Mitreisenden kein Fahrzeug geben, das all diese Punkte erfüllt, dann muss das nicht unbedingt ein Ende der Reise bedeuten, bevor sie angefangen hat. Zumindest gibt es (bei entsprechendem Mindestalter der Fahrer) noch die Option, bei einem Fahrzeugvermieter fündig zu werden. Wenn die Rechnung auf alle Schultern verteilt wird, muss das nicht unbedingt exorbitant teuer sein. Vielleicht gibt es zudem noch Rabatte für Autoclub- oder sonstige Mitglieder.
3. Malerische Routen wählen – mit genügend Freiräumen
Die meisten Navi-Apps zeigen im Default-Modus die schnellste Route – die geht praktisch immer über Autobahnen und autobahnähnliche Bundesstraßen. Zu sehen gibt’s da wenig und interessante Abstecher sind oft Dutzende Kilometer entfernt. Die Routenplanung eines Roadtrips sollte einen anderen Fokus haben. Das beginnt mit einem Klick auf Autobahnen vermeiden in der App. Das Netz ist voller schöner Routen für ganz Europa. Ebenso sollten alle Mitreisenden gemeinsam eine Liste von Stops, Sehenswürdigkeiten und Ähnlichem erstellen.
Nicht alles davon sollte jedoch Pflicht sein. Bei einem Roadtrip gibt es in jeglicher Hinsicht eine Menge „Luft“, um nach Belieben schauen und verweilen zu können. Ebenfalls bedeutet das: Das allabendliche Ziel sollte niemals in Stein gemeißelt sein.
4. Mitfahrer ggf. mitversichern
Bei vielen Privatpersonen gilt der Versicherungsschutz prinzipiell nur für den Halter des Fahrzeugs. Selbst Lebenspartner sind nicht automatisch mitversichert. Dem gegenüber existiert auf dem Roadtrip eine Tatsache: Schon, damit jeder die Aussichten genießen kann, sollte es hinter dem Lenkrad möglichst viel Abwechslung geben. Versicherungstechnisch ist das kein Problem: Die meisten Assekuranzen bieten einen Kurzzeitschutz für Drittfahrer. Typischerweise geht das formlos online oder in einem Schreiben. Darin werden die Daten aller weiteren Fahrer und die Reisedaten angegeben, mitunter ergänzt um einen Scan von Vorder- und Rückseite der Führerscheine.
5. Für den richtigen Sound sorgen
Wir kommen zu einem Thema, über das es sich herrlich diskutieren lässt: Die Sounds, die für einen solchen Roadtrip die musikalische Untermalung liefern und erst so ein audiovisuelles Erlebnis erschaffen. Keine Frage, würde man 100 Leute bitten, 100 Track-Lists für einen Roadtrip zusammenzustellen, dann kämen mit ziemlicher Sicherheit 100 Unikate heraus.
Maximal demokratisch wird es, wenn dazu das Autoradio in den Shuffle-Modus geschaltet wird. Mitunter wird noch der Beifahrer zum „DJ“ bestimmt: Startet der Zufallsgenerator einen Song, der erst kürzlich lief, darf er weiterdrücken. Ansonsten bleibt jegliches Durchklicken und Scrollen untersagt. Alternativ ginge Folgendes:
Roulette: Der „DJ“ drückt nach jedem Song mit geschlossenen Augen zehn Tracks im Shuffle-Modus weiter.
König: Reihum darf jeder für eine bestimmte Anzahl von Stücken oder Minuten die Musik bestimmen.
Stimmung: Die Songs werden vor der Reise passend zu verschiedenen Tageszeiten, Stimmungen, Wetterlagen etc. zusammengestellt.
Übrigens muss sich der Soundtrack natürlich nicht nur auf Musik limitieren. Wenn alle einverstanden sind, dann sind natürlich ebenso E-Books und ähnliche akustische Unterhaltungen erlaubt.
6. Unterkünfte im Vorfeld buchen
Wie schon weiter oben geschrieben: Es sollte an jedem Morgen ein abendliches Reiseziel geben, wo die Gruppe übernachtet. Allerdings sollte dieses Ziel nicht mit maximaler Strenge verfolgt werden. Immer sollte es jedoch eine Unterkunft geben, die entweder fest gebucht ist oder erwartungsgemäß noch freie Zimmer bietet – schlicht, damit es garantiert am Ende eines jeden Reisetages ein Bett für müde Köpfe gibt. Das ist vor allem eine Aufgabe für den vorbereitenden Part der Reise. Bitte zudem unbedingt eruieren, ob und welche Storno-Kosten und -Fristen es gibt. Nur sie sollten dann tatsächlich bestimmen, ob man abends wirklich bis dorthin fährt, obwohl es schon einige Kilometer vorher eine schöne Endstation gäbe.
7. Sonnenschutz nicht vergessen
Das Reisefahrzeug hat keine umfassend getönten Scheiben? Dann kann bei entsprechender Witterung die Sonne sowohl gefährlich blenden wie sie Hautschäden verursachen kann. Wohl schirmen die Scheiben rundherum gegen die Sonnenbrand-induzierende UV-B-Strahlung ab. Zumindest die Seitenscheiben können jedoch die UV-A-Strahlung passieren lassen. Und sowieso sorgt jeder direkte Sonnenstrahl für eine Aufheizung des Innenraums. Bedeutet, selbst wenn keine Kids an Bord sind, sollten bei Beginn der Fahrt zumindest einige Sonnenblenden mit Saugnapf bereitliegen. Diese können die Mitfahrer dann je nach Sonnenstand und Laune selbst befestigen. Doch Vorsicht: Diese Elemente haben an der Front- und den vorderen Seitenscheiben nichts zu suchen.
8. Eine elektrische Kühlbox beschaffen
Es gibt zahlreiche Ratgeber, die aufzeigen, welche leichten, gesunden Snacks man auf eine längere Fahrt mitnehmen sollte. Kann man durchaus machen – muss man auf einem Roadtrip aber nicht, wenn einem dabei „Soul Food“ eher behagt, selbst wenn es nicht von der gesündesten Sorte ist. Eines steht jedoch ungeachtet sämtlicher Rezeptfragen eindeutig fest: „Auto-lauwarm“ schmecken weder Limo, Wasser, Schokoriegel oder Banane. Auf einer normalen Tour, die in einem Tag erledigt ist, genügt dazu meist eine herkömmliche Kühlbox, die mit Kühl-Akkus befüllt wird. Für den mehrtägigen Charakter eines Roadtrips genügt das meistens nicht – zumal es in vielen Unterkünften an einer Möglichkeit mangelt, die Kühl-Akkus über Nacht wieder auf adäquate Temperaturen herunterzukühlen.
Ergo: Es sollte sich um eine Kühlbox handeln, die mittels 12-Volt-Anschluss mit dem Bordnetz des Fahrzeugs verbunden wird. Auf diese Weise angebunden funktioniert sie wie ein herkömmlicher Kühlschrank zuhause, kühlt also immer dann, wenn eine einstellbare Innentemperatur überschritten wird. Je nach Volumen bekommt man eine solche Box bereits zu Preisen ab 50 Euro.