Sind 15 Jahre schon Tradition? In jedem Fall bedeuten 15 Jahre bei RB Leipzig 3 große Titel, 11 verschiedene Cheftrainer, 165 Spieler, 272 Bundesligaspiele, 540 Tore im Oberhaus, mehr als 6 Millionen Fans im Stadion – und unzählige News und Geschichten. Wir erinnern zum Geburtstag an 15 prägende Protagonisten aus 15 Spielzeiten. Angefangen hat alles in der Oberliga, in der Saison 2009/10. Inzwischen sind die „Roten Bullen“ längst Stammgast auf der großen Champions-League-Bühne.
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15 Jahre RB Leipzig: Die Gesichter des Erfolges

2009/10: Ingo Hertzsch
Ein Ex-Nationalspieler in der fünften Liga. Der gebürtige Meeraner Ingo Hertzsch wagte mit 32 Jahren das Abenteuer, 2009 in Markranstädt eine neue Mannschaft mit aufzubauen, die zur Hälfte aus Amateuren und zur Hälfte aus (Alt-)Profis bestand. „Wir haben mit den ausrangierten Trikots der U17 und U19 von Red Bull Salzburg angefangen zu trainieren“, erinnerte sich Hertzsch. „Und im Ballsack lag ein Sammelsurium an Bällen jedes Herstellers auf der Welt – nur ohne Luft. Das war fast wie bei einer Amateurtruppe, die gerade vom Ballermann kommt.“ Warum er sich das antat? „Die Aussicht, einen Verein im Osten mit aufzubauen, einen neuen Leuchtturm, das hat mich einfach gereizt.“
2010/11: Fabio Coltorti
Noch so ein verrückter Wechsel: Fabio Coltorti spielte in der ersten spanischen Liga gegen den FC Barcelona und plötzlich ging es in der Regionalliga gegen den Torgelower SV Greif und Optik Rathenow. „Ich habe das voll angenommen, aber der Unterschied zur Primera Division war so krass – so was erlebt man in einer realen Profikarriere eigentlich nicht“, sagte Coltorti mal. Statt des möglichen Karriereendes schaffte der Schweizer den Aufstieg bis in die Bundesliga und machte sich mit seinem Treffer gegen Darmstadt in der 2. Liga zur Legende.

2011/12: Daniel Frahn
Der Potsdamer war der erste echte Torjäger bei RB Leipzig. Mit 87 Treffern in 154 Spielen für die Leipziger ist seine Torquote legendär. Im zweiten Regionalliga-Jahr schoss der einstige Publikumsliebling 26 Tore, vergoss aber nach dem 2 : 2 im entscheidenden Spiel gegen den VfL Wolfsburg II bittere Tränen, weil der Aufstieg in die 3. Liga wieder verspielt wurde. „Das war eigenes Unvermögen. Einige Spiele haben wir etwas zu leicht genommen, in anderen unglücklich agiert“, sagte Frahn. Höhepunkt dieser Saison war sein Hattrick im DFB-Pokal beim 3:2 gegen Bundesligist VfL Wolfsburg – das erste große Spiel der Neu-Leipziger.
2012/13: Dominik Kaiser
Eigentlich hatte der neue Sportdirektor Ralf Rangnick Dominik Kaiser ein neues Trainingszentrum versprochen. „Ich war schon ein bisschen überrascht, als ich an meinem ersten Tag in Leipzig an den Cottaweg fuhr und noch gar nichts vom neuen Trainingszentrum stand – nicht mal ein Bagger“, erinnerte sich Kaiser lachend. Doch die Entscheidung, von Bundesligist Hoffenheim in die 4. Liga zu RB zu wechseln, war dennoch goldrichtig. Kaiser führte die Mannschaft zum ersehnten Aufstieg im dramatischen Relegationsrückspiel in Lotte. „Das war von der Anspannung her sicher das krasseste Spiel. Wenn das schiefgegangen wäre, hätte es viele Fragezeichen gegeben, ob und wie es weitergegangen wäre – nicht nur innerhalb der Mannschaft, sondern auch seitens der Vereinsführung und des Investors“, sagte Kaiser. Danach gings steil bergauf für RB und Kaiser, der es als einziger Spieler mit einem Klub von der Regionalliga bis in die Champions League schaffte.
2013/14: Yussuf Poulsen
Eigentlich wollte er in die Bundesliga, doch bei einem Nachwuchsländerspiel in Portugal überzeugte Ralf Rangnick den damals 19 Jahre alten Yussuf Poulsen, in die 3. Liga nach Leipzig zu wechseln. Längst ist der Däne als Rekordspieler mit 396 Partien für RB (90 Tore) Rekordspieler – und Publikumsliebling sowieso. Kein Spieler ist länger im Klub als der ewige „Yussi“, der nun schon in seine zwölfte Saison mit den „Roten Bullen“ geht und gerade 30 geworden ist.
2014/15: Joshua Kimmich
Dass dieser 18-Jährige eine besondere Gabe hat, Räume zu erkennen und die Bälle dorthin zu passen, war schnell klar. Seltsam nur, dass sie Joshua Kimmich nicht einmal in der zweiten Mannschaft des VfB Stuttgart haben wollten. So kam der aktuelle Nationalspieler 2013 nach Leipzig und verzauberte 2014 in der 2. Liga auch Pep Guardiola, der ihn rund um das erste Zweitligaspiel von RB bei 1860 München zum FC Bayern abwarb. Doch bei RB hat Kimmich den Durchbruch geschafft und ist hier in der berühmten WG mit Yussuf Poulsen und Dauergast Diego Demme erwachsen geworden.
2015/16: Marcel Sabitzer
Dafür, dass Marcel Sabitzer anfangs gar nicht von Salzburg nach Leipzig in die 2. Liga wechseln wollte, hat es dem späteren Kapitän hier dann ganz gut gefallen. Sabitzer trug damals als hängender Stürmer maßgeblich dazu bei, dass RB im zweiten Anlauf den Sprung in die Bundesliga schaffte. Wurde zwar später als Münchner und aktueller Dortmunder in Leipzig ausgebuht, doch er hat einen wichtigen Beitrag geleistet.
2016/17: Emil Forsberg
Der blonde Schwede brauchte ein paar Monate, um in Leipzig anzukommen. Doch in der Bundesliga fand er sich rasend schnell zurecht und wurde zum personifizierten Aufstiegswunder. Der spielintelligente Techniker stellte auf Anhieb einen neuen Vorlagenrekord auf und legte seinen Kollegen 22 Tore auf. Später wurde er selbst der Mann für die historischen Tore, erzielte den ersten Champions-League-Treffer für RB, schoss Leipzig zum ersten Mal ins Achtelfinale der „Königsklasse“, erzielte das 500., 700. und 1.000. Tor der Klubgeschichte und traf auch bei seinem letzten Spiel vor dem Wechsel nach New York. Legendär wurde sein Versprecher: „Europa League ist eine Chance zum Titten.“
2017/18: Naby Keita
Dem Mann aus Guinea am Ball zuzusehen, war allein schon das Eintrittsgeld ins Stadion wert. Selten vereinte ein Kicker solche technischen Fertigkeiten mit Zug zum Tor und Gefühl für Spielrhythmus. Hatte in Leipzig seine beste Zeit, die er danach in Liverpool und Bremen nicht wiederholen konnte.
2018/19: Willi Orban
Der Musterprofi und Modellathlet darf in keinem RB-Rückblick fehlen. Die Saison spielt da eigentlich keine Rolle, weil der ungarische Nationalspieler seit nun zehn Jahren eine Konstante ist. 2018/19 erreichte er mit RB zum ersten Mal ein großes Finale, verlor das DFB-Pokal-Endspiel zwar mit 0 : 3 und fuhr in einem alten Reichsbahn-Sonderzug traurig mit Team und Fans nach Hause. Doch noch war die Zeit für den Titel nicht reif. Willi Orban ist ein Sinnbild dafür, mit welcher Beharrlichkeit RB dranblieb und dann eben im dritten und vierten Anlauf das Pokaldouble holte. Selbstverständlich mit dem Asketen Willi Orban in der Abwehr und 2022 sogar mit ihm als Elfmeterschützen, der immer dann Verantwortung übernahm, wenn ihn das Team braucht.

2019/20: Timo Werner
Zwar war sein letztes Jahr bei RB Leipzig ein Missverständnis. Hals über Kopf wechselte er aus dem Trainingslager in Spanien zu Tottenham Hotspur. Doch Werner avancierte nicht umsonst zum Rekordtorschützen des Klubs, reüssierte vor allem in der Saison 2019/20, als „Turbo-Timo“ 28 Tore für Leipzig allein in der Bundesliga erzielte und mit seiner Schnelligkeit und Abschlussstärke perfekt zum damaligen Spielstil passte. Zog negativ wie positiv immer die meisten Blicke auf sich. „Jeder Fußballer spielt besser, wenn er sich gebraucht und wohlfühlt“, sagte er mal. Für den sensiblen Stürmer gilt das umso mehr.
2020/21: Dani Olmo
Dani Olmo hat ein Faible für ungewöhnliche Karrierewege. Erst wechselte er mit 16 vom FC Barcelona zu Dinamo Zagreb, schaffte dort den Durchbruch und ging 2020 nach Leipzig, wo er schnell seine ganze Klasse zeigte. „El Mago“, den Magier, nennen sie ihn im Klub. Wäre er nicht so häufig verletzt gewesen, wäre er noch erfolgreicher gewesen. Sein Motto auf dem Spielfeld: „Letztlich ist das Geheimnis, die Dinge zu genießen, dann kommt auch das andere.“
2021/22: Christopher Nkunku
Christopher Nkunku ist sicher der kompletteste Fußballer, der je bei RasenBallsport gespielt hat. Der stille Franzose zog den Ball an wie ein Magnet, hatte Dribbelstärke und Eleganz, den Blick für Mitspieler und Räume und wurde in Leipzig auch noch torgefährlich und zweimal bester Scorer des Teams und sogar Torschützenkönig der Liga. Doch auch „Christo“ brauchte dafür sein Leipziger Wohlfühlumfeld, wie die Zeit nach seinem Wechsel zu Chelsea bislang zeigt.

2022/23: Dominik Szoboszlai
Als Kind durfte der Ungar nicht mit Lego oder anderen Spielsachen spielen, sondern nur mit dem Ball. Sein Vater gründete sogar einen eigenen Klub für seinen Sohn und dessen Mitspieler, den Fönix FC. „Szobo“ schaffte erst in Salzburg, dann in Leipzig den Durchbruch, eroberte als Zehner Bälle wie kein anderer und hat immensen Zug zum Tor. Zudem hat der Mann mit der ungewöhnlich kleinen Schuhgröße 41 einen ganz besonderen Schuss. Im Sommer 2023 ging’s zum FC Liverpool.
2023/24: Xavi Simons
Der Mann mit den knapp sechs Millionen Followern bei Instagram war schon als Kind ein Star. Doch in Leipzig zeigte er, wie sehr er sich trotz Leihvertrags mit einem Klub identifizieren kann und das Spiel des Champions-League-Achtelfinalisten auf Anhieb auch als 20-Jähriger prägen kann. Ein Akteur aus der raren Kategorie „Unterschiedsspieler“.
Mehr Infos unter rbleipzig.com

