Unfall mit Folgen
„Ich hatte vor der WM eine Fußverletzung und konnte nicht richtig trainieren. Außerdem war es in der Halle kalt und voll. Ich war unkonzentriert und wollte einfach nur fertig werden. Es war also mein Fehler“, erinnert sich die 19-Jährige selbstkritisch.
Auch drei Operationen später – die letzte davon erst vor einigen Wochen – spürt Johanna Krauß immer noch einen „allgemeinen Druck im Gesicht“, ein Gefühl, an das sie sich inzwischen gewöhnt hat, das sie aber täglich an den Unfall erinnert.
Trotzdem springt sie längst wieder vom Ein- oder Dreimeterbrett – hört aber vor jedem Sprung in ihren Kopf und ihren Körper hinein. Sie lässt auch schon mal einen Sprung aus, wenn sie nicht hundertprozentig bei der Sache ist. Trainer Dmytro Ostapenko hat vollstes Verständnis.
„Zwei, drei Wochen nach dem Unfall habe ich gesagt, ich springe nie wieder. Kurz nach Weihnachten wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und habe meiner Trainingsgruppe in der Halle ‚Hallo‘ gesagt“, erinnert sie sich. Doch dann kribbelte es schnell wieder: „Ich wollte es einfach wieder probieren und es mir beweisen. Es macht mir wieder unheimlich viel Spaß. Aber es ist schwieriger als vor dem Unfall, ich muss mich immer wieder motivieren.“
Mit Erfolg: Nur wenige Monate nach ihrem Unfall wurde sie im vergangenen Jahr in Leipzig Deutsche Meisterin vom Einmeterbrett. Aktuell absolviert die Leipzigerin ihre erste Saison im Erwachsenenbereich. Und auch hier hat sie ihr großes Talent schon deutlich unter Beweis gestellt.
Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften im März sprang sie vom Dreimeterbrett bei den Juniorinnen zu Gold und vom Einmeterbrett zu Silber. „Nach dem Olympiajahr hören meist einige Springerinnen auf, da steigen die Chancen für junge Springerinnen wie mich.“