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Wasserspringerin Johanna Krauss

Zurück aufs Brett

Johanna Krauß kann wieder lachen. Nach einem schweren Unfall vor zwei Jahren hat sich die 19-jährige Wasserspringerin zurückgekämpft und hat wieder Ziele – im und neben dem Wasser.

Johanna Krauß
Johanna Krauß geht seit ihrem Unfall mit voller Konzentration in jeden Sprung © SC DHfK Leipzig

Den 5. Dezember 2022 hat Johanna Krauß noch immer vor Augen. Bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Montreal wollte sie nur noch schnell einen Delfinsalto üben und dann die Trainingseinheit beenden. Doch der Sprung ging schief.

Die Wasserspringerin vom SC DHfK Leipzig, die damals als Titelverteidigerin zur Junioren-WM geflogen war, kam unglücklich mit dem Kopf ans Brett und musste mit schweren Gesichtsverletzungen in die Klinik gebracht werden.

Unfall mit Folgen

„Ich hatte vor der WM eine Fußverletzung und konnte nicht richtig trainieren. Außerdem war es in der Halle kalt und voll. Ich war unkonzentriert und wollte einfach nur fertig werden. Es war also mein Fehler“, erinnert sich die 19-Jährige selbstkritisch.

Auch drei Operationen später – die letzte davon erst vor einigen Wochen – spürt Johanna Krauß immer noch einen „allgemeinen Druck im Gesicht“, ein Gefühl, an das sie sich inzwischen gewöhnt hat, das sie aber täglich an den Unfall erinnert.

Trotzdem springt sie längst wieder vom Ein- oder Dreimeterbrett – hört aber vor jedem Sprung in ihren Kopf und ihren Körper hinein. Sie lässt auch schon mal einen Sprung aus, wenn sie nicht hundertprozentig bei der Sache ist. Trainer Dmytro Ostapenko hat vollstes Verständnis.

„Zwei, drei Wochen nach dem Unfall habe ich gesagt, ich springe nie wieder. Kurz nach Weihnachten wurde ich aus dem Krankenhaus entlassen und habe meiner Trainingsgruppe in der Halle ‚Hallo‘ gesagt“, erinnert sie sich. Doch dann kribbelte es schnell wieder: „Ich wollte es einfach wieder probieren und es mir beweisen. Es macht mir wieder unheimlich viel Spaß. Aber es ist schwieriger als vor dem Unfall, ich muss mich immer wieder motivieren.“

Mit Erfolg: Nur wenige Monate nach ihrem Unfall wurde sie im vergangenen Jahr in Leipzig Deutsche Meisterin vom Einmeterbrett. Aktuell absolviert die Leipzigerin ihre erste Saison im Erwachsenenbereich. Und auch hier hat sie ihr großes Talent schon deutlich unter Beweis gestellt.

Bei den Deutschen Hallenmeisterschaften im März sprang sie vom Dreimeterbrett bei den Juniorinnen zu Gold und vom Einmeterbrett zu Silber. „Nach dem Olympiajahr hören meist einige Springerinnen auf, da steigen die Chancen für junge Springerinnen wie mich.“

Es ist schwieriger als vor dem Unfall. Ich muss mich immer wieder motivieren. Johanna Krauß

Als Vierjährige erstmals auf dem Brett

Angefangen hat Johanna mit dem Wasserspringen bereits als Vierjährige. „Mein Bruder hat Turnen gemacht, da wollte ich eigentlich auch hin. Aber zu dem Zeitpunkt wurde die Halle gebaut.“ Also vereinbarte ihre Oma, die als Schwimmtrainerin Beziehungen zu den Wasserspringern hatte, ein Probetraining.

Für Johanna war es Liebe auf den ersten Sprung. Das ist inzwischen 15 Jahre her. Mindestens ein Jahr soll noch dazukommen, ob es noch mehr werden, lässt sie offen. „Ich habe noch ein Jahr Schule. Danach will ich schauen, wie meine Motivation ist“, sagt sie und wirkt dabei ganz und gar nicht wehmütig.

Trotz des starken Comebacks denkt Johanna Krauß inzwischen von Jahr zu Jahr, hat nicht täglich die große Karriere im Kopf. Trotz der acht bis neun Einheiten pro Woche habe sie in den letzten Monaten gemerkt, dass es viele andere Sachen gibt, die Spaß machen. Die Weltmeisterschaft 2025 in Singapur ist zwar ihr nächstes großes Ziel, doch „wenn es nicht klappt, bricht für mich auch keine Welt zusammen. Ich bin nicht mehr so verbissen wie früher.“

Medizin studieren und reisen

Schließlich hat die sportliche junge Frau auch abseits des Wassers einiges vor. Sie möchte Medizin studieren und vorher ein Auslandsjahr absolvieren und hier am liebsten als Skilehrerin arbeiten. Skifahren ist ihre zweite sportliche Liebe.

„Seit dem dritten Lebensjahr fahre ich jedes Jahr zweimal im Jahr in den Skiurlaub. Skifahren ist einfach toll“, sagt die vielseitige Sportschülerin mit einem Lächeln. Vor dem Medizinstudium will sie noch eine Ausbildung zur Krankenschwester absolvieren.

Und sie will reisen. Eine große Reise stand bereits in diesem Sommer auf dem Plan. Sie fuhr zu den Olympischen Spielen nach Paris – nicht als Teilnehmerin, sondern als Fan. „Wir hatten Karten für Beachvolleyball.“

Steckbrief

SPORTART
Wasserspringen

GEBOREN
18. August 2005

VEREIN
SC DHfK Leipzig

GRÖSSTE ERFOLGE
Junioren-Weltmeisterin 2021 (Einmeterbrett)
Junioren-WMSilber 2021 (Dreimeterbrett)

Mehr Infos unter
www.scdhfk.de

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