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Kampf um das Jahrtausendfeld: Stadtrat Dr. Volker Külow (Die Linke) im Interview

„Wir sind nicht gegen eine Schule!“

Auf der 2,5 Hektar großen Brachfläche soll der „Schulcampus Jahrtausendfeld“ entstehen © Stadtplanungsamt, Stadt Leipzig

Seit vielen Jahren liegt das Jahrtausendfeld im Leipziger Westen brach. Jetzt muss es plötzlich ganz schnell gehen. Wir fragten bei Stadtrat Dr. Volker Külow (Die Linke) nach, warum.

2020 hat die Stadtverwaltung vom Stadtrat den Auftrag bekommen, die Entwicklung des Jahrtausendfeldes auf den Weg zu bringen. Nun will die Leipzig International School auf dem Gelände eine neue Schule für bis zu 2.000 Schüler bauen. Der Bau soll noch in diesem Jahr beginnen. Warum plötzlich diese Eile?

Dr. Volker Külow: „Das ist eine Frage, die wir uns auch stellen und die uns bislang niemand beantworten konnte. Nach dem Stadtratsbeschluss Anfang 2020 ist fast drei Jahre faktisch nichts passiert. Der ursprüngliche Plan der Verwaltung war, auf einem Teil des Platzes ein städtisches Gymnasium zu bauen. Dann wurde plötzlich beschlossen, diese Schule in Leutzsch zu bauen. Im Herbst 2023 kam die Leipzig International School gemeinsam mit der Leipziger Stadtbau AG mit dem Projekt ‚Schulcampus Jahrtausendfeld‘. Im Jahr 2027 soll hier bereits der Unterricht beginnen. Das ist ein extrem straffer Zeitplan.“

Gemeinsam mit der SPD haben Sie im Stadtrat einen neuen Antrag für eine nachhaltige Zukunft des Jahrtausendfeldes eingebracht. Warum?

Külow: „Das Verfahren wurde mit drei Jahren Verspätung begonnen – vom ursprünglich im Stadtrat beschlossenen Bebauungsplan ist längst keine Rede mehr. Ziel unseres Antrages ist eine zukunftsorientierte Entwicklung der Brache, die den Anwohnern im Leipziger Westen bereits im jetzigen Zustand ein wichtiger Aufenthaltsort ist. Das zeigt die aktuelle Petition der Anwohner „Ein Stadtteilpark für alle!“ mit schon fast 6.000 Unterschriften. Weil sich das Jahrtausendfeld in meinem Wahlkreis befindet, hat es auch für mich persönlich eine große Bedeutung – wie für viele andere Menschen, die hier wohnen.“

Was haben Sie gegen die Leipzig International School auf dem Jahrtausendfeld?

Külow: „Wir sind nicht prinzipiell gegen eine Schule. Aber das jetzige Projekt ist viel zu überdimensioniert für den vorhandenen Platz. Das ist, als wenn ein riesiges Raumschiff auf einem viel zu kleinen Feld landet. Mit mehr als 2.000 Schülern wäre es die mit Abstand größte Schule in ganz Leipzig. Uns geht es vor allem darum, dass drei Jahre geschlafen wurde, und nun in kurzer Zeit Fakten geschaffen wurden, die kaum noch reparabel sind. Das geht so nicht!“

Wo sehen Sie die größten Probleme bei diesem Projekt?

Külow: „Wir wünschen uns eine möglichst große, öffentlich zugängliche Grünfläche. Nachdem von Seiten der Verwaltung so lange nichts passiert ist, sind die Einflussmöglichkeiten des Stadtrates auf dieses Projekt wegen des Zeitdruckes inzwischen nur noch gering. Ein solcher Umgang mit dem Stadtrat ist einfach unwürdig. Ein vergleichbares Vorgehen ist mir in meinen bislang zehn Jahren als Stadtrat noch nicht untergekommen.“

Wie geht es aktuell weiter?

Külow: „Am 18. Juni werden der Jury die finalisierten Entwurfskonzepte der fünf beteiligten Architektenbüros zum ‚Schulcampus Jahrtausendfeld‘ vorgestellt. Der Siegerentwurf soll dann bereits ab dem Herbst umgesetzt werden. Aktuell ist der Stadtrat bei diesem Projekt aber faktisch unbeteiligt und ohne Mitspracherecht.“

Das Jahrtausendfeld

Das Jahrtausendfeld befindet sich im Leipziger Stadtteil Lindenau. Das etwa 25.000 Quadratmeter große ehemalige Betriebsgelände der Landmaschinenfabrik Rudolph Sack befindet sich zwischen Karl-Heine-Kanal, Karl-Heine-Straße, Gießerstraße und Aurelienstraße. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb als Volkseigener Betrieb Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) weitergeführt. Seinen Namen "Jahrtausendfeld" bekam das Gelände im Jahr 2000 während der Leipziger Projekte zur EXPO 2000, als im Rahmen einer riesigen Kunstaktion Roggen angepflanzt wurde. Am südöstlichen Rand des "Jahrtausendfeldes" steht die stählerne Skulptur "MAN AND HORSES ON MILLENNIUM FIELD", die im April 2018 im Rahmen einer von der Schaubühne Lindenfels initiierten Kunstaktion entstand.

Der heutige Eigentümer des Geländes ist die Stadtbau AG. Seit langer Zeit wird das Areal vor allem von den Anwohnern als Freifläche genutzt. Außerdem stellt der Eigentümer das "Jahrtausendfeld" in den Sommermonaten unter anderem für Zirkusse und Elena's Hüpfburgenland als Fläche zur Verfügung.

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