//
//
  • Kunst
Gunda Luyken

„Wir müssen uns vernetzen“

Seit September ist Gunda Luyken Direktorin des Leipziger Museums für Druckkunst – wo sie schon auf zickige Druckmaschinen gestoßen ist. Sie setzt auf Kooperationen in der Nachbarschaft und international.

Museumsdirektorin Gunda Luyken begeistert sich für die historischen Setzmaschinen von Linotype im Hintergrund
Museumsdirektorin Gunda Luyken begeistert sich für die historischen Setzmaschinen von Linotype im Hintergrund © Rico Thumser

Was ist Ihnen am Museum für Druckkunst als Erstes aufgefallen?

Luyken: Ich komme aus der klassischen Museumswelt, hier aber liegt der Geruch von Farbe in der Luft, weil wirklich gedruckt wird. Die Maschinen sind zwar alt, aber sie funktionieren, man sieht ihre Funktion und darf vieles anfassen. Dadurch entsteht eine Lebendigkeit, die mich begeistert.

Haben Sie einen Lieblingsort gefunden im Haus?

Luyken: Persönlich faszinieren mich die Linotype-Setzmaschinen. Mit ihnen gelang es Ende des 19. Jahrhunderts, die Satzherstellung deutlich zu beschleunigen. Die Maschinen sind komplex, und die Kollegen beschreiben sie als manchmal zickig. Es scheint fast, als ob die Linotype-Maschinen ein Eigenleben führen.

Sie haben 15 Jahre die Graphische Sammlung im Kunstpalast Düsseldorf geleitet. Wie schätzen Sie mit dem Blick von außen die Leipziger Druckgrafik-Landschaft ein?

Luyken: Die Wertschätzung, die der Druckgrafik in Leipzig entgegengebracht wird, ist besonders. Ebenso das Netz aus Werkstätten und Ausbildungsmöglichkeiten. Das Museum befindet sich schon am richtigen Ort, um das immaterielle Kulturerbe des Drucks wachzuhalten.

Wir müssen Wissen sichern und weitergeben. Dr. Gunda Luyken, Direktorin des Museums für Druckkunst Leipzig

Wie kann das Museum vom Umfeld profitieren?

Luyken: Als eher kleine Institution ist es wichtig, dass wir uns gut vernetzen. Das möchte ich weiter ausbauen. Zwei Beispiele: Ich habe mit der VDIGaraGe Kontakt aufgenommen und könnte mir kombinierte Workshops vorstellen, die den Bogen spannen von historischen Druckprozessen bei uns bis zur 3D-Technik der VDI-GaraGe. Um unsere historischen Maschinen auch künftig nutzen zu können, brauchen wir Spezialisten. In einer internationalen Kooperation mit Norwegen haben wir uns für einen Linotype-Workshop beworben. Wir müssen Wissen sichern und weitergeben.

Wie glauben Sie, wird sich das Interesse an historischen Drucktechniken entwickeln?

Luyken: Ich glaube, als Gegenprogramm zur Digitalisierung wird das Haptische künftig einen noch größeren Reiz ausüben. Das zeigt auch die Beliebtheit der von der Giesecke+Devrient Stiftung gesponserten Künstlerresidenzen, die Zugang zu unseren Druckmaschinen erlauben. 

Alle Infos unter
www.druckkunst-museum.de

« zurück
zur aktuellen Ausgabe