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  • Bühne
Weltpremiere von "Hello! Again" am 2. November

„Wir drehen Hits auf den Kopf.“

Er erfand den Quatsch Comedy Club und brachte „Kein Pardon“ auf die Bühne. An der MuKo setzt Thomas Hermanns bei der Uraufführung von „Hello! Again?“ auf Schlager.

Thomas Hermanns
Thomas Hermanns © Rico Thumser

Passt Howard Carpendale ins komische Fach?

Thomas Hermanns: Es wird für mich ein eher ungewöhnliches Werk, weil es die Comedy-Erwartung bricht und Richtung Romantic Comedy geht, mit einem bittersüßen Gefühl. Das ist eine Temperatur, in der ich bisher noch nicht gearbeitet habe. Die Engländer können dieses Lächeln unter Tränen gut, wir haben lieber unsere Schubladen: entweder traurig oder lustig.

Dabei greifen Sie ausschließlich auf Carpendale-Schlager zurück?

Hermanns: Ja, und es ist mein Fetisch, kein Wort der Texte zu ändern. Aber ich halte den Begriff „Schlager“ für diskutabel. Gerade bei Carpendale sind es einfach große Pop-Hymnen mit extrem guten Texten. Es handelt sich fast um Mini-Dramen. Das Storytelling der 70er- und 80er-Jahre ist im heutigen Disco-Fox-Wummern verloren gegangen.

Ich halte den Begriff Schlager für diskutabel. Carpendales Songs sind große Pop-Hymnen. Thomas Hermanns, Autor und Regisseur von „Hello! Again?“

Vor Disco-Fox-Gewummer gab es das Schlager-Revival der ironischen Distanzierung …

Hermanns: … und wir machen das Gegenteil, verzichten auf jede Ironie und zelebrieren die Songs. So hat man sie noch nie gehört. Wir drehen Hits wie „Ti amo“ auf den Kopf.

Genehmigt von Carpendale?

Hermanns: Das sind die nervenzerfetzenden Momente, wenn man jemandem die Demo-Songs vorstellt, der damit über Jahrzehnte aufgetreten ist. Howard Carpendale hat gleich gehört, in welche Richtung es geht, und zugestimmt. Ich glaube, ihm hat die Bandbreite gefallen. Was an der MuKo möglich ist, dieser Luxus mit einem großen Orchester und Chor, das ist auch für Pop-Künstler erfreulich. Er wollte aber keine Ego-Show über sein Leben.

Welche Story haben Sie entwickelt?

Hermanns: Es geht um die Liebe einer Frau zu zwei Männern, die sich über 30 Jahre aufbaut. Heute würde man das in einer Polyamorie auflösen, das war in den 70er- oder 80er-Jahren noch nicht möglich. Zumal es in Hamburg spielt, in einem bürgerlich zurückgenommenen Milieu.

Könnte es auch in Leipzig spielen?

Hermanns: Die Leipziger würden wahrscheinlich entspannter mit der Liebe umgehen. In Hamburg steht die bürgerliche Konvention den Gefühlen im Weg. Dafür köcheln solche Brandherde der Liebe umso länger.

„Hello! Again?“
Premiere am 2. November, 19 Uhr
Musikalische Komödie
www.oper-leipzig.de

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