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Tim Kesseler und Felix Straub

Von der Tartanbahn in den Eiskanal

Das Leichtathletikzentrum des SC DHfK Leipzig hat sich als gute Startbahn für künftige Bobfahrer etabliert. Die aktuellen Beispiele: Felix Straub und Tim Kesseler.

Felix Straub, mit seinem Team beim Bobstart
Felix Straub (rechts hinten) peilt den Titel im Schlitten von Francesco Friedrich bei den Olympischen Spielen 2026 an © VIESTURS LACIS | REKORDS

Eigentlich wollte Tim Kesseler in dieser Saison seinen Weg nach oben fortsetzen. Doch die erste Hälfte der Saison verpasste der 20-jährige Bob-Anschieber, nachdem er sich im Sommertraining schwer verletzt hatte und mehrere Monate aussetzen musste. Jetzt will der Leipziger wieder angreifen und blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Ich bin optimistisch, dass ich wieder an meine Leistungen der letzten Saison anknüpfen kann.“ Der Höhepunkt dort: Bei der U23-Weltmeisterschaft im vergangenen Februar in Winterberg gab es im Bob von Pilot Laurin Zern Gold.

Wie viele Bobfahrer aus Leipzig (siehe Kasten) hat auch Tim Kesseler seine sportliche Karriere in der Leichtathletik begonnen – als Sprinter und Weitspringer. Mit 17 Jahren tauschte er die Tartanbahn gegen den Eiskanal. „Das ist für den Umstieg ziemlich früh. Aufgrund der großen Kräfte, die im Bob auf den Körper wirken, war es auch ein Risiko“, sagt der junge Sportler und ergänzt: „Aber ich hatte schon damals gute athletische Grundlagen.“

An seine ersten Fahrten – ausgerechnet „auf der schlimms- ten Bahn der Welt in Altenberg“ – hat Tim Kesseler, der für den BSC Sachsen Oberbärenburg startet und weiterhin beim SC DHfK trainiert, allerdings nicht die besten Erinnerungen. „Auf der ersten Fahrt im Zweier hat die Bahn mit meinem Körper Pingpong gespielt, ich hatte keine Kontrolle über meinen Körper. Das war echt krass.“ Auf der ersten Fahrt mit dem Vierer stürzte er in der letzten Kurve. Doch auch dieses Erlebnis inklusive Gehirnerschütterung „war kein Grund aufzuhören“. Im Gegenteil: Tim Kesseler hat längst Gefallen am Rausch der Geschwindigkeit im Eiskanal gefunden.

Olympia­Gold im Friedrich­Bob im Blick

Dem Reiz des Bobfahrens ist auch Felix Straub erlegen. Der Sprinter, der 2021 mit der deutschen 4-x-200-Meter- Staffel Weltmeister wurde, wechselte im Sommer 2022 in das Bob-Team von Ausnahmepilot Francesco Friedrich. Mit dem peilt er bei den Olympischen Spielen 2026 die Goldmedaille im Vierer an. Dann will Friedrich seine Karriere beenden und die Karten im deutschen Bob-Team werden neu gemischt. Darauf hofft auch Tim Kesseler. „Der Konkurrenzkampf in Deutschland ist brutal. Mein realistisches Ziel sind die Olympischen Spiele 2030.“

Wie Kesseler startet auch Felix Straub für den BSC Sachsen Oberbärenburg, ist aber nach wie vor Mitglied beim SC DHfK. Schon in den ersten Trainingseinheiten wurde deutlich, dass der ehemalige Weltklasse-Sprinter auch das Zeug zum Weltklasse- Bob-Anschieber hat. In seinem ersten Weltcup-Rennen im Dezember 2022 im US-amerikanischen Lake Placid konnte sich Straub im Vierer über Platz 2 freuen, einen Monat später über Silber bei der Europameisterschaft in Altenberg. Kurz vor Weihnachten gab’s in Innsbruck sogar den Weltcup-Sieg und als Zugabe den EM-Titel.

„Die Bob- und Skeleton- Gruppe ist ein sportlicher Zugewinn für unseren SC DHfK. Hier haben Sportlerinnen und Sportler eine spannende Perspektive nach ihrer Leichtathletik-Karriere. Mit Tillmann Hecking sowie Elena und Hannah Günther haben wir weitere talentierte Nachwuchsathleten im Bob- und Skeletonsport“, freut sich SC-DHfK-Präsident Bernd Merbitz über die erfolgreiche Kooperation mit dem BSC Sachsen Oberbärenburg.

LEIPZIGER BOB-TRADITION

Felix Straub und Tim Kesseler sind nicht die ersten, die von Leipzig aus eine Bob-Karriere starten. Der gebürtige Leipziger Alexander Schüller wechselte 2015 vom Diskusring in den Bob und gehört wie Straub zum Team von Francesco Friedrich. Das Team gewann in den letzten Jahren einmal Olympia-Gold, vier WM-Titel und viermal den Gesamtweltcup. Auch Romy Logsch startete ihre sportliche Karriere beim Diskuswerfen, bevor sie 2007 ihr sportliches Glück als Bob-Anschieberin fand und drei WM-Titel sowie viele Weltcuprennen gewann. Nach vielen Erfolgen als Hürdenläufer suchte Thomas Blaschek 2010 eine neue sportliche Herausforderung beim Bobfahren. Im Viererbob von Thomas Florschütz gewann er 2012 EM-Bronze. Wie lang die Leipziger Bob-Tradition ist, zeigt Detlef Richter. Der heute 67-Jährige gewann in den 1980er- Jahren jeweils fünf Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften. Bei den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid fuhr er mit dem Viererbob von Pilot Horst Schönau zu Bronze.

Mehr Infos: www.bsc-sachsen-ev.de

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