//
//
  • Kunst
Bis 22. September

Traum und Enttäuschung

Ostdeutsche Lebenswirklichkeiten zu erfassen, ohne sie zu bewerten: Darum geht es dem Leipziger Künstler Sebastian Jung in seinem Langzeitprojekt „Ostschule“. Jetzt stellt er im Berggut Oschatz aus.

Die Ausstellung „Die Zaubernden von Oszt“
Die Ausstellung „Die Zaubernden von Oszt“ bewegt sich zwischen Realität und Fiktion © Sebastian Jung

Geboren wurde Sebastian Jung noch in der DDR, 1987 in Jena. Bewusst erlebt hat er sie kaum. Aber dass DDR-Sozialisation und Wende-Erfahrung mit ihren Hoffnungen und Enttäuschungen die Menschen bis heute prägen, daran zweifelt er nicht.

Längst lebt der Künstler in Leipzig. Aber: „Ich bin viel außerhalb Leipzigs unterwegs und finde dort eine ganz andere Realität vor.“ Anders als in den urbanen Milieus, anders als in den westlichen Bundesländern. Genau das ist der Ausgangspunkt seines Projekts „Ostschule“, von dem jetzt im Berggut Oschatz Teil 4 gezeigt wird.

Kunst schließt Konfliktfelder auf

Für Teil 1 baute Jung einst in Freiberg Konfliktfiguren, wie er sie nennt. Er setzte etwa Ost-Micky-Mäuse auf ein Monopoly-Brett – und erntete bei einer Frau Empörung: Ost-Figuren, so ihre Aussage, würden niemals das kapitalistische Spiel spielen. Jung: „Es gelang, über die Figuren zu einer persönlichen Lebenswelt vorzudringen, die mit der heutigen Realität immer noch hadert.“

Im Idealfall findet Jung über zeitgenössische Kunst den Schlüssel zu Erfahrungswelten und emotionalen Konfliktfeldern. Jung will wahrnehmen, „ohne sofort zu bewerten“. Mit dieser Einstellung zeichnet er auch auf Demonstrationen, etwa in Chemnitz oder Leipzig, Momentaufnahmen. Eine Bildserie wird vom NS-Dokumentationszentrum in München ausgestellt. „Ich versuche, die Person zu zeichnen, wie sie in ihrer Wut nicht anders kann.“

Es gelang, über die Figuren zu einer persönlichen Lebenswelt vorzudringen. Sebastian Jung

Lebensrealitäten als Zauberwelten

In Oschatz hat Jung mit Bürgern gesprochen, ist in Lebensgeschichten, Träume und Frust eingetaucht und hat daraus ortsspezifische Installationen aus Fundstücken, Malerei und Plastik entwickelt. „Ich suche nach einer Sprache, die Menschen in ihren Lebensrealitäten abholt und den Widersprüchen gerecht wird“, sagt der Künstler.

Der Ausstellungstitel „Die Zaubernden von Oszt“ spielt auf den Gegensatz des Märchens „Der Zauberer von Oz“ und sein russisches Pendant „Der Zauberer der Smaragdenstadt“ an. Nicht zuletzt dient das Märchenmotiv dazu, reale Geschichten in eine Kunstwelt zwischen Wirklichkeit und Fiktion zu rücken.

„Die Zaubernden von Oszt“
Berggut Oschatz
bis 22. September

Mehr Infos unter
www.berggut.in/oschatz und www.ost.schule

« zurück
zur aktuellen Ausgabe