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Für mehr Sicherheit in der Glücksspielbranche

Studie der Uni Leipzig zeigt: Legales Glücksspiel in Deutschland muss mehr gestärkt werden!

© Bild von Dusan Kipic auf Unsplash

Das war eigentlich ganz anders geplant: Mit dem Glücksspielstaatsvertrag von 2021 sollte das illegale Glücksspiel endlich eingedämmt und in einen legalen Markt kanalisiert werden. Wie schlecht das bislang funktioniert hat, zeigt eine Studie aus Leipzig, die den Überholungsbedarf der bisherigen Gesetze verdeutlicht. Die Studie wurde unter der Leitung von Professor Gunther Schnabl und Taiki Murai an der Universität Leipzig durchgeführt und offenbart erschreckende Zahlen.

So sollen rund 50 % des digitalen Glücksspielmarkts in Deutschland auf illegalen Plattform stattfinden. Dieser Fakt ist nicht nur aus Spielersicht erschreckend, denn die Risiken sind hier unkalkulierbar. Auch wirtschaftlich gesehen lässt sich der deutsche Staat Einnahmen in Millionenhöhe entgehen, da illegale Anbieter keine Steuern zahlen. Woran es liegt und was nun dringend geschehen muss, schauen wir uns nachfolgend genauer an.

Wenn strenge Regeln den Markt behindern

Mit den Vorgaben des GlüStV. wollte der Bund das Glücksspiel sicherer gestalten. Verglichen mit verschiedenen Ländern Europas sind die Regeln aber so streng, dass sie einer der Gründe für eine Abwanderungen zu ausländischen Anbietern sein können. Spieler wissen sehr genau, was sie von einem Anbieter erwarten und wenn er das zwangsweise nicht bieten kann (bzw. darf), suchen sie sich Alternativen.

Ein Beispiel: Zu den beliebtesten Slots gehört Book of Dead, ein sogenannter Bücher-Slot, bei dem die großen Gewinne durch Freispiele fließen können. Er ist legal, sofern er in einer deutsch-lizenzierten Spielothek angeboten wird.

Dort gelten die typischen Vorgaben:

  • Fünf Sekunden Pause zwischen zwei Spins
  • Kein Auto-Game
  • Maximaler Einsatz pro Spin 1,00 Euro
  • Gewinnbeschränkungen

Für jene Spieler, die sich selbst zu den sogenannten „High-Rollern“ zählen, sind das erhebliche Einschränkungen. Der Wunsch, selbst über die Einsätze zu bestimmen und womöglich sogar an mehreren Slots parallel oder zumindest per Auto-Game zu spielen, ist bei vielen erfahrenen Gamblern vorhanden.

Der Deutsche Sportwettenverband weist zudem darauf hin, dass auch Werbung zu einem ernsten Problem wird. Nicht legale Online-Anbieter schalten ihre Werbung rund um die Uhr und sind mit wenigen Klicks erreichbar. Der deutsche Markt ist hinsichtlich der Werberichtlinien allerdings so stark eingeschränkt, dass er für Spieler entweder gar nicht sichtbar oder nicht attraktiv genug scheint.

Illegales Angebot mit erschreckender Dunkelziffer

Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) hat es sich zur Aufgabe gemacht, illegale Anbieter zu bekämpfen und damit den Markt sicherer zu gestalten. Sämtliche lizenzierten Betreiber stehen unter konsequenter Überwachung und sind gut erfasst. Schwieriger sieht es bei illegalen Anbietern aus, deren Erfassung schwierig ist.

Die Leipziger Studie mit den erschreckenden Werten zum illegalen Markt ist natürlich auch der Behörde nicht verborgen geblieben. Sie weist die Vorwürfe in die eigene Richtung allerdings zurück. Seitens GGL geht man davon aus, dass rund zwei bis vier Prozent des gesamten Marktvolumens auf illegale Anbieter entfallen. Deutlich andere Werte als das, was die Forschenden aus Leipzig benennen. Man weist darauf hin, dass eine Regulierungsbehörde eher konservativ bewerte, während Interessenverbände der Glücksspielindustrie den illegalen Markt tendenziell als größer einschätze.

Selbst wenn die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegt, zeigen die Zahlen vor allem eines: Es ist Zeit, 2025 etwas zu ändern, um auf die Evaluierung 2026 gut vorbereitet zu sein. Was das sein könnte, haben die Interessenverbände schon recht klar formuliert.

Was zur Stärkung des legalen Glücksspielmarktes nötig ist

Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) und der Deutsche Online Casinoverband (DOCV) haben die von den Forschenden vorgeschlagenen Maßnahmen bestätigt und tragen diese mit. Sie könnten tatsächlich dienlich sein, den Markt in Deutschland stärker in den legalen Bereich zu kanalisieren.

Verbotspolitik spielt sicherlich eine Rolle und eventuell könnte man mit Netzsperren auch noch mehr bewirken, tatsächlich gehen die Vorschläge aber eher in Richtung Steigerung der Attraktivität des deutschen Angebots.

Hier einige Punkte, die als wichtig erachtet werden:

  • Das Werbeverbot für ausländische Anbieter: Während die Werbemöglichkeiten für legale Betreiber gestärkt werden sollten, müssen ausländische Angebote weichen. Hier hat Google bereits reagiert und ermöglicht künftig nur noch Werbemaßnahmen für jene Anbieter, die eine deutsche Lizenz haben.
  • Steueranpassung: Die zu entrichtenden Steuersätze sind immens, was sich zulasten der Spieler auswirkt. Der RTP (Return to Player) am Spielautomaten muss runtergesetzt werden, wenn das Angebot nicht zum Verlustgeschäft werden soll. Ausländische Betreiber locken teils mit RTPs von bis zu 99 %.
  • Zusammenarbeit: Teamwork zwischen der GGL, politischen Vertretern, Interessengruppe und Anbietern wird als wichtiges Thema vorgeschlagen.
  • Wettbewerbsfähigkeit: Die schon geschilderten Regeln wie Spieleinsatzgrenzen und im Sportwettenbereich eingeschränkte Verfügbarkeit von Wetten müssen aufgeweicht werden.
  • Genehmigungsprozesse: Es muss in Deutschland schneller lizenziert werden, sodass die seriösen von nicht erlaubten Angeboten klar zu unterscheiden sind.
  • Evaluierungen: Mithilfe mehrfacher Evaluierungen muss geprüft werden, ob der Glücksspielstaatsvertrag seine Ziele wirklich erreicht.

Mit der Studie aus Leipzig sei klar geworden, dass der GlüStV. die Kanalisierung in den legalen Markt nicht erfülle und dass die Konsequenzen gleich doppelt vorhanden seien. Einerseits gehen Millionen Einnahmen für den Staat verloren, andererseits haben die Spieler noch immer mit Unsicherheiten bei illegalen Anbietern zu kämpfen.

Warum sich Spieler für den Schwarzmarkt entscheiden

Für viele Menschen ist Glücksspiel ein Stück Kultur und trotz Suchtgefahr ist der größere Anteil der Glücksspieler nicht in Gefahr. Problematisches Spielverhalten betrifft von 100 Personen zwei, zusätzlich sind sechs Prozent der Glückspielnutzer zumindest gefährdet. Zahlen, die eindeutig zu hoch sind, aber trotzdem auch zeigen, dass 98 von 100 Spielern ihr Spielverhalten im Griff haben.

Doch warum wählt ein Spieler den Schwarzmarkt, wenn er ein legales Angebot vorfindet? Hier dürfte die Attraktivität die Hauptrolle spielen. Es sind nicht nur Faktoren wie die beschränkte Einsatzhöhe am Slot und die Wartezeit, die zwischen zwei Spielen vergehen muss. Der Glücksspielstaatsvertrag hatte auch dafür gesorgt, dass digitales Tischspiel (Roulette, Blackjack, Baccarat) in Deutschland nicht gestattet ist.

Zwar haben die Spielbanken Bayern nun ein Online-Angebot auf den Markt gebracht, der Bedarf wird damit aber nicht gedeckt. Lediglich Poker ist als Geschicklichkeits- und Glücksspiel auch in Deutschland erlaubt, jedoch ebenfalls mit Restriktionen (Einsatzhöhe, Parallelspiel etc.).

Der Griff zum illegalen Angebot ist schnell erklärt, wenn dort aktiv mit Jackpots, Tischspielen, hohen Einsätzen und riesigen Gewinnen geworben wird. Solange die Attraktivität des deutschen Angebots von staatlicher Seite massiv gedrosselt wird, solange wird es vermutlich keine besseren Zahlen für den legalen Markt geben. Es bleibt abzuwarten, ob diese Schreckstudie dafür sorgt, dass nun alle an einem Strang ziehen und etwas verändern.

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