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Interview mit Handballikone Maik Nowak

„Sonst wird es abenteuerlich”

Maik Nowak (62) ist Sportdirektor des Thüringer Erstligisten ThSV Eisenach und Lehrer am Sportgymnasium Leipzig. Als Trainer führte er den HCL einst zu drei Meistertiteln und zwei Pokalsiegen.

Ausgewiesener Kenner des Leipziger Handballs: Maik Nowak © Christian Heilwagen

Herr Nowak, Sie kennen den Leipziger Handball ausgezeichnet. Was zeichnet den generell Handballstandort aus?

Maik Nowak: Das ist ein aus der Historie gewachsener, traditionell guter und wichtiger Standort für Frauen wie Männer, was für mich auch eine Verpflichtung darstellt. Der SC DHfK ist heute wieder ein wirklich attraktiver Verein, der auch sehr gute Rahmenbedingungen und einen guten wirtschaftlichen Background hat. Und der Weg des HCL, den wir seinerzeit aus dem VfB herausgelöst haben, wurde zur Erfolgsstory – mit mehreren nationalen Titeln und Europapokalfinale.

Aktuell schickt sich Ihr Ex-Klub HCL nach der Insolvenz 2017 und harten Jahren wieder an, in die 1. Liga zurückzukehren.

Maik Nowak: Umso höher ist es zu würdigen ist, dass diejenigen, die sich nach dem Crash weiter um den Frauenhandball bemüht haben – auch ohne große Mittel –, so hervorragende Arbeit geleistet haben, dass der HCL eben wieder in die 2. Liga aufgestiegen ist und nun sogar die Option hat, wieder in die 1. Liga aufzusteigen. Dass viele diesen Mut und diese Ausdauer aufgebracht haben, diesen Weg zu gehen, ist nicht hoch genug anzurechnen.

Was war dabei entscheidend?

Maik Nowak: Die Grundvoraussetzung ist der Glaube daran, dass professioneller Frauen-Handball in Leipzig wieder möglich ist und dass sich engagierte Menschen dafür ins Zeug legen. Wir haben mit dem System, in dem ich ja selber am Sportgymnasium Leipzig tätig sein darf, beste Voraussetzungen, praktisch aus eigener Kraft, Nachwuchsspielerinnen so zu entwickeln, dass sie maßgeblich das Niveau mit bestimmen können – und das ist jetzt der Fall. Aber nochmal: Das ist keinesfalls selbstverständlich.

Was ist für einen Erstliga-Aufstieg nötig?

Maik Nowak: Mindestens dieselbe oben genannte Anstrengung, dasselbe Engagement. Wenn man tatsächlich den Aufstieg in die 1. Liga avisiert, müssen jetzt alle dazu stehen und sich weiter engagieren. Mädchen- und Frauenhandel ist eben leider noch, was Wahrnehmung und die Möglichkeiten des Marketings und des Sponsorings betrifft, sehr viel Mäzenatentum. Wenn der Weg in der 1. Liga weitergehen soll, muss allen klar sein, dass diese Anstrengung, in die 1. Liga zu gehen und die Klasse zu halten, mindestens genauso groß ist, wie nach der Insolvenz da wieder hinzukommen. Ein Aufstieg muss wirklich strukturiert und planmäßig ablaufen, ansonsten wird es abenteuerlich.

Ein sportliches Pfund ist der erst 29 Jahre alte Trainer Erik Töpfer, den Sie empfohlen haben. 

Maik Nowak: Ja - Erik Töpfer, das hefte ich mir mal an die Brust, ist maßgeblich durch meine Initiative nach Leipzig gekommen ist. Ich war nach seinem verletzungsbedingten Aus als Profi in Eisenach einfach davon überzeugt, dass er insbesondere für den weiblichen Bereich ein sehr guter Trainer sein kann. Und ich freue mich sehr, dass das jetzt auch so eingetreten ist, dass Erik da super Arbeit leistet.

Wie betrachten Sie die Situation bei den abstiegsbedrohten DHfK-Männern? Braucht es da wieder mehr Fokussierung auf den starken eigenen Nachwuchs? 

Maik Nowak: Bei den Jungs ist es mit Sicherheit schwieriger als im weiblichen Bereich aus einem Sportgymnasium heraus in die Spitze zu kommen. Andererseits hat der SC DHfK ja bereits nachgewiesen, dass das geht. Es bedarf eben immer auch viel Mut, sowas zu tun, und ich wünsche dem Verein weiterhin viel Mut, dieses Thema wieder stärker aufzugreifen, um den eigens gut entwickelten Spielern die Chance zu geben. Dieser Mut hat DHfK immer gutgetan und sollte ein wichtiger Baustein des Vereins sein. Aber das ist nur ein Punkt eines äußerst komplexen Systems, was funktionieren muss, um die Herausforderungen des Erstliga-Handballs in Deutschland zu erfüllen.

Handelt es sich um einen Ausrutscher oder ein strukturelles Problem, dass DHfK derzeit Tabellenletzter ist?

Maik Nowak: Die aktuelle sportliche Situation als Ausrutscher anzusehen, wäre aus meiner Sicht nicht angemessen und fahrlässig. Jeder, egal in welchem System, ist immer wieder dazu aufgerufen, dieses immer wieder neu zu evaluieren, zu hinterfragen und zu entwickeln, damit sich die Wahrscheinlichkeit erhöht das solche Situationen nicht so schnell eintreten. Ich bin sicher, dass die Verantwortlichen genau das tun.

Schafft DHfK den Klassenverbleib?

Maik Nowak: Ich sehe in dem neuen Trainer Frank Carstens, den ich persönlich genauso schätze wie seine Arbeit, einen ausgezeichneten Fachmann, der mit dem Thema Abstiegskampf durch seine Vita bestens vertraut ist. Und ich sehe in der Mannschaft definitiv das Potenzial, die 1. Liga zu halten – auch wenn ich meinem Klub ThSV Eisenach damit unter Umständen wehtue, weil wir nicht so weit weg sind. Dennoch wünsche ich dem Verein als Leipziger ehrlichen Herzens den Klassenverbleib.

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