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Nosferatu

Schwarze Schatten, scharfe Zähne

Die Gemäuer des Grassimuseums werden zum Gruselschloss. Das Schauspiel Leipzig gastiert dort mit seinem Sommertheater „Nosferatu“ nach Murnaus Stummfilm und Stokers „Dracula“.

Emmeline Puntsch und Joshua Dahmen proben für das Sommertheater „Nosferatu“
Emmeline Puntsch und Joshua Dahmen proben für das Sommertheater „Nosferatu“ © Rolf Arnold

Mit „Nosferatu“ hat Friedrich Wilhelm Murnau das Horror-Genre und das Bild der Vampir-Figur geprägt. Doch seinen Film von 1922 hätte es gar nicht geben dürfen. Die Rechte an der literarischen Vorlage, an Bram Stokers „Dracula“, wurden ihm verwehrt.

Murnau veränderte die Story leicht, drehte trotzdem – und verlor den Rechtsstreit. Der Film hätte eingestampft werden müssen, doch mehrere Schnittversionen überlebten. „Zum Glück. Deshalb kennen wir diesen ‚Nosferatu‘ noch“, sagt Katharina Ramser in einer Probenpause.

Sie inszeniert den Stoff als Sommertheater des Schauspiels Leipzig. Und hat bei den Vorbereitungen rasch festgestellt: „Als Stummfilm mit wenig Text ist der Film zu dünn für ein Remake auf der Theaterbühne.“

Der Vampir führt ein Leben wie ein Junkie. Es geht immer darum, an Stoff zu kommen. Katharina Ramser, Regisseurin

Vampir als Spiegel unserer Ängste

Deshalb hat Ramser eine eigene Version entworfen, angelehnt an Stokers „Dracula“, Murnaus „Nosferatu“ und davon inspirierte Nachfolger von Werner Herzog bis Francis Ford Coppola.

„Der Topos taucht immer wieder neu auf, zuletzt in der Twilight-Saga“, sagt Ramser und findet einen spannenden Vergleich. „Der Vampir führt ein Leben wie ein Junkie. Es geht immer darum, an Stoff zu kommen.“ Was eigentlich ein langweiliges Leben sei. Deshalb interessiert sie sich weniger für die Biografie des Vampirs. Ramser: „Da stellt sich eine Frau in ihrer Reinheit dem Bösen entgegen.“

Lieber nimmt sie die Figur des Vampirs an sich in den Fokus, betrachtet ihn als Spiegel unserer Ängste. „Diese Spur, wie man das Böse in sich selbst findet oder Ängste überwinden muss, hat mich interessiert“, sagt Ramser.

Hinter der Bühne beginnt der Friedhof

Auf die Bühne bringt Ramser „Nosferatu“ im Hof des Grassimuseums. „Der Stoff passt zum Ort. Er hat etwas Verwunschenes, wenn es dämmert.“ Und: „Wir spielen Richtung Friedhof.“ Der beginnt hinter der Mauer.

Dennoch könne man das Thema nicht eins zu eins umsetzen. „Vampirismus als Gleichnis auf die Gegenwart, das wäre zu einfach“, sagt sie und lässt erahnen, dass sie Spaß daran hat, Klischees humorvoll aufzubrechen.

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