• Literatur
Literarische Entdeckungen

Schriftsteller aus Leipzig

Saša Stanišić
© Katja Sämann / Luchterhand Literaturverlag

Auch wenn das Klischee vom freischaffenden Autor vor allem mit Berlin verbunden ist, braucht sich Leipzig keineswegs zu verstecken: Hier leb(t)en und arbeite(t)n bereits renommierte Schriftsteller wie spannende literarischen Neuentdeckungen, wie unsere Auswahl verrät:

1. Daniela Krien

Wie sehr die gebürtige Mecklenburgerin mit ihrer Wahlheimat Leipzig verbunden ist, macht ihr 2. Roman deutlich: „Die Liebe im Ernstfall“ verwebt die verschiedenen Lebensentwürfe von fünf Frauen und ist zugleich auch ein detailverliebtes Stadtporträt von Leipzig geworden. Seit der Veröffentlichung im Jahr 2019 warten begeisterte Leser auf ein neues Werk der Autorin. Wer es gar nicht abwarten kann: Auch ihr Debütroman „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ und „Muldental. Ein Roman in zehn Geschichten“ lohnen sich zu lesen.

2. Ronya Othmann

Eine neue und extrem vielversprechende literarische Hoffnung ist Ronya Othmann: Sie gehört zu den jüngsten Absolventinnen des Deutschen Literaturinstituts Leipzig und veröffentlichte im August 2020 ihr Debütroman „Die Sommer“, der von der Kritik gefeiert wurde. Erzählt wird die Geschichte von Leyla, die als Tochter einer Deutschen und eines jesidischen Kurden in München aufwächst und die Sommerferien bei den Großeltern im jesidischen Dorf verbringt, als der Bürgerkrieg in Syrien ausbricht. Auch außerhalb ihres Romans scheut Ronya Othmann nicht davor zurück, politisch Stellung zu beziehen: So schreibt sie regelmäßig für die taz eine Kolumne („Orient Express) und Essays für DIE ZEIT oder den Spiegel.

3. Clemens Meyer

An ihm führt (nicht nur) im Leipziger Literatur kein Weg vorbei: Clemens Meyer. 1977 in Halle geboren, studierte er von 1998 bis 2003 am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und ist seitdem der Stadt treu geblieben. Schon mit seinem Debütroman „Als wir träumten“, der in Leipzig zur Nachwendezeit spielt und viele autobiographische Bezüge enthält, errang Clemens Meyer einen großen Achtungserfolg. Seitdem folgten zahlreiche weitere Romane und Auszeichnungen. Zuletzt erschien im Jahr 2020 im Leipziger Verlag Faber und Faber seine Erzählung „Nacht im Bioskop“, die die Vorfreude auf seinen nächsten großen Roman (frühestens 2022) etwas verkürzen soll.

4. Juli Zeh

Sicherlich eine, wenn nicht sogar die - einst - berühmteste Stimme der Stadt: Juli Zeh. Im Jahr 1996 führte sie das Studium am Deutschen Literaturinstitut nach Leipzig, danach blieb die die Autorin und promovierte Juristin bis 2009 in der Stadt, ehe sie sich Hals über Kopf in ein Haus in Brandenburg verliebte. Ihrer Wahlheimat von einst schuf sie mit ihrem Debütroman „Adler und Engel“, der teilweise in Leipzig spielt, ein kleines literarisches Denkmal. Seit ihrem Romandebüt 2001 hat Juli Zeh zahlreiche erfolgreiche Romane verfasst, zuletzt erschien 2021 ihr Corona - Roman „Über Menschen“. Sie ist außerdem eine gefragte Kolumnistin und schreibt u. a. für DIE ZEIT und die FAZ.

5. Isabelle Lehn

Das Leben von Isabelle Lehn liest sich wie eine einzige Erfolgsgeschichte: Promovierte Rhetorikerin, Dozentin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig, Heinrich-Heine-Stipendiatin und gefeierte Autorin des vielfach prämierten Debütromans „Binde zwei Vögel zusammen“. In ihrem 2019 erschienen Roman „Frühlingserwachen“ bricht die gebürtige Bonnerin mit diesem Bild: Im Mittelpunkt der Geschichte steht eine Mittdreißigerin in einer tiefen Krise - Kinder ja oder nein, Tabletten gegen den Performancedruck und dann noch eine große Schreibblockade…
Der Clou: Diese Frau heißt - wie die Autorin - Isabelle Lehn. Alles autobiographisch also? Darüber schweigt die Autorin und lässt ihre Leser im Reiz des Unklaren.

6. Thomas Böhme

Er ist der erste gebürtiger Leipziger in unsere Aufzählung: Thomas Böhme, 1955 in Leipzig geboren und seitdem seiner Heimat größtenteils treu geblieben. Sein Werk umfasst Erzählungen, Romane, Essays - bekannt ist er jedoch vor allem für seine Lyrik, die wenig mit geschmeidigen Reimen und blumigen Metaphern zu tun hat. Stattdessen scheut der Autor nicht, in seinen Versen über Tod durch Ersticken zu schreiben oder Todesstreifen und Nachwende-Tristesse zum Thema zu machen. All das ist einer pointierten, oftmals gestochen scharfen Sprache. Im Sommer erscheint sein neuester Gedichtband "Strandpatenschaft" im poetenladen Verlag. 

7. Deniz Ohde

Mit ihrem Romandebüt „Streulicht“ schaffte es Denis Ohde direkt auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises. Darin erzählt die gebürtige Frankfurterin von der Kluft zwischen vermeintlichen Bildungsversprechen und gesellschaftlicher Ungleichheit, an die ihre Romanheldin, eine deutsch-türkische Arbeitertochter, immer wieder stößt. Nach Leipzig führte die Autorin 2011 ein Germanistik - Studium, das sie 2018 abschloss. Seitdem lebt und schreibt Deniz Ohde in Leipzig. 

8. Saša Stanišić

Einer der berühmtesten Absolventen des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig ist der deutsch-bosnische Schriftsteller Saša Stanišić, der hier 2004 sein Studium antrat. Zu dieser Zeit (2006) veröffentlichte er zudem seinen Debütroman „Wie der Soldat das Grammofon repariert“, der auf Anhieb in 31 Sprachen übersetzt und es auf die Liste des Deutschen Buchpreises schaffte. Mit seinem zweiten Roman „Vor dem Fest“ gewann Stanišić im Jahr 2014 schließlich den renommierten Preis der Leipziger Buchmesse und ist seitdem fest im Literaturkanon verankert.

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