Wir haben in Deutschland auf Kreisebene, wo jede Schiedsrichterkarriere beginnt, genügend Fußball-Schiedsrichter in der Ausbildung. Doch viele hören nach ein bis zwei Jahren wieder auf. Über einen Zeitraum von sechs, sieben Jahren bleiben sogar nur knapp 40 Prozent dabei. Gut jeder Zweite hört also wieder auf. Eine solche Quote findet man in anderen Gesellschaftsbereichen und Ausbildungen nicht. Wir müssen uns dringend die Frage stellen, woran das liegt. Sicher spielen bei Heranwachsenden auch private und berufliche Gründe eine Rolle. Aber oft ist das auch eine Frage des mangelnden Respekts. Wenn ein junger Schiedsrichter mit 14, 15 Jahren anfängt, muss er sich nicht nur auf dem Platz durchsetzen, sondern viel zu häufig vor allem gegen die Eltern am Spielfeldrand.
Viele junge Unparteiische denken sich dann: Ich muss mich doch nicht belegen lassen, ich bin doch kein Freiwild! Glücklicherweise gibt es in vielen Kreisen inzwischen Regelungen, dass Eltern einen gewissen Abstand zum Spielfeld einhalten müssen – das kommt den Kindern ebenso zugute wie den Schiedsrichtern. In bestimmten Vierteln ist es für meine Zunft zudem auch nicht ganz ungefährlich, wenn etwa Mannschaften mit hohem Migrantenanteil aufeinandertreffen – gerade wenn man in unteren Ligen allein und nicht im Gespann unterwegs ist. Da gibt es viel zu viele Beispiele von Spielabbrüchen wegen Beleidigungen und Tätlichkeiten.
Der Slogan des europäischen Fußballverbandes UEFA lautet „Respect“. Das hat mit der Realität für Amateur-Schiedsrichter oft wenig zu tun.
Problematisch ist auch der schwierige Aufstieg in die nächst höhere Klasse, in der man abhängig von Schiedsrichter-beobachtern ist. Das Aufstiegssystem bremst zu viele Karrieren aus und ist aus meiner Sicht reformbedürftig. Dabei ist der Schiedsrichterjob eine wunderbare Schule für das Leben. Ich sage immer: „Ich entscheide gern, ich entscheide gern schnell und ich entscheide gern, schnell und richtig.“ Diese Kompetenz erlernt man als Schiedsrichter, bewegt sich dazu auf dem Platz und kann sich als junger Mensch Taschengeld dazuverdienen. Man leistet seinen Beitrag für die Gesellschaft im Fußball und ist mittendrin, statt nur dabei. Doch es braucht für Schiedsrichter gute Bedingungen, damit dem Sport nicht zu viele verloren gehen.
Wer nach Bernd Heynemanns spannendem Blick auf das Schiedsrichterdasein erfahren möchte, wie Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter in Sachsen arbeiten, findet im Porträt von drei Referees Einblicke in ihren Alltag auf Rasen, Eis und der Matte.


