Schauspielerin Ronja Rath, aufgewachsen in Schleußig studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig und spielt jetzt am Theater Junge Generation in Dresden. Im ARD-Roadmovie “Auf der Walz”, spielt sie die Zimmerin Maria Abeler. Mit Ahoi Leipzig spricht sie über ihre ersten Berührungspunkte mit dem Theater in Leipzig, die Unterschiede zwischen Bühne und Set, ihre Rolle, den Dreh – und warum Leipzig für sie mehr ist als nur ein Wohnort ist.
Was ist das Dümmste, was du in letzter Zeit gemacht hast?
Ronja Rath: Mir ist tatsächlich gerade, vor einer halben Stunde, mein Handy heruntergefallen. Jetzt ist es kaputt. Ich musste mir direkt ein neues bestellen, es sind ja auch irgendwie unsere Arbeitsgeräte!
Wenn du eine Zeitreise machen könntest, wohin würdest du reisen?
Ronja Rath: Irgendwo, wo ich das Handy nicht brauche. Auf der Walz braucht man das übrigens auch nicht, vielleicht ist das irgendwie eine Zeitreise. Es gibt aber auch Zeiten, in denen ich gar nicht gern gelebt hätte.
Hast du ein Lebensmotto?
Ronja Rath: Irgendwie nicht, diesbezüglich bin ich wohl noch auf der Suche. Die 20er sind noch zur Orientierung da, ich bin bisher einen sehr geradlinigen Weg gegangen: erst Schauspielstudium, jetzt seit zwei Jahren im Beruf. Trotzdem sehne ich mich auch nach Abenteuern und Veränderung, bin auf der Sinnsuche, lese gerade viele Ratgeber und versuche mein Lebensmotto noch zu finden.
War dir schon immer klar, dass du Schauspielerin werden willst?
Ronja Rath: Ja, total. Ich habe schon im Kindergarten Theater gespielt. Mit vier war ich im ersten Kinderclub und habe seitdem eigentlich nie aufgehört. Es war immer da, so ein dauerhaftes Hobby, das irgendwann ganz selbstverständlich zum Beruf wurde. Ich hatte auch mal die Idee, Medizin zu studieren – der menschliche Körper fasziniert wirklich sehr, wie so ein eigener Kosmos, der Weltraum oder die Tiefsee. Ich wusste das also schon immer, trotzdem muss ich mich jeden Tag wieder dafür entscheiden. Schauspiel ist Teil der Kulturbranche – das bedeutet auch Existenzangst.
Bisher standest du eher im Theater auf der Bühne, jetzt spielst du in Auf der Walz im Ersten deine erste Filmhauptrolle. Wie war der Übergang für dich?
Ronja Rath: Sehr aufregend alles! Mein erster Fernsehfilm war auch gleich meine erste Hauptrolle. Die Filmbranche ist unsicher, das Theater ist für mich da eher ein stabiles Standbein. Aber ich hatte große Lust auf Veränderung. Nur: Veränderung und Sicherheit gehen selten Hand in Hand. Ich musste also meine Komfortzone verlassen, wie Maria im Film.
Im Roadmovie Auf der Walz spielst du die Zimmerin Maria, die sich entscheidet, im Nachhinein noch auf die Walz zu gehen. Was hat dich an dieser Figur fasziniert?
Ronja Rath: Genau das! Sie hat eigentlich alles, was man von außen als erstrebenswert betrachten würde: Familie, Job, festen Partner, Haus, finanzielle Sicherheit. Aber dann kitzelt sie der Freiheitswille und sie entscheidet, von einem auf den anderen Tag ihr Leben zu verändern, zumindest für die nächsten drei Jahre, solange sie auf der Walz ist. Das finde ich einen mutigen Schritt. Ich glaube nicht, dass ich das so radikal könnte. Ich fand es mega spannend, diese Reise zu begleiten, mit allen Zweifeln und Prozessen, die dazu gehören.
Gibt es Ähnlichkeiten zwischen dir und Maria?
Ronja Rath: Dieser Drang, dass es den Menschen um einen herum gut geht, was ja irgendwie auch etwas typisch für die weibliche Sozialisierung ist, und unsere Verbindung zur Familie. Aber auch dieses kleine egoistische Aufblitzen: „Hey, in meinem Leben sollte es auch mal um mich gehen.“ In die Rolle konnte ich super viel Persönliches einfließen lassen, das war sehr befreiend.
Wie unterscheiden sich Theater und Film für dich?
Ronja Rath: Film ist viel konzentrierter, kleinteiliger, wie durch ein Brennglas. Du musst im Moment sein und alles andere ausblenden. Beim Theater dagegen begleitest du in zwei Stunden die komplette Entwicklung einer Figur. Da geht es viel stärker um Energie, um die Spannung über diese Zeit zu halten. Und du hast natürlich eine längere Probenphase. Beim Film kaum. Die Zusage kam zwei Wochen vor Drehbeginn, ich war da gerade im Urlaub. Wir hatten eine Probe mit meinem Spielpartner – der Rest war learning by doing. Der Dreh liegt jetzt zwei Jahre zurück, aber ich erinnere mich gut: Man trifft in kurzer Zeit auf die Figuren, die man vorher nur aus dem Text kannte und dann nach wenigen Wochen muss man sich wieder verabschieden. Es fühlt sich an, als wäre man wirklich auf dieser Reise gewesen, wenn auch nicht in chronologischer Reihenfolge.
Gab es Szenen, die besonders herausfordernd waren?
Ronja Rath: Die betrunkenen Szenen am Anfang. Es ist eine wichtige Schlüsselszene zwischen Maria und Cem, da muss viel Inhalt rübergebracht werden - dazu noch der Rauschzustand. Man muss sich in einen anderen körperlichen Zustand versetzen und trotzdem fokussiert bleiben, sich trauen, loszulassen. Als ich vom Set gegangen bin, habe ich mich wirklich betrunken gefühlt.
Du bist in Leipzig aufgewachsen. Wie hat dich die Stadt geprägt?
Ronja Rath: Ich liebe Leipzig. Ich bin im Westen aufgewachsen und hatte später meine erste WG an der Eisenbahnstraße. Die Stadt ist weltoffen und künstlerisch, man ist immer mittendrin, gleichzeitig mitten in der Natur. Meine Mutter ist Tänzerin und hat mich früh mit in die Off-Szene genommen. Ich war Teil vom Jugendclub des Spinnwerk, es gibt bis heute so viele subkulturelle Angebote, Clubs und coole Leute – all das hat mich geprägt.
Wenn du jetzt selbst auf die Walz müsstest – was würdest du am meisten vermissen?
Ronja Rath: Meine Familie. Meine Mama, meine Oma, den Garten meiner Großeltern. Den Westen von Leipzig, Schleußig. Das ist alles so ein großer Teil von mir – das würde echt fehlen.

