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Im Gespräch mit dem U11-Trainer der SG Olympia Leipzig Lennart Blücher

Respekt, Teamgeist und Mut

Lennart, der Mann, der den Ball ins Rollen bringt © Blücher / SG Olympia Leipzig

Mannschaftssport stärkt Resilienz. Um Siegen zu lernen, durchzuhalten und ein Ziel im Auge zu behalten, muss man auch scheitern lernen. Dafür – und für noch so viel mehr – sind in Leipzig viele Ehrenamtler aktiv, gerade in den Fußballmannschaften. Ahoi-Redakteur Volly Tanner kennt Lennart Blücher zwar aus anderen Zusammenhängen, traf ihn jedoch in Böhlitz-Ehrenberg auf dem Fußballfeld, wo Lennart und seine Mannschaft gerade Punkte liegen ließ. Tanner sammelte diese auf und trug sie Lennart hinterher:

Guten Tag, Lennart. Wir kennen uns schon eine Weile. Doch letztens sah ich Dich erstmals als Trainer einer Fußballmannschaft mit jungen Menschen torjubelnd am Rande stehen. Deine Mannschaft war die von Olympia Leipzig. Welche Altersklassen trainierst Du denn und seit wann?

Lennart Blücher: Ahoi Volly. Aktuell bin ich Trainer bei der U11, also dem Jahrgang 2013. Ich mache das jetzt, seitdem ich wieder in Leipzig bin, also seit einem Jahr. Davor habe ich schon im Rahmen meines FSJ bei Olympia unter anderem diese Mannschaft trainieren dürfen. Das war 2020 bis 2021.

Und wie bist Du selbst zum Fußball gekommen? Ich hörte ja, dass Du beispielsweise 2012 noch intensiv Schach gespielt hast, sogar bei Turnieren.

Intensiv würde ich jetzt nicht sagen. Mein großer Bruder hat bei Chemie Leipzig gespielt und mein Vater spielt bei der SG BiBaBo. Da war ich dann auch bei ein paar Familienturnieren dabei, aber nicht sehr erfolgreich. Da war klar, dass Fußball die größere Leidenschaft sein wird. Angefangen im Verein zu spielen habe ich dann 2011. Da war ich in der dritten Klasse. Ein Klassenkamerad von mir war schon bei Olympia und ich dachte mir, da will ich auch hin. Olympia war damals schon ein angesehener Name. Ich weiß noch – ich habe auch meine Brüder zu Olympia gebracht – wie ich zu meinem kleinen Bruder vor seinem ersten Testspiel sagte, Olympia verliert eigentlich nie. Seine Mannschaft hat dann 11:1 verloren. Seitdem ist Olympia eine Konstante in meinem Leben, die nicht mehr wegzudenken ist. Einmal Olympia. Immer Olympia.

Der Verein heißt ja richtig SG OLYMPIA 1896 LEIPZIG. Das impliziert, dass es den Verein schon fast 130 Jahre gibt. Kannst Du uns ein bisschen etwas über die Historie des Vereins erzählen?

Ja, zum 125jährigen Jubiläum 2021 habe ich mich zusammen mit unserem Nachwuchskoordinator Micha Fritzsche mit unserer Historie auseinandergesetzt. Ich weiß jetzt eigentlich fast alles über den Verein. Der Name ist wohl nicht ohne Grund gewählt worden, denn 1896 waren die ersten Olympischen Spiele der Moderne. Was mich etwas vom Hocker gehauen hat, war, dass der ursprüngliche Verein BV Olympia Leipzig Gründungsmitglied des in Leipzig gegründeten DFB ist. Das macht mich dann schon ein bisschen stolz, Teil dieses Vereins zu sein. Seitdem gab es zig Namensänderungen und Neugründungen und Fusionierungen, bis man sich 2006 endlich dazu entschied, den traditionellen Namen Olympia Leipzig wieder anzunehmen. Das passt auch zu uns, weil wir uns damit auch in die Tradition stellen als Verein, der den Nachwuchs fördert. Das war lange Zeit nicht der Fall. Bis 2006 hatte man noch den Namen Motor Nord aus DDR-Zeiten behalten. Am kuriosesten fand ich, dass Motor Nord nach der Wende sogar international vertreten war. Allerdings im Wasserball und nicht im Fußball, aber das würde den Rahmen sprengen.

Und wo habt Ihr mittlerweile Euer Stadion?

Stadion kann man dazu nicht sagen, unsere Sportstätten liegen am Rande des Auwalds direkt an der Parthe, also in direkter Nachbarschaft zum Riesen aus der Dose. Die Mühlwiese an der Waldstraße wurde gerade hochmodern rekonstruiert, mit zwei neuen Kunstrasenplätzen. Wenn ich durch unsere zweite Anlage unterm Wackelturm mäandere, kann ich mir schon ein kleines Waldstadion vorstellen. Aber das wird wohl immer ein Traum bleiben.

Und wie viele Mannschaften sind mittlerweile bei Olympia Leipzig aktiv und wie viele Menschen?

In der Fußballabteilung sind wir 24 Mannschaften, davon 20 im Nachwuchsbereich. Zwei davon stellen wir mit unserer U11. Im Gesamtverein sind wir 750 Mitglieder, davon 450 im Fußball, 350 Kinder. Das macht unsere Nachwuchsabteilung zu einer der größten in Sachsen.

Sport, gerade bei Kindern und Jugendlichen, ist von existenzieller Wichtigkeit. Werdet Ihr ausreichend gefördert? Ich meine unter anderem pekuniär.

Dank unermüdlichem ehrenamtlichen Engagement, großzügiger Sponsoren und privater Förderer haben wir eine finanzielle Grundlage und können existieren. Für unsere neue Anlage haben wir unseren Eigenanteil mithilfe eines Crowdfundings finanziert. Durch unser Einzugsgebiet sind wir auch ziemlich privilegiert, muss man sagen.

Und wo steht Deine Mannschaft in welcher Tabelle? Und was ist das Ziel?

Die Tabelle ist heutzutage eher untergeordnet, in dieser Altersklasse werden die Ligen immer mehr aufgelöst. Auf- und Abstieg gibt es nicht mehr. Die fußballerische und persönliche Entwicklung der Kinder steht im Vordergrund. Ich selbst schaue auch selten auf die Tabelle. Für die Kinder zählt nur der Sieg am Spieltag. In der abgelaufenen Spielzeit haben wir nur im letzten Spiel gegen Böhlitz-Ehrenberg Punkte liegen lassen, an dem Tag war die Meisterschaft nur ein kleiner Trost. Aber das oberste Ziel ist es, Respekt, Teamgeist und Mut zu vermitteln. Teamgeist ist klar. Respekt für den Gegner, Mitspieler und Schiedsrichter, gleichzeitig aber mutig spielen, Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben und keine Angst haben, Fehler zu machen. Dafür stehen wir als Verein.

Du bist Ehrenamtler, wie so viele Menschen im Sport. Was machst Du denn beruflich? Von Luft und Liebe allein ist ja nicht gut leben.

Ich mache eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild & Ton beim Sachsen Fernsehen. Dort haben wir eine Sendung namens "Tanner Trifft", bei der ich unter anderem mitarbeite, und die Leser und Leserinnen dürfen da natürlich auch gerne mal reinschauen.

Gibt es noch etwas, das du den Leserinnen und Lesern gern ins Poesiealbum schreiben würdest? Hier kannst du. Mach mal.

Hast du zuviel Freizeit und die sportlich-soziale Komponente fehlt dir ganz und gar? Werde Trainer bei Olympia, ist doch klar!

Danke, Lennart, für Dein Engagement.

Danke ebenso!

 

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