Pfingsten gehört in Leipzig seit Jahrzehnten dem Wave-Gotik-Treffen. Tausende Gäste prägen das Stadtbild. Historische Gewänder, Steampunk-Accessoires und viktorianische Silhouetten begegnen sich in Parks, Museen und Cafés. Doch das Wochenende ist mehr als Szeneereignis. Es ist auch ein verlängertes Familienwochenende – mit Angeboten, die bewusst Kinder in den Mittelpunkt stellen.
Märchen und Mäusegeschichten auf der Bühne
Im Theater wird es klassisch. Das Theater WiWo zeigt „Schneewittchen“ nach den Brüdern Grimm. Die Inszenierung von Wolfgang Gerber konzentriert sich auf die Bildkraft des Märchens: der sprechende Spiegel, der vergiftete Apfel, die Begegnung mit den sieben Zwergen. Die Aufführung dauert 45 Minuten und richtet sich an Kinder ab vier Jahren. Gespielt wird am Freitag und Samstag jeweils um 16 Uhr, am Sonntag um 11 Uhr. Gespielt wird im Puppentheater Sterntaler; Talstraße 30, 04103 Leipzig.
Ebenfalls für jüngere Besucher eignet sich „Frederick und Alexander“ im Theater der Jungen Welt. Zwei Geschichten von Leo Lionni stehen im Mittelpunkt: Frederick, der Farben und Wörter sammelt, während andere Vorräte anlegen, und Alexander, der sich nach Anerkennung sehnt. Die Inszenierung ist für Kinder ab drei Jahren empfohlen und läuft am Samstag um 16 Uhr sowie am Sonntag um 11 Uhr.
Museen mit Sonderprogrammen zum WGT
Mehrere Museen greifen das Wave-Gotik-Treffen direkt auf – und öffnen zugleich Räume für Kinder.
Im Deutschen Buch- und Schriftmuseum entstehen am Sonntag flatternde Fledermäuse aus Papier. Die Kreativwerkstatt arbeitet mit Schablonen und Falttechniken. Der Eintritt ist frei. Ebenfalls am Sonntag findet eine Themenführung zur Frühdruckzeit statt. Beide Veranstaltungen sind Teil des offiziellen WGT-Programms.
Das UNIKATUM Kindermuseum verbindet Mitmach-Ausstellungen mit gesellschaftlichen Themen. Am Freitag erhalten Kinder im Steampunk-Outfit freien Eintritt. Am Samstag und Sonntag läuft zudem ein „Entdecker-Tag“ mit freiem Eintritt für einen begleitenden Erwachsenen je zahlendem Kind. Interaktive Stationen, Hofgarten und Museumscafé bieten Raum für längere Aufenthalte – gerade für Familien, die das Treffen besuchen und zwischendurch eine ruhige Alternative suchen.
Tierische Perspektiven zu Pfingsten
Der Zoo Leipzig feiert Pfingsten traditionell als besonderes Wochenende. Vom 23. bis 25. Mai stehen die neu gestalteten Bereiche im Mittelpunkt: das sanierte historische Terrarium sowie die Vogelwelten „Loriversum“ und „Amazonien“. Kommentierungen durch Tierpfleger, Tiergesichterschminken und Einblicke in bedrohte Arten ergänzen das reguläre Programm. Damit verbindet sich der Feiertag mit einem Blick auf aktuelle Entwicklungen im „Zoo der Zukunft“.
Auch das Naturkundemuseum beteiligt sich am Wochenende mit einem Vortrag im Rahmen der 70. Leipziger Naturschutzwoche. Thema ist die Stromtalaue der Weißen Elster – einer der ökologisch wertvollsten Lebensräume der Stadt. Der Vortrag richtet sich eher an ältere Kinder und Jugendliche. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich.
Oper als Familienerlebnis
Am Sonntag steht in der Oper Leipzig Mozarts „Zauberflöte“ auf dem Spielplan. Die Vorstellung ist als Familientag ausgewiesen und wird in deutscher Sprache mit Übertiteln gespielt. Die Inszenierung eignet sich für Kinder ab zwölf Jahren. Zwischen Märchenwelt, Prüfungen und musikalischen Gegensätzen bietet das Werk einen Einstieg in die Opernliteratur.
Leipzig zwischen Szene und Familienzeit
Das Pfingstwochenende zeigt eine Stadt in zwei Parallelwelten. Auf den Straßen dominieren die Besucher des Wave-Gotik-Treffens. In Theatern, Museen und im Zoo entstehen zugleich Angebote, die Kinder ernst nehmen und einbeziehen. Manche Programmpunkte gehören direkt zum Festival, andere laufen unabhängig davon.
Für Familien, die wegen des Treffens anreisen, ergeben sich so zusätzliche Möglichkeiten. Für Leipziger Familien wiederum bleibt das Wochenende planbar – trotz internationalem Großereignis. Zwischen Märchenbühne, Museumskabinett und Auenlandschaft entsteht ein Programm, das unterschiedliche Altersgruppen berücksichtigt und Pfingsten als gemeinsamen Stadtraum erfahrbar macht.


