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    Ohne Schmerzen

    Die schlimmsten Ergonomiefallen am Büroplatz – Eine Leipziger Büroausstatterin gibt Tipps

    Das Familienunternehmen JANIK im Holzhaus Lindenau © JANIK Ergonomische Bürowelten

    Seit der Corona-Pandemie arbeiten viele Menschen bevorzugt von zu Hause. Diese Art des Arbeitens spart Zeit, Kosten und bietet mehr Flexibilität, auch für private Aufgaben. Doch das Homeoffice kann den Rücken belasten. Fehlende ergonomische Möbel und der Bewegungsmangel verstärken die Probleme, wenn Grundregeln für einen gesunden Arbeitsplatz missachtet werden. Die Folge: Nacken- und Rückenschmerzen, verkürzte Muskeln und eine schlechte Haltung.

    Ergonomie am Arbeitsplatz: Das gibt es zu beachten

    Dass diese Beschwerden durch das Arbeiten im Homeoffice zugenommen haben, beobachtet auch die Leipziger Ergonomie-Expertin Dagmar Janik-Stenzel von Janik Ergonomische Bürowelten. Grund dafür sei eine Mischung aus zu wenig Bewegung und Fehlbelastungen, die aus mangelnder Ergonomie am Arbeitsplatz resultieren. Janik-Stenzel weiß, wie das heimische Büro gestaltet sein sollte, um möglichst rücken- und auch nackenfreundlich zu sein.

    Die Kunst ist, für Abwechslung zu sorgen, etwa durch einen Bewegungshocker oder ein Balanceboard, damit zusätzlich die Hüft- und Rückenmuskulatur gefordert werden.Ergonomie-Expertin Dagmar Janik-Stenzel

    Den Schreibtischstuhl richtig einstellen

    Für mehr Ergonomie am Arbeitsplatz sollte der Schreibtischstuhl höhenverstellbar sein, um sich an die jeweilige Körpergröße anzupassen. Die Rückenlehne sollte den Lendenbereich unterstützen und neigbar sein. Die meisten Schreibtischstühle verfügen über Armlehnen, die sich individuell einstellen lassen. Aber wie findet man die optimale Sitzposition, um Rückenschmerzen vorzubeugen?

    "Das Schlimmste, was man machen kann, ist sich beim Sitzen nach vorne zu beugen, den oberen Rücken dabei zu krümmen und die Schultern nach innen zu rotieren", so Dagmar Janik-Stenzel. "Wer dann noch mit den Augen auf einen zu hoch eingestellten Monitor schaut, bekommt schnell einen Schildkrötenhals." Das führe zu Hals- und Nackenbeschwerden,  Schmerzen, die in die Arme ausstrahlen sowie Verkrampfungen und Verkürzungen z. B. im Trapezius, also dem Muskel, der sich hinten im Nacken vom Hals bis zum Brustwirbelsäulenbereich erstreckt.

    Die richtige Sitzposition ist deshalb bei der Ergonomie am Arbeitsplatz entscheidend. Sie wirkt wie ein Fundament: Ist sie falsch, wackelt das gesamte Gebäude Ihrer Körperhaltung. Setzen Sie sich dafür aufrecht auf den Stuhl, und zwar so, dass Sie die gesamte Sitzfläche ausnutzen. Ihr Rücken sollte dabei die Rückenlehne berühren und so eine S-Form annehmen. Wichtig ist, dass die Füße in dieser Sitzposition flach den Boden berühren. 

    Im nächsten Schritt sollte die Sitzhöhe so eingestellt werden, dass Oberschenkel leicht abfallend, also gerade nicht waagerecht  und Unterschenkel in einem sogenannten offenen Sitzwinkel liegen. Der Rücken sollte angelehnt sein, ohne dass die Stuhlkante Druck auf die Kniekehlen ausübt. Frau Janik-Stenzel empfiehlt eine neigbare Rückenlehne, um mehr Bewegung in die Arbeit zu integrieren und den Rücken zu entlasten.

    Ob mit oder ohne Armlehnen, bei Schreibtischstühlen sind die Geschmäcker verschieden. Beides sei laut Janik-Stenzel in Ordnung, denn es zähle lediglich die Haltung:

    Wichtig ist, dass Schultern und Arme locker seitlich vom Oberkörper hängen können und der Unterarm entspannt auf dem Schreibtisch aufliegen kann, wobei die Ellenbogen wenig vorgeschoben werden sollten, um möglichst unter der Schulter positioniert zu sein.Ergonomie-Expertin Dagmar Janik-Stenzel

    Die passende Schreibtischhöhe herausfinden

    Die Höhe des Schreibtischs ist wichtig, um Verspannungen vorzubeugen und die Ergonomie am Arbeitsplatz zu verbessern. Denn: Ist die Tischplatte zu hoch, gleicht man den Unterschied oft unbewusst aus, indem die Schultern hochgezogen werden. Bei einem Schreibtisch, der zu niedrig eingestellt wird, sitzen viele Menschen wiederum mit gebeugtem Rücken auf dem Stuhl. Beides kann zu Verspannungen in den Schultern sowie zu Rücken- und Nackenschmerzen führen.Um die für Sie optimale Schreibtischhöhe zu ermitteln, setzen Sie sich wieder wie oben beschrieben auf Ihren Schreibtischstuhl. Rutschen Sie auf der Sitzfläche so weit es geht nach hinten, lehnen Sie den Rücken an, die Oberschenkel sollten leicht nach vorn abfallen.  Legen Sie nun Ihre Handballen vor der Tastatur auf dem Tisch ab. Die Schreibtischhöhe sollte so angepasst werden, dass Ober- und Unterarme einen 90- bis 100-Grad-Winkel zueinander haben.

    Welche Richtlinien für Stehschreibtische gelten

    Für Stehschreibtische gilt Ähnliches: Stellen Sie sich mit geradem Rücken nahe vor den Schreibtisch und belasten Sie beide Füße gleichmäßig oder gehen Sie in den sogenannten stabilen Barstand und stehen damit auf einem Bein, während Sie das andere Bein auf einer Fußstütze, dem Stuhlfußkreuz oder einer anderen Unterlage entlasten. Durch die wechselnde Haltung zwischen Sitzen und Stehen wird Muskulatur aktiviert, die Wirbelsäule entlastet und die Durchblutung gefördert. Auch in diesem Fall sollte der Unterarm fast waagerecht auf dem Schreibtisch aufliegen und einen 90-Grad-Winkel oder leicht größer zum Oberarm bilden. Achten Sie darauf, dass Schulter- und Nackenmuskulatur in dieser Position entspannt sind. Dagmar Janik-Stenzel empfiehlt außerdem sensorische Fußmatten für das Arbeiten im Stehen. Sie fördern die Durchblutung und aktivieren die Fußmuskulatur, was Haltung und Wohlbefinden spürbar verbessert. Von langen sitzenden Tätigkeiten verkümmert laut Janik-Stenzel die große Po-Muskulatur und die Hüftbeugemuskulatur verkürzt sich. Diese hat jedoch eine große Bedeutung, für uns als aufrecht gehende Menschen. Auch eine sogenannte Tischlehne, einfach an die Tischplatte zu klemmen, kann für Aufrichtung und spürbare Entlastung des Schulter-Nackenbereichs sorgen. Hier können die Arme aufgelegt werden, fallen aber trotzdem nicht nach vorne, sondern bleiben in aufgerichteter Position an der Körperachse.

    Die besten Übungen gegen Rücken- und Nackenschmerzen

    Um Nacken- und Rückenschmerzen vorzubeugen oder entgegenzuwirken, empfiehlt Frau Leonie Schleifnig, Sportwissenschaftlerin im interdisziplinär aufgestellten Team von Janik folgende Übungen, die im Büroalltag bestenfalls täglich durchgeführt werden sollten:

    Übung 1: Mobilisierung der Halswirbelsäule auf drei Ebenen
    Stellen Sie sich gerade hin und richten Sie sich auf, so wie eine Marionette, die an einer Schnur am höchsten Punkt des Scheitels nach oben gezogen wird. Die Schultern hängen entspannt herunter. Drehen Sie Ihren Kopf nun abwechselnd ein paar Mal nach rechts und links. Führen Sie die Übung langsam und nicht ruckartig aus. Danach neigen Sie den Kopf nach links und rechts zur Seite, mit dem Ohr Richtung Schulter. Zuletzt bewegen Sie den Kopf auch noch ein paar Mal nach vorne in der Horizontalen ("Schildkrötenhals") und nach hinten ("Doppelkinn").

    Übung 2: Schultermobilisation
    Um die oft verspannte Schulter- und Nackenpartie zu mobilisieren und zu kräftigen, strecken Sie Ihre Arme auf Schulterhöhe zur Seite aus. Ziehen Sie die Schulterblätter dabei hinter dem Rücken zusammen, schieben Sie die Brust raus, um der nach vorne gekrümmten Haltung entgegenzuwirken. Ihre Handinnenflächen zeigen dabei in unterschiedliche Richtungen: Eine Richtung Himmel, die andere Richtung Boden. Nun wechseln Sie die „Handrichtungen“ und blicken immer zur Hand, welche gerade zum Himmel zeigt. . Lockern Sie sich gerne danach mit leichtem Schulterkreisen.

    Übung 3: Squats mit aktivierten Großzehen
    Eine gute Übung, die die große Po-Muskulatur aktiviert und so bis zum Hüftstrecker und unteren Rücken wirkt, sind Squats bzw. Kniebeugen. Um dem Dead Butt Syndrom vorzubeugen, ist es wichtig, bei den Squats die Großzehen und die damit verbundenen Fußballen in den Boden zu drücken. Verlagern Sie Ihr Gewicht also etwas nach vorne, sodass Sie jetzt unter der Ferse theoretisch ein Blatt Papier wegziehen könnten. Achten Sie auf eine leichte Spannung im Bauch. Wenn Sie nach einer Kniebeuge in den Stand hochkommen, holen Sie die Kraft aus der Pomuskulatur, nicht den vorderen Oberschenkeln. Kneifen Sie bei der Aufrichtung die Pobacken am Ende noch einmal fest zusammen. Dadurch schiebt sich das Becken in eine leichte Überstreckung nach vorne und dehnt die verkürzten Hüftbeuger.

    Übung 4: Stand- und Spielbein nutzen
    Sie stehen bei dieser Übung im stabilen, hüftbreiten Stand. Sie haben ein Standbein und ein Spielbein. In der ersten Runde schwingen Sie das Spielbein locker vor und zurück, pro Seite 10-12 Mal. In der zweiten Runde wird es anspruchsvoller: Das Spielbein führen Sie nun gestreckt nach hinten hoch und machen kleine wippende Bewegungen, um so die Po-Muskulatur und die hintere Oberschenkelmuskulatur zu aktivieren. Jedoch nur so weit nach hinten-oben, dass Sie noch problemlos aufrecht stehen können. Die hintere Kette wird noch mehr gefordert, wenn Sie versuchen, mit der Großzehe eine kleine Murmel festzuhalten und die Übung dann durchführen. Achten Sie auf eine leichte Spannung in der Bauchmuskulatur, um nicht ins Hohlkreuz zu fallen.

    Übung 5: Die Handtuch-Übung gegen Nackenschmerzen
    Schleifnig empfiehlt auch eine Lockerungsübung mit einem Handtuch. Dieses drehen Sie wie eine Spirale so weit ein, dass sich eine Rolle bildet, die unter Spannung steht und die Sie gut mit den Händen greifen können. Stellen Sie sich gerade hin, zentrieren Sie die Schulterblätter nach hinten und unten, die Bauchmuskeln sind angespannt. Halten Sie das Handtuch dabei mit den Händen auf der Höhe zwischen Brust und Bauchnabel vor sich. Drehen Sie mit der linken Hand nach vorne, während die rechte gleichzeitig nach hinten dreht. Wechseln Sie danach die Richtung. Führen Sie die Übung dreimal täglich für ein bis zwei Minuten unter gehaltener Spannung durch. Eine Vierteldrehung reicht, um die hintere Kette zu aktivieren, die es laut Janik-Stenyel auch in den Armen gibt.

    Es besteht eine funktionale Verkettung, die von den Fingerspitzen bis zu den Schulterblättern reicht. Die Übung wirkt daher auch Nackenschmerzen entgegen."  Frau Leonie Schleifnig, Sportwissenschaftlerin

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    JANIKErgonomische Bürowelten
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    www.janik-leipzig.de

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