Im Sommer ist gut lesen. Und im Frühling. Und im Herbst. Und erst recht im Winter. Gerade jetzt rauscht ein liebevoller, sanfter Roman über unsere Gegend und Menschen aus unserer Region, gepaart mit der Neuerfindung einer Ex-Berlinerin, in die Literaturwelt. „Im Schmetterlingsflieder“ von Janina Woyach ist Wohlfühl-Literatur im besten Sinne, weil halt nicht alles und immer zu kritisieren ist.
Ahoi-Redakteur Volly Tanner sprach mit der Autorin:
Ahoi: Guten Tag, liebe Janina Woyach. Dein neues Buch „Im Schmetterlingsflieder“ wird als Seeroman promotet. Zuerst dachte ich, es ginge um Liebe auf Rügen – dann erfuhr ich, dass ein naher See Sehnsuchtsort ist. Welcher denn und worum geht es im Buch?
Janina Woyach: Im Band 1 der Seeroman-Reihe dreht sich alles rund um den Kulkwitzer See – einer der Lieblingsseen im Leipziger Neuseenland. Die Protagonistin im Buch, Anni, kommt allerdings aus Berlin und strandet mehr oder weniger freiwillig hier. Eine berufliche Krise und schlussendlich auch eine Sinnsuche führen sie ins Leipziger Land und dort trifft sie auf interessante und charmante Charakterköpfe, eine einzigartige Landschaft und vielleicht auch auf die Liebe.
Fun Fact: Der Verlag, mit dem ich das Buch ursprünglich veröffentlichen wollte, war von der Handlung überzeugt, allerdings nicht vom Setting. Sie baten mich, den Roman nach Schottland, Südengland oder wenigstens an die Ostsee zu verlegen. Da war das Kind aber schon in den Brunnen gefallen und ich wollte das Buch nicht massiv umschreiben. Ich glaube nicht, dass ihnen bewusst war, wie schön Leipzig ist.
Ahoi: Im Roman geht es um die ganz selbstverantwortliche Neuerfindung einer Frau. Ein Frauenroman? Gibt es das überhaupt? Frauen- und Männerromane?
Janina Woyach: Die Frage habe ich mir tatsächlich auch gestellt. Wenn man ein fertiges Manuskript an Verlage schickt, wird erwartet, so viele Informationen wie möglich mit an die Hand zu geben, darunter auch das Genre. Dabei bin ich auf den Begriff „Frauenliteratur" gestoßen. Im weitesten Sinne sind damit intelligente und humorvolle Romane gemeint, die eine starke Frauenrolle thematisieren – gerne auch mit etwas mehr Tiefgang. Oftmals werden diese Bücher von Frauen für Frauen geschrieben.
Ahoi: Deine allererste Veröffentlichung war ein Gedicht für die MAZ. Also, falls ich richtig informiert bin, für die Märkische Allgemeine Zeitung. Was hast Du denn mit der Mark Brandenburg zu schaffen?
Janina Woyach: Ich bin dort geboren und aufgewachsen und wenn ich mich richtig erinnere, ist es tatsächlich meine Deutschlehrerin gewesen, die das Gedicht an die Zeitung geschickt hatte.
Ahoi: Für den BuchVerlag Leipzig bist Du eine, Kreativität fördernde, Autorin. Gerade Kreativität ist ein großes Thema heutzutage, wo so viel Konsum ist und so wenig kreativer Umgang mit Problemen. Ist Kreativität trainierbar? Wie kommst Du in die Puschen? Oder besser aus den Puschen?
Janina Woyach: Mit dem BuchVerlag Leipzig durfte ich ganz tolle Kreativbücher veröffentlichen. Ich weiß nicht, ob Kreativität trainiert werden kann, doch sie scheint in jedem von uns zu stecken. Ich sehe es jedes Mal, wenn ich einen Kreativkurs an der VHS gebe. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer blühen regelrecht auf und versinken in ihrer ganz eigenen Welt, wenn sie sich mit Pinsel und Farben austoben können. Bei mir ist es da nicht anders.
Ahoi: Zurück zum Schmetterlingsflieder. In der Schweiz dürfen, aufgrund der Neophytenproblematik, einige Schmetterlingsfliederarten (kommt ursprünglich aus China und verdrängt andere schwächere Arten) nicht mehr verkauft werden. Und schon sind wir mitten im gesellschaftspolitischen Diskurs. Anni ist ja aus Berlin zugezogen, erlebt sie in unserer Region auch Griesgrämler und Abgrenzer oder hat so etwas in Deinem Buch nichts zu suchen?
Janina Woyach: (lacht) Anni stößt durchaus auf Persönlichkeiten, die ihr nicht gerade den roten Teppich ausrollen, doch das ist nicht gesellschaftspolitisch motiviert. Aber auch wenn es sich um einen Wohlfühlroman handelt, ist nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Ohne Konflikte gäbe es auch nichts zu erzählen.
Ahoi: In welchem Verlag ist das Buch denn überhaupt erschienen und gibt es Lesungen zum Buch? Verfilmungsanfragen? Hörbuchfassungen? Klagen?
Janina Woyach: Das Buch ist im Rahmen einer Kooperation mit dem Verlagshaus edition winterwork erschienen. Das Unternehmen sitzt in Borsdorf, was die Zusammenarbeit unglaublich spannend gemacht hat. Ich konnte jeden Schritt hautnah miterleben, den Druck, den Farbschnitt, die Buchbindung. Die Premierenlesung fand im GenussAmt in Markranstädt statt. Das Wein- und Feinkostgeschäft bot die perfekte Kulisse. Weitere Lesungen und eine Hörbuchfassung sind in Planung. Bei einem Roman, der auch an realen Schauplätzen spielt, muss man tatsächlich ein paar Sachen beachten, damit es eben keine Klagen hagelt. Ich habe Orte, Schauplätze (und vielleicht auch Figuren) dementsprechend verfremdet. Außerdem habe ich während des Schreibprozesses viele Gespräche geführt und mir so die Erlaubnis geholt. Das mache ich jetzt bei Band 2 genauso.
Ahoi: Dann wünschen wir Dir und Deinen Büchern viel Erfolg und danken für Deine Zeit und Deine Antworten.


