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  • Kunst
30 Jahre Museum für Druckkunst

Meister der 2.000 Schriften

Ab den 1960er-Jahren wurde die Drucktechnik Gutenbergs abgelöst. Im Museum für Druckkunst, das in diesem Jahr 30 wird, lebt sie mit Dieter Seppelt fort, der das Schriftsetzer- Handwerk beherrscht.

Dieter Seppelt
Dieter Seppelt gibt als gelernter Schriftsetzer sein Wissen an Kollegen und Besucher weiter © Janine Bächle

Wahrscheinlich könnte man Dieter Seppelt auch getrost als einen Drucktypen bezeichnen. Latzhose, grauer Bart, freundliches Lächeln. Und ein bewegtes Arbeitsleben in Druckereien hat er hinter sich. Aber eigentlich versteht man unter Drucktypen die winzigen Bleilettern, mit denen er im Museum für Druckkunst als Schriftsetzer hantiert.

Sein Beruf hat nur im Museum überlebt. Dieses verfügt über rund 2.000 Schriftarten. Der Griff in den Setzkasten funktioniert blind. Seppelt weiß, welcher Buchstabe, welche Ziffer, welches Satzzeichen sich in welchem Fach befindet. „Das ist wie Fahrradfahren, das verlernt man nicht“, sagt er und zeigt, wie er die einzelnen Lettern im sogenannten Winkel zu Sätzen fügt.

Der Setzer muss an jedem Satzende entscheiden, ob das nächste Wort in die Zeile passt. Dieter Seppelt, Schriftsetzer

1.500 Zeichen pro Stunde

Klingt einfach, doch es ist Präzisionsarbeit. „Der Setzer muss an jedem Satzende entscheiden, ob das nächste Wort in die Zeile passt“, erklärt Seppelt. Mit Blindmaterial muss der Zwischenraum gleichmäßig aufgefüllt werden.

Und das alles in rasender Geschwindigkeit. 1.500 Zeichen pro Stunde hatte ein Setzer zu leisten. Einmal gesetzt, werden die Lettern mit einer Kolumnenschnur fixiert, mit Druckerfarbe bestrichen und dann in der Presse zum Probedruck gebracht. Der Offset-Druck hat gegen 1960 den Buchdruck verdrängt, sagt Seppelt. Ein im Grunde seit Gutenberg über Jahrhunderte unverändertes Handwerk. Danach ging es Schlag auf Schlag mit der technischen Innovation.

Wissen weitergeben

„In den 1980er-Jahren habe ich zum ersten Mal mit dem Macintosh gearbeitet“, erinnert sich Seppelt. Er gehört zu der Generation, die im Berufsleben jeden Entwicklungsschritt mitmachte. Jetzt ist er als Ehrenamtlicher der letzte gelernte Schriftsetzer am Museum und gibt sein Wissen an Kollegen und Besucher weiter.

Mit Waschbenzin wäscht er die Druckerfarbe von den Lettern und sortiert sie zurück in den Setzkasten. Gleich kommt eine Kindergartengruppe. „Wir sind ein Mitmachmuseum“, sagt Seppelt. Das unterscheide das Haus von anderen. Seppelt: „Es ist so schön, wie die Kinder strahlen, wenn sie ihr Werk aus der Presse ziehen.“

Alle Infos unter
www.druckkunst-museum.de

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