Den mache ich jetzt hoch?“ „Ja, genau.“ Auf dem Homeward Festival dreht eine Teilnehmerin an einem Regler am Mischpult. Als der Bass des nächsten Songs einsetzt, jubeln die anderen. Workshop-Leiterin Sophia Wagner erklärt, wie man den Rhythmus mit den Knien oder Fingern mitverfolgt. Die Teilnehmerin fragt, welcher Track leiser gedreht werden kann. „Find’s selbst raus, du schaffst das. Ich bin da“, antwortet Sophia.
Der zweistündige Workshop ist eine Kurzversion des Formats, das equalize Leipzig sonst einen ganzen Tag lang anbietet. Die Workshops richten sich an FLINTA*, also Frauen, Lesben sowie intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans und agender Personen.
Ein Raum zum Ausprobieren
2020 entstand equalize aus einem Zusammenschluss von Menschen aus der Leipziger Bassmusikszene. Der Gruppe fiel auf, dass FLINTA* sowohl hinter den DJ-Pulten als auch bei der Organisation von Musikveranstaltungen wenig vertreten waren. Es entstand der Wunsch, diese Strukturen aktiv zu verändern.
Die Workshops sollen den Zugang zu Wissen und Technik erleichtern und gleichzeitig einen Raum schaffen, in dem Erfahrungen geteilt, Fragen gestellt und Kontakte geknüpft werden können. Seit 2024 ist equalize ein gemeinnütziger Verein.
Mehr als auflegen
Lisa Samberger nahm an einem der ersten Workshops teil. „Es war null judgy. Alles durfte sein, alles durfte ausprobiert werden.“ Bei früheren Versuchen habe immer Performance-Druck geherrscht. Bei equalize sei es dagegen okay, Fehler zu machen. Danach wurde Lisa in der Leipziger Kulturszene aktiv und legte selbst in Clubs auf. Heute gehört sie zum Vorstand von equalize.
Über eine Vernetzungsgruppe bleiben ehemalige Teilnehmende in Kontakt. Für equalize geht es um mehr als neue DJs. Der Verein will zeigen, dass Musikkultur auch mit mehr Zugang, gegenseitiger Unterstützung und Sichtbarkeit funktionieren kann. Lisa wünscht sich, „dass sich Menschen von equalize inspirieren lassen und mutig sind, Dinge neu zu denken, statt immer nur das bisher Dagewesene zu reproduzieren.“