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Geliebter Fein - das Lokalderby

Lok gegen Chemie

© 1. FC Lok Leipzig

In Leipzig gab und gibt es nur ein wahres Fußball-Derby: Lok gegen Chemie. André Göhre und Thomas Goecke sind seit Jahrzehnten treue Anhänger der Blau-Gelben beziehungsweise der Grün-Weißen. Und sie würden sogar miteinander ein Bier trinken, trotz aller Differenzen.

Warum kann es nur diesen einen Club geben?

Göhre: Um es mit den Worten von Eric Cantona zu sagen: „Du kannst deine Frau wechseln, deine Religion wechseln, deine Politik wechseln, aber niemals, wirklich niemals, kannst du deinen Lieblingsverein wechseln!“

Goecke: Weil das Fußball pur ist und man bei der BSG Chemie auch als Fan aktiv anfassen und mitgestalten kann.

Warum sind eure Fans die geilsten?

Göhre: Ohne uns Fans würde es den Verein wohl nicht mehr geben. Einige opfern ihr letztes Hemd. Aber ich glaube, dahingehend unterscheiden wir uns nicht wesentlich von den Leutzschern.

Goecke: Oh, da gibt es viele Punkte. Ich erinnere mich an die tristen 1980-er Jahre in der 2. Liga. Man ging trotzdem ins Stadion. Die Kreativität und Leidenschaft findest du nur bei Chemie. Dazu nur ein paar Stichpunkte: Subbotnik, der legendäre „Hackebeiltag“, die Fanclubs sind Sponsoren der Nachwuchsteams.

Wie wichtig sind die duelle gegen den Rivalen?

Göhre: Sie sind ein Teil der Fußballgeschichte unserer Stadt, die bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts zurückreicht. Ohne diese Derbys wäre Leipzig um ein gewaltiges Stück Tradition ärmer.

Goecke: Das Duell gegen Lok Leipzig ist das Geilste, was es in ganz Deutschland überhaupt gibt, dagegen sind alle anderen Derbys Kindergarten!

Seit wann sind Sie Fan?

Göhre: 1974, mit sechs Jahren, war mein erstes Spiel, das Halbfinale im UEFA-Cup gegen Tottenham Hotspur. Da entdeckte ich meine große Liebe, die mich die nächsten 46 Jahre begleiten sollte.

Goecke: Seit etwa 1982, weil mich die Atmosphäre einfach fasziniert hat. So richtig explodiert ist meine Liebe beim Spiel gegen Rot-Weiß Erfurt in der Saison 1983/84. Das Highlight bleibt für mich immer noch das Relegationsspiel gegen Union Berlin, da bekomme ich immer noch Gänsehaut!

Über wessen Niederlage freuen Sie sich mehr – von RB leipzig oder vom Rivalen?

Göhre: In erster Linie freue ich mich über einen Sieg der Loksche. Ich müsste jedoch lügen, wenn ich sagen würde, dass ich unglücklich wäre, wenn die Chemiker in der Regionalliga Nordost hier und da ein paar Punkte liegen lassen. RB Leipzig beobachte ich lediglich am Rande.

Goecke: Ganz einfach: Wenn beide verlieren und Chemie und unsere Freunde aus Frankfurt gewinnen.

Würden Sie mit einem Fan des Rivalen ein Bier trinken?

Göhre: Selbstverständlich, ich habe es schon oft getan. In meinem Freundes-, Kollegen- sowie Bekanntenkreis befinden sich viele Chemiker. Gerade die ältere Generation befindet sich meist auf einer Wellenlänge.

Goecke: Klar, mache ich schon immer.

Wer hat das kultigere Stadion?

Göhre: Die Stadien beider Vereine haben ihren Reiz und eine eindrucksvolle Geschichte. Für mich jedoch besitzt natürlich das „Bruno“ mit seiner einzigartigen Holztribüne den größeren Kult und Charme.

Goecke: Eindeutig Chemie. Das ist ein reines Fußballstadion und einfach nur Atmosphäre pur!

Wer ist der unangenehmste Gegenspieler beim Rivalen?

Göhre: Stephane Mvibudulu und Andy Wendschuch. Zumal diese ja von der Loksche kamen und sich in den Spielen gegen uns besonders beweisen wollten.

Goecke: Ehrlich gesagt interessieren mich die Spieler des Gegners überhaupt nicht.

Wer steigt zuerst in die 3. Liga auf?

Göhre: Eine schwer zu beantwortende Frage. In der letzten Saison hätten wir es ja fast geschafft, momentan sieht es eher nach der BSG aus. Beide Vereine arbeiten inzwischen solide und zukunftsorientiert. Vom Gefühl her würde ich jedoch sagen, wir machen am Ende das Rennen.

Goecke: Aufgrund der wirtschaftlichen Lage keiner der beiden. Ich glaube auch nicht, dass es bei Chemie gewollt wäre. Das wichtigste Ziel ist ganz klar, dass der Verein nicht aus der Regionalliga absteigt!

Was war ihr Lieblings-Derby?

Göhre: Jedes Spiel gegen Chemie ist ein Highlight. Am ehesten erinnere ich mich an das Viertelfinale im Sachsenpokal im Jahr 2016, welches wir in der Verlängerung durch ein Tor von Hiromu Watahiki mit 1:0 gewannen.

Goecke: In der Messehalle 7 haben wir sie beim ersten Hallenmasters des DSF geschlagen. Das muss 1994 gewesen sein. Zwei Drittel der Halle waren grün-weiß und mit dem Schlusspfiff stimmten alle das Axtmannlied an – unvergessen!

Mehr Infos: www.lok-leipzig.com

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